Esslingen - Für viele Esslinger kam der Schrecken Ende Juni aus heiterem Himmel: Sie wurden völlig überrumpelt von dem Starkregen, der manche Straße innerhalb kürzester Zeit in einen reißenden Strom verwandelte und viele Keller unter Wasser setzte. Nun hat die Stadtverwaltung eine sogenannte Starkregengefahrenkarte präsentiert, in der besonders gefährdete Bereiche verzeichnet sind. Damit sollen die Bürgerinnen und Bürger, aber auch offizielle Stellen künftig besser auf die Auswirkungen von Starkregen und Überflutungen vorbereitet werden.
Der Starkregen am 26. Juni war zwar nicht der erste in Esslingen, dafür aber ein ungewöhnlich heftiger. Innerhalb von nur 45 Minuten prasselten 48 Liter Regen auf den Quadratmeter. Angesichts dieser Wassermassen kam es an vielen Stellen zu Sturzfluten, Hochwasser und Schlammlawinen. Insgesamt 80 Mal musste die Feuerwehr ausrücken – der Oberbürgermeister Jürgen Zieger rief den öffentlichen Notstand aus. Besonders heftig traf es die Anwohnerinnen und Anwohner der Mittleren Beutau: Der Starkregen setzte die Straße von Haus Nummer 77 bis hinunter zur Einmündung der Turmstraße komplett unter Wasser, auch Häuser und Keller wurden geflutet. Der Deutsche Wetterdienst stufte das Unwetter als so extrem heftig ein, wie es statistisch gesehen nur alle 80 Jahre vorkommt.
Stadt will sich und Bürger vorbereiten
Zumindest bislang ist ein solches Unwetter so selten – doch im Zuge des Klimawandels werden Starkregenereignisse häufiger und heftiger. Deshalb will die Stadt sich und die Bürger nun darauf vorbereiten. „Unser Ziel ist es, die Risiken zu reduzieren“, sagt der Tiefbauamtsleiter Uwe Heinemann. Deshalb wolle man jetzt über die Gefahren informieren – und zwar vor allem mit Hilfe der Starkregengefahrenkarte. Auf dieser ist eingezeichnet, an welchen Stellen bei Starkregen oder Hochwasser ein besonders hohes Risiko von urbanen Sturzfluten, Überschwemmungen sowie Steinschlag oder Hangrutschen besteht. Außerdem hat die Stadt insgesamt 21 Steckbriefe für besonders gefährdete Bereiche erstellt. In diesen ist genau beschrieben, mit welchen Risiken und Schadenspotenzialen hier zu rechnen ist, welche Sofortmaßnahmen vor und während eines Unwetters zu ergreifen sind und welche Lösungen die Risiken mittel- und langfristig reduzieren könnten.
Dabei stellt Heinemann klar: „Urbane Sturzfluten kann man nicht völlig verhindern.“ Aber man könne einiges tun, um sich zu schützen. So sei die Stadt gefordert, wassersensitive Bebauungspläne aufzustellen, Überflutungsflächen freizuhalten, Rechenanlagen in Gewässern zu optimieren, Gewässer naturnah auszubauen und die Einsatz- und Alarmplanung stetig zu optimieren. Aber Heinemann betont auch, dass nicht nur die Verwaltung in der Pflicht sei: „Die Eigentümer sind zum Eigenschutz verpflichtet.“ Sie müssten ihre Häuser selbst vor Rückstau schützen – eben für den Fall, dass sie von einem Starkregen wie dem im Juni heimgesucht werden. Denn für so ein Ereignis könne die Stadt weder vorsorgen noch für Schäden haftbar gemacht werden.
Hausbesitzer müssen selbst vorsorgen
Das hatten die Bewohner der Mittleren Beutau im Sommer bitter erfahren müssen. Sie hatten sich zur Interessengemeinschaft Beutaukanal zusammengeschlossen und die Stadt um Unterstützung bei der Beseitigung der Schäden, um Kostenerstattung und Aufwandsentschädigung gebeten. Denn ihrer Meinung nach hatte die städtische Baustelle zur Sanierung des Geiselbachkanals dazu beigetragen, dass das Hochwasser für sie so dramatische Folgen hatte. Doch die Stadt hatte abgewunken: Ein Starkregen dieses Ausmaßes sei weit mehr als das, was eine öffentliche Entwässerung leisten müsse. Für derartige Ereignisse müssten Hausbesitzer Rückstauklappen einbauen, um Überflutungen in ihrem Haus zu verhindern.
Noch heute zeigt man sich in der Mittleren Beutau enttäuscht darüber: „Wir hätten uns mehr Engagement und Unterstützung von der Stadt gewünscht“, sagt Claudia Puffer, die Initiatorin der Interessengemeinschaft. So habe man sich um alles selbst kümmern müssen. Bis jetzt seien immer noch nicht alle Schäden behoben. Puffer schätzt, dass insgesamt ein Schaden von mehr als 100 000 Euro an den Häusern in der Mittleren Beutau entstanden ist – und nicht immer habe die Versicherung gezahlt. Immerhin seien inzwischen die Reinigungsarbeiten abgeschlossen. Für Heinemann zeigen die Folgen in der Mittleren Beutau aber auch, wie wichtig der Eigenschutz an Privathäusern sei.
Informationen: Die Starkregengefahrenkarte sowie die Steckbriefe von den besonders gefährdeten Bereichen sind auf der Homepage der Stadt einzusehen unter www.esslingen.de/starkregen