Wandersaison in Baden-Württemberg Auf und ab auf neuen Wegen

Wanderung zum Jungfraufelsen auf dem Löwenpfad in Bad Überkingen Foto: Ines Rudel

So macht Wandern Spaß: In Baden-Württemberg locken viele neue Touren. Sie bieten eine perfekte Ausschilderung und viele Höhepunkte.

Bad Überkingen - Dem Ex-Chef der Deutschen Bank, Josef Ackermann, hat man es verübelt, dass er gar nicht genug Gewinn haben konnte. Solches Profitstreben hat aber auch seine guten Seiten. Wer gerne wandert, profitiert gerade davon. Überall sind neue Wanderwege ausgeschildert oder in Planung. Denn damit lässt sich ordentlich Geld verdienen. 264 Millionen Euro Umsatz machte die Tourismuswirtschaft im Landkreis Göppingen im letzten Jahr. Gestützt auch durch ein Gästeplus von knapp sechs Prozent – damit sind die Göppinger Spitzenreiter im Regierungsbezirk Stuttgart.

 

Daran hat auch die „Felsenrunde“ ihren Anteil, eine 13,3-Kilometer-Tour oberhalb von Bad Überkingen, im letzten Jahr vom „Wandermagazin“ zum zweitschönsten Wanderweg Deutschlands gekürt. Abwechslungsreich ist sie auf jeden Fall: Felsköpfe, die saugende Tiefblicke bieten und einen sicheren Tritt samt Schwindelfreiheit erfordern. Der Parkplatz eines Golfclubs, der ein Showroom der automobilen Oberklasse ist. Weite Blicke in Täler, wo Wacholderheiden ganze Hänge bedecken, aber auch in Täler, die der Siedlungsbrei ausfüllt. Und ein Tempelchen, Friedrich Schiller gewidmet. Diesen Weg gibt es in dieser Kombination erst seit Kurzem. Zwar haben die ehrwürdigen Pfade des Albvereins die Hänge und die Hochfläche des Michelsberges mit seiner Hausener Wand, einer der alpinsten Felsfluchten der Alb, schon lange dem Wanderer erschlossen; aber zu einer eigens ausgeschilderten Tour ist die „Felsenrunde“ erst durch das Projekt der „Löwenpfade“ geworden.

Wandern ist für den Kreis Göppingen das optimale Konzept

Die „Löwenpfade“ sind eines der ambitioniertesten Projekte in Sachen neue Wanderwege. 15 Rundwanderwege über rund 150 Kilometer, eingebettet in ein Wegenetz von 1200 Kilometern, das der Landkreis neu ausgezeichnet hat: mit 600 Pfosten, 6000 Schildern und 16 000 Markierungszeichen. In diesem Wegenetz sind auch Rundwanderwege der Gemeinden einheitlich beschildert oder neu konzipiert worden, insgesamt 130 Kilometer. Wer über den digitalen Tourenplaner das Landkreises navigiert, sieht, wie die Rundwege ihn flächendeckend überziehen. Was, wie gesagt, dem Kreis einen größeren Anteil vom boomenden Wandertourismus verschaffen soll – und das auch tut: Die Übernachtungen übertreffen schon jetzt das Ziel, das man sich für das Jahr 2021 gesetzt hatte. Und Wandern ist für den Kreis das optimale Konzept, sagt Susanne Leinberger, die Leiterin des Büros für Kreisentwicklung: „Wir haben nicht so viele sonstige Höhepunkte, da müssen wir den sanften Tourismus fördern.“

Dass solche Rundwege, die nach dem Muster des Premium-Wanderns konzipiert sind (also zum Beispiel perfekte Ausschilderung oder abwechslungsreiche Wege), quasi Selbstläufer sind, weiß man von den Pionieren auf der Alb, den Albstädter Traufwegen. Die sind so beliebt und überrannt, dass sich die Bürger im besonders malerischen Dorf Burgfelden inzwischen vorkommen wie in Venedig und einen Ausbau-Stopp der touristischen Infrastruktur fordern – Overtourism auf der Alb, wer hätte das vor ein paar Jahren gedacht!

Hochgehberge sind das neuste Projekt auf der Alb

„Eine Entwicklung, von der die Wanderer auch profitieren – denn um Ähnliches zu vermeiden, haben die Göppinger lieber geklotzt und dieses breite Netz geschaffen“, sagt Holger Bäuerle von der Tourismusförderung des Landkreises: „So können wir den Zustrom der Wanderer entzerren.“

Und ihn lenken. Tatsächlich haben die Macher sogar 300 Kilometer bisherige Wanderwege aus dem Angebot genommen. Die Wege gibt es noch, aber sie haben keine Markierung mehr und werden bald zuwachsen. Weil die Manpower des Albvereins nicht mehr reicht, um die aufwendige Wegepflege überall zu schaffen. Und: „Um Ruhezonen für Pflanzen und Tiere zu schaffen.“

Gleich ein breites Angebot zu bieten – das ist auch das Konzept der „Hochgehberge“, dem neuesten Projekt auf der Alb. Bis zum Herbst entstehen in den Landkreisen Reutlingen und Esslingen, vor allem im Biosphärengebiet, 21 Premiumwege. Durchaus eine Antwort auf die Nachbarn, gibt Stefanie Bläsing von der Geschäftsstelle „Hochgehberge“ zu: „Ringsum ist so viel passiert, da wollten wir auch was haben.“

Der 215 Kilometer lage Remstalweg eröffnet im Mai

Tatsächlich nimmt das Angebot ständig zu. Die Gemeinden Mössingen, Tübingen und Ammerbuch zeigen mit ihren „Premiumspazierwegle“, welche attraktiven Wanderungen schon in Ortsnähe möglich sind. Und auch im Albvorland erhöht sich das Angebot: Im Mai wird der 215 Kilometer lange Remstalweg eröffnet.

Der ungewöhnliche Sammelname „Hochgehberge“, der seine Fortsetzung in den Tourennamen wie „hochgehträumt“ oder „hochgehswiggert“ findet, zielt auf ein jüngeres Publikum: „Wandern wird gerade in der jungen Generation sehr populär, und dem wollen wir mit einem dynamischen Markennamen Rechnung tragen.“ Die „Hochgehberge“ sollen sich auch als Lebenshilfe in unserer hektischen Zeit anbieten: „Hochgehen, um runterzukommen.“ Nur die Zahlen, die mögen doch bitte immer nur die Aufwärtsrichtung kennen.

Mehr Informationen im Überblick

Löwenpfade: www.löwenpfade.de

Wanderwege im Landkreis Göppingen: www.tourenplaner.lk-gp.de

Hochgehberge: www.hochgehberge.de

Premiumwege im Landkreis Tübingen: http://fruechtetrauf.tuebinger-umwelten.de

Weitere Themen