Start-up Autobahn Firma gründen mit Sicherheitsnetz

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Auf dem vierten Präsentationstag der Innovationsplattform Start-up Autobahn gibt es einige visionäre Ideen wie einen sicheren Datenverkauf für Jedermann oder ein „Sabbatjahr“ für gründungswillige Mitarbeiter.

(Auto-)mobilität, sprudelnd vor Ideen – so sieht sich die Start-up-Autobahn Foto: StZ
(Auto-)mobilität, sprudelnd vor Ideen – so sieht sich die Start-up-Autobahn Foto: StZ

Stuttgart - Wieder ein bisschen mehr nach Auto hat die ursprünglich von Daimler gegründete, aber inzwischen auf fast zwei Dutzend Partnerunternehmen angewachsenen Innovationsplattform Start-up-Autobahn am Donnerstag ausgesehen. Auch der Veranstaltungsort war diesmal vom Forschungscampus Arena 2036 an der Universität Stuttgart-Vaihingen weg- und wieder etwas näher an den Initiator herangerückt: In der bis auf die Stehplätze gefüllten Carl-Benz-Arena erinnerten zwei Mercedes-Modelle, ein Porsche und ein schwarzer Roboterrennwagen daran, dass das Stichwort Mobilität in Stuttgart immer noch vor allem mit vier Rädern verbunden wird.31 Start-ups aus elf überwiegend europäischen Ländern haben in diesem Jahr rund 100 Tage lang mit etablierten Firmen wie BASF, Daimler, DHL, Hewlett Packard Enterprise, Linde oder Porsche an Pilotprojekten zusammengearbeitet.

Offene Plattform für Innovationen

Dass die Ergebnisse wirklich offen zugänglich sind, machte Sascha Karimpour, der das Programm für die US-Start-up-Plattform Plug and Play von Anfang an betreut, fast beiläufig deutlich. Das 2017 an der Start-up-Autobahn beteiligte israelische Unternehmen Innoviz wurde in diesem Jahr vom Daimler-Konkurrenten BMW als Sensorenlieferant für Abstands- und Geschwindigkeitsmessungsradar engagiert – obwohl die Münchener gar nicht bei der Start-up-Autobahn dabei sind.

Andere Firmen aus dem Programm haben anschließend Investitionen im zweistelligen Millionenbereich eingesammelt. Auch für Plug and Play, das in Berlin, Frankfurt und München ähnliche Projekte mit anderen Technologieschwerpunkten betreibt, gilt das Stuttgarter Programm inzwischen offenbar als vorbildlich.

Start-up-Präsentationen gab es in diesem Jahr in vier Themenbereichen: Künstliche Intelligenz und Blockchain, Smarte Materialien und Sensoren, Industrie 4.0 und Logistik, Fahrzeugtechnik und -services. Wie anspruchsvoll die Konzepte sind, belegte beispielsweise die Gruppe zum Thema Datenanalyse: Das Start-up Braincities aus Paris will in der Lage sein, selbst die Stimmung innerhalb von Teams oder Belegschaften treffsicher analysieren zu können. Streamr aus der Schweiz will ein System etablieren, mit dem es unter anderem möglich sein soll, als Verbraucher und Nutzer individuell und mit höchster Sicherheit seine eigenen Daten zu vermarkten.

Riddle & Code aus Wien widmet sich der Frage, wie künftig in der Datenwelt absolut sicher Identitäten festgestellt werden können und wie damit Datenmissbrauch verhindert werden kann. Die nicht profitorientierte, offene Plattform Iota Foundation aus Berlin will mithilfe der vor allem aus dem Finanzbereich bekannten Blockchain-Technologie einen Standard für die missbrauchssichere Kommunikation von Maschine zu Maschine etablieren. Am Band könnte dann ein Roboter nicht nur die Montage, sondern auch die Materialbestellung und sogar die Bezahlung regeln. Dass sie Start-up-Autobahn nicht nur eine Verwertungsplattform für Ideen sein will, sondern auch eine Mentalität nach Stuttgart importieren will, machte unter anderem ein neuer Innovationspreis deutlich.

Jeff Burton, bereits in den Achtzigerjahren Gründer einer heute milliardenschweren Plattform für Onlinespiele namens Electronic Arts im Silicon Valley, machte dazu einen Vorschlag: Es solle auch in deutschen Unternehmen üblich werden, talentierten Mitarbeitern das Gründen zu erleichtern, indem man ihnen nach ihrer Start-up-Zeit die Rückkehr in die Firma garantiere. Das habe die Computerfirma Hewlett Packard im Silicon Valley über viele Jahre mit Erfolg praktiziert. „Die Hälfte der Ingenieure und Entwickler, die Google heute einstellt, haben zuvor schon einmal in der Firma gearbeitet“, sagte Burton. Gerade Baden-Württemberg, wo die Sicherheit eines Jobs in einer etablierten Firma so manchen davon abhält, sich als Gründer zu versuchen, könnte für ein solches, in Deutschland bisher ungewöhnliches Konzept ein geeigneter Standort sein.

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