Bei den meisten Menschen verschwindet das warme Wasser einfach so im Abfluss. Dabei steckt im Abwasser doch noch viel Wärmeenergie, wie Steffen Nittbaur erklärt. Gemeinsam mit seinem Sohn Valentin vertreibt der Filderstädter seit Mitte vergangenen Jahres eine spezielle Duschrinne, welche die Wärme des Abwassers nutzt. „Meine Vision wäre, dass das in einigen Jahren der Standard in Deutschland ist“, sagt der 58-Jährige.
Wie funktionierts? Die Wassertemperatur beim Duschen beträgt ungefähr 38 Grad Celsius. Das Kaltwasser aus der Leitung hat zehn bis zwölf Grad, das Warmwasser 55 bis 60 Grad Celsius. Um die gewünschte Wassertemperatur zu erhalten, wird das Kalt- und das Warmwasser kurz vor dem Austritt aus dem Duschkopf gemischt. Nach wenigen Sekunden verschwindet das Duschwasser mit rund 36 Grad Celsius im Abfluss. An dieser Stelle setzt die Wärmerückgewinnung an.
Produziert wird in der Schweiz
In der Duschrinne sind unter einer Abdeckung Kupferrohre verbaut, durch die das Kaltwasser auf dem Weg in den Duschkopf geleitet wird. Die Kupferrohre mit dem frischen Kaltwasser werden vom warmen Abwasser gewärmt. Die Folge ist, dass das Kaltwasser von seinen zehn bis zwölf Grad auf rund 25 Grad Celsius vorerwärmt wird. „Sie brauchen weniger Warmwasser, um die optimale Duschtemperatur zu erhalten“, erklärt Nittbaur. Nach 20 Sekunden unter der Dusche funktioniere das System. Die Energieeinsparung betrage zwischen 30 und 60 Prozent – abhängig vom Modell der Abwasserrinne mit Wärmerückgewinnung. Hergestellt werden die Duschrinnen derzeit von der Firma Joulia in der Schweiz.
Erstaunlich findet Nittbaur, dass die Idee nicht schon früher in Deutschland Fuß gefasst hat. Immerhin wird hierzulande viel über Nachhaltigkeit gesprochen, beispielsweise beim Verkehr, bei der Energieerzeugung oder beim Heizen. Auch Abwasserwärme zu nutzen, sei eigentlich keine neue Idee, erklärt er. Die Wärme des Duschwassers unmittelbar beim Duschen einzusetzen sei aber bisher eine kaum beachtete Möglichkeit der Energieeinsparung. „Wir wollen es salonfähig machen“, erklärt er. Vor allem bei Neubauten oder umfangreicheren Badsanierungen sei der Einbau sinnvoll.
Was bringt’s? Ein durchschnittlicher Duschvorgang betrage acht bis neun Minuten rechnet er vor. Eine Familie mit vier Personen könnte durch die neue Duschrinne mit Wärmerückgewinnung 204 Euro pro Jahr an Energiekosten sparen. Hinzu kommt die CO2-Einsparung, die beim Beispiel der vierköpfigen Familie rund 340 Kilogramm im Jahr ausmacht. Allerdings ist die genaue Berechnung von vielen Faktoren abhängig. Es spielt beispielsweise eine Rolle, welcher Energieträger im Haus genutzt wird. Wer es genau wissen möchte, findet auf der Homepage des Unternehmens, www.unocconi.com, einen Rechner, bei dem die genauen Daten eingegeben werden können. Den Einsparungen müssen die Kosten für die Duschrinne entgegengehalten werden. Die verschiedenen Modelle kosten zwischen 2261 und 3200 Euro. Nittbaur spricht von einer Amortisation nach rund acht Jahren.
Idee während des Fernstudiums
Aufmerksam wurde Steffen Nittbaur auf die Idee während eines Fernstudiums. Nach vielen Jahren als Wirtschaftsingenieur bei einem großen Automobilhersteller sei ihm mit 56 Jahren eine verlockende Abfindung angeboten worden. Er habe angenommen und die neu gewonnene Freizeit für ein Fernstudium der Umweltwissenschaften genutzt. „Da bin ich auf das Thema Wärmerückgewinnung gestoßen“, erinnert er sich. Ihm sei aufgefallen, dass die Schweizer Duschrinnen mit Wärmerückgewinnung kaum präsent auf dem deutschen Markt seien. Er habe Kontakt mit dem Hersteller aufgenommen und sich daran gemacht, das Produkt in Deutschland anzubieten.
Vorstellung auf Messen
Haus Bau Energie
Steffen Nittbaur stellt am 23. und 24. März bei der „Haus Bau Energie“ in der Alten Kelter in Fellbach aus. Dort können sich Immobilienbesitzer anschauen, welche Möglichkeiten es gibt, Energie zu sparen. Geöffnet ist von 10 bis 17 Uhr, der Eintritt kostet pro Tag 6 Euro.
Frühjahrsmessen
Zwei Wochen später findet man Nittbaur bei der „Zukunft Haus“, die als Teil der Frühjahrsmessen vom 4. bis 7. April auf der Messe Stuttgart vertreten ist. Dort gibt es Produkte, Händler, Dienstleistungen und Vorträge rund um die Themen Neubau, Renovierung und Finanzierung. Am Donnerstag ist von 14 bis 20 Uhr geöffnet, von Freitag bis Sonntag von 10 bis 18 Uhr. Je nach Tag und Dauer des Besuchs kostet der Eintritt zwischen 9 und 17 Euro.