Stau wird in Kauf genommen Ludwigsburg baut Bushaltestellen barrierefrei um

Wenn der Bus die einzige Richtungsspur belegt, müssen Autofahrer warten. Foto: Armbruster

Aus baulichen Gründen fallen in der Stadt immer mehr Haltebuchten weg – das führt im Gegenzug zu mehr Staus und Abgasen.

Ludwigsburg: Sabine Armbruster (sar)

Fast 250 Bushaltestellen gibt es im gesamten Stadtgebiet, die meisten davon wurden in den vergangenen Jahren barrierefrei umgebaut. Weitere sollen noch folgen, Aussagen über die tatsächliche Ausgestaltung seien noch nicht möglich, heißt es seitens der Stadt.

 

Und damit ist auch noch nicht klar, ob sich noch mehr Autofahrer in Geduld üben müssen. Denn dieser Umbau hat auch einen Haken: Dadurch entfallen nämlich oft die Busbuchten. Das bedeutet, dass die Busse nicht mehr wie bislang abseits des fließenden Verkehrs Passagiere ein- und aussteigen lassen können, sondern dass sie direkt auf der Straße halten müssen. Das erzeugt vor allem zu Stoßzeiten zusätzlichen Stau für die Autofahrer, weil sie die Busse wegen des entgegenkommenden Verkehrs nicht überholen können und dies ohnehin nur mit äußerster Vorsicht und in Schrittgeschwindigkeit tun dürften. Und Stau produziert mehr Abgase.

Barrierefreier Umbau ist Pflicht

Dass die Haltestellen öffentlicher Verkehrsmittel barrierefrei umgebaut werden, ist seit dem 1. Januar 2022 Pflicht. Grundlage dafür ist das sogenannte Personenbeförderungsgesetz. Zuständig für den Umbau sind die Kommunen, sie können aber dafür in der Regel Fördergelder erhalten.

Doch was umfasst ein barrierefreier Umbau genau? Zum einen werden für Sehbehinderte weiße Kunststoffleitstreifen in den Gehweg eingebaut, und die Anzeigetafeln für den nächsten Bus können auf Tastendruck „sprechen“. Zum anderen werden die Gehwege so weit erhöht, dass sie sich auf derselben Höhe befinden wie die Einstiegsschwelle des Busses. So soll ein Einstieg auch mit Rollator oder im Rollstuhl möglich sein.

Auch der Einstieg mit Kinderwagen fällt leichter

Vom barrierefreien Umbau profitieren jedoch nicht nur Menschen mit Einschränkungen der Sehkraft oder der Gehfähigkeit, auch wer einen Kinderwagen in den Bus mitnehmen möchte oder schweres Reisegepäck dabeihat, ist froh, wenn Buseinstieg und Gehweg auf derselben Höhe sind. Unabhängig von der Bordsteinhöhe spielt es aber auch eine Rolle, dass die Busse dicht genug an die Bordsteinkante heranfahren können, sodass allenfalls ein schmaler Spalt für die Räder zu überwinden ist.

Und genau da ist auch das Problem, erklärt Susanne Jenne von der Pressestelle der Stadt Ludwigsburg. „Bei Busbuchten ist nicht immer gewährleistet, dass die Busse die Haltestelle parallel zum Bordstein anfahren können. Der Ein- und Ausstieg für mobilitätseingeschränkte Fahrgäste ist aber nur dann möglich, wenn das Fahrzeug so nahe wie möglich gerade am erhöhten Bordstein anhält.“

Für Busse sollen die Fahrzeiten noch kürzer werden

Allerdings sind auch Busbuchten an Stellen entfallen, wo ein paralleler Halt problemlos möglich gewesen wäre. Jenne nennt als Grund dafür, dass durch das Halten auf der Fahrbahn die Fahrtzeitverluste der Busse beim Einfädeln in den fließenden Verkehr entfallen würden. „Dies erhöht die Fahrplanstabilität und die Pünktlichkeit der Busse. In den geltenden Richtlinien zum ÖPNV ist die Fahrbahnrandhaltestelle oder das Buskap als Regellösung innerorts empfohlen.“ Deshalb würden Haltebuchten überall dort rückgebaut, wo es die Verkehrsbelastungen ermöglichten. An Hauptverkehrsstraßen wie etwa auf der Heilbronner Straße bei der Feuerwehr sei die Bucht dagegen beibehalten worden.

An einigen Stellen, wo sich private Ein- und Ausfahrten befinden, sind aber auch zum Teil gefährliche Stolperfallen für Fußgänger entstanden. Die Pressesprecherin betont jedoch, der Übergang zwischen den Hochborden zu den angrenzenden Flachborden werde immer regelkonform mit den zulässigen Steigungen hergestellt.

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