Herr Lohnert, am Samstag findet bei Ihnen das Stuttgart Electronic Music Festival, kurz SEMF statt. Wie passt dieses Event zu Veranstaltungen wie der Weltleitmesse für Rollladen, Tore und Sonnenschutz R+T?
Wir kommen ja vom Killesberg. Dort waren wir auch Konzertveranstalter. Insofern ist uns das Wesen nicht fremd. Im Zuge des Umzugs der Messe auf die Fildern haben wir vom Regierungspräsidium den Auftrag bekommen, uns auf unsere Kernkompetenz zu konzentrieren, auf Messen, Kongresse. Die Konzerte sollten wir den Kollegen der Veranstaltungsgesellschaft in.Stuttgart überlassen.
Also passt die SEMF nicht auf die Messe?
Doch, durch meine Person. Bevor ich zum Team der Messe Stuttgart gestoßen bin, habe ich die Sporthalle in Böblingen betrieben, habe also sehr viel Rock’n’Roll veranstaltet. Meiner Meinung nach passt die Veranstaltung auch deshalb zu uns, weil wir damit als Messe ein jüngeres Publikum erschließen können. Viele Jugendliche haben ihren Erstkontakt zu uns durch die SEMF.
Sie haben klassische Musik studiert. Wie gefällt Ihnen der SEMF-Sound persönlich?
Am Anfang habe ich mich schwergetan, weil ich privat eher volkstümliche Musik oder Klassik bevorzuge. Es ist laut, die Beats per Minute haben mit 100, 120 eine hohe Frequenz. Dann hatte ich bei einem Set von Moonbootica einen Aha-Moment: Die denken nicht wie ein klassisch ausgebildeter Musiker in vier oder in acht Takten. Das sind eher vier oder fünf Minuten, in denen dieselbe Phrase läuft. So etwas live zu mischen: Da wurde ich geläutert!
Privat hören Sie aber trotzdem lieber Beethoven als Sven Väth, oder?
Privat höre ich Sven Väth tatsächlich nicht. Da können es aber durchaus auch mal härtere Klänge sein, bedingt durch meine Vorgeschichte in Böblingen, wo der Fokus ein wenig auf Heavy Metal lag: Dort haben wir Slayer, Slipknot oder Rammstein veranstaltet.
Einspruch! In der Sporthalle gab es auch gute Hip-Hop-Konzerte, Snoop Dogg gastierte dort zum Beispiel im Jahr 2005.
Stimmt, das Konzert habe ich gemacht. Es war beeindruckend, auch weil wir damals großen Stress bekommen haben mit dem Amt für öffentliche Ordnung. Es herrschte Rauchverbot in der Halle, der Künstler kam aber mit einem Joint auf die Bühne. Nach dem Konzert musste ich dem Bürgermeister erklären, wieso ich Snoop Dogg nicht das Rauchen verboten habe.
Stichwort Drogen. Rund um die SEMF wurden im vergangenen Jahr 99 Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz festgestellt. Haben Sie damit keine Probleme?
Null Verstöße wären natürlich besser. Bei 17000 Gästen, die wir am Samstag erwarten, sind 99 Vorfälle aber eine verschwindend geringe Zahl.
Fehlt Ihnen die Popkultur in Ihrem aktuellen Job manchmal?
Sie fehlt mir manchmal. Ich mag Live-Acts, egal aus welcher Disziplin. Bei uns dürfte ruhig etwas mehr Bühnengeschehen stattfinden. Im nächsten Jahr haben wir ein schönes, neues Produkt, die Brawo, eine Blasorchester-Messe, die am 7. und 8. März stattfinden wird.
Spielen Sie selbst ein Instrument?
Ich komme aus der Blechblasfraktion. Mein Kerninstrument ist die Tuba, die spiele ich hin und wieder noch. Heute lernen meine Söhne Posaune und Euphonium, es macht großen Spaß, mit ihnen Duette zu spielen. Meine große Leidenschaft gilt aber der Steirischen Harmonika. Die ist vom Klang her toll.
Klingt schwer danach, als könnten Sie selbst bald bei der SEMF auftreten, mit live eingespieltem House?
Coole Idee. Mit meinem Sohn würde ich so ein Experiment wagen. Lassen Sie uns in zwei Jahren wieder sprechen.
Sehr gerne. Vorher schauen wir aber etwas weiter zurück. Auch während Ihrer Zeit bei der Bundeswehr waren Sie musikalisch unterwegs. Was halten Sie von der These, dass Marschmusik und Techno von der Konstruktion her gar nicht so unterschiedlich sind?
Marschmusik hat etwas Hartes, eine gewisse Mathematik, die man auch im Techno wiederfinden kann. Der Rhythmus wechselt aber nicht nach vier oder acht, sondern nach 40 oder 80 Takten. Von der mathematischen Architektur kann man aber durchaus Parallelen ziehen.
2015 haben die Hip-Hop-Open in Stuttgart letztmals stattgefunden. Wäre die Messe nicht ein möglicher Ort, um das Festival wiederzubeleben?
Für Gespräche sind wir offen. Open Air wird das bei uns aber nicht funktionieren, unser Freigelände ist schwierig, das hat das Stuttgart Festival 2015 gezeigt. Die Windgeschwindigkeiten sind hier oben einfach deutlich stärker als im Kessel.
Stichwort frischer Wind: Sie bewerben sich um die Internationale Automobil Ausstellung IAA. Wie ist da der aktuelle Stand?
Wir sind sehr hoffnungsvoll. Aktuell sind sechs Städte im Rennen: Frankfurt, Köln, Berlin, Hamburg, München und wir. Vor zwei Wochen haben wir das Briefing vom Verband der Automobilindustrie bekommen. Im Zuge seines Selbstfindungsprozesses hat der VDA sehr ambitionierte Vorstellungen für eine neue IAA entwickelt. Anfang des kommenden Jahres dürfen wir, die Stadt Stuttgart und die Messe Stuttgart, unser Konzept präsentieren. Dabei werden wir auch unterstützt vom Land Baden-Württemberg. Der neue Veranstaltungsort soll im ersten Quartal verkündet werden. Wir sind überzeugt davon, dass der Standort Stuttgart für die IAA ideal wäre.