Was also tun? Kurzfristig sind die Möglichkeiten zum Energiesparen recht begrenzt. Natürlich kann man den Rat eingefleischter Umweltschützer befolgen und das Ventil am Heizkörper einfach ein bisschen weniger weit öffnen. Stufe drei – das entspricht etwa 20 Grad – reicht in der Regel aus. Immerhin sinken pro ein Grad Celsius weniger Raumtemperatur die Heizkosten um sechs Prozent, wie Experten gerne vorrechnen. Man muss ja in der Wohnung nicht unbedingt im T-Shirt herumlaufen. Im Schlafzimmer empfehlen sich ohnehin etwas kühlere Temperaturen für einen gesunden Schlaf.
Aber wenn in einem nicht gedämmten Altbau die Wände unangenehme Kälte abstrahlen, hat man es gerne etwas wärmer. In dem Fall muss man sich grundsätzliche Gedanken darüber machen, Haus und Heizung energetisch so aufzurüsten, damit es auch in Zukunft zu bezahlbaren Preisen warm ist.
Lange waren Energiepreise niedrig
Ökologisch gesehen ist dies angesichts der rasant voranschreitenden Klimaerwärmung unerlässlich. Rein finanziell lohnten sich die Investitionen in eine bessere Dämmung der Gebäudehülle oder eine neue, energiesparende Heizung in den vergangenen Jahren kaum. Wegen der anhaltend niedrigen Öl- und Gaspreise dauerte es bisher viele Jahre, bis sich die teuren Maßnahmen amortisiert haben – wenn überhaupt. Das ändert sich nun. Und dieser Trend dürfte sich auch nicht mehr umkehren, weil Energie wegen der Maßnahmen zur Dämpfung der Klimaerwärmung immer teurer wird. Die bereits von der alten Bundesregierung eingeführte CO2-Bepreisung hat den Anfang gemacht, die neue Regierung wird weitere politische Schritte auf den Weg bringen müssen. Und dabei wird es künftig nicht mehr ohne erheblich verschärfte Vorschriften gehen, soll das Ziel erreicht werden, bis zum Jahr 2045 zu einem klimaneutralen Gebäudebestand zu kommen.
Vermieter werden künftig wohl besonders in die Pflicht genommen
So wird in den zuständigen Ministerien auch schon eifrig an einem grundlegend neuen Gebäudeenergiegesetz 2.0 gearbeitet. Und da sind durchaus einschneidende Ansätze zu erwarten, etwa zeitlich gestaffelte Mindestanforderungen an den Energieverbrauch bestehender Gebäude. Werden diese nicht erfüllt, könnte künftig wohl eine Klimaabgabe fällig werden. Dabei dürften Vermieter wegen der immer wieder geforderten sozialen Komponente wohl besonders in die Pflicht genommen werden. Eine Möglichkeit wäre, dass ein Hausbesitzer einen umso höheren prozentualen Anteil an der CO2-Abgabe trägt, je schlechter die Klimaklasse seines Gebäudes ist. Denn es ist offensichtlich, dass vor allem die Eigentümer den Heizbedarf und damit auch diese grundlegenden CO2-Kosten mithilfe von Sanierungsmaßnahmen und erneuerbaren Energiequellen reduzieren können.
Das hat Folgen: „Wir Energieberater empfehlen Hausbesitzern dringend, die steigenden Gas- und Ölpreise zum Anlass zu nehmen, jetzt über eine energetische Sanierung nachzudenken – also zu einer Zeit, in der es noch sehr viele Fördermittel gibt und nicht nur vor allem den Zwang, handeln zu müssen“, sagt Ulrich König, der Leiter des Stuttgarter Energieberatungszentrums (EBZ). In der Tat sind die Förderprogramme derzeit so attraktiv wie nie zuvor, vor allem auch deshalb, weil sich verschiedene Fördermaßnahmen kombinieren lassen, etwa von Bund, Land und Gemeinde. Und während gerade die finanzielle Unterstützung der KfW-Förderbank für energieeffiziente Gebäude (KfW-Effizienzhaus) gestoppt wurde und neue Förderrichtlinien ausgearbeitet werden, wird der Austausch von alten Heizungen nach wie vor gefördert.
Energieberater sind gefragt
So stehen zum Beispiel in Stuttgart knapp 18 Millionen Euro zur Verfügung, um im Rahmen des Aktionsprogramms Klimaschutz unter anderem mit einer Wärmepumpe zu heizen. Diese kann die kostenlose Wärme nutzen, die sich in der Erde, in der Außenluft oder etwa im Abwasser befindet. Erst kürzlich berichtete die Stadt im Rahmen einer Zwischenbilanz, dass dieses Programm gut genutzt werde. Dabei entfaltet die Förderung auch eine durchaus beachtliche wirtschaftliche Wirkung: Die bisher bewilligten 775 000 Euro an Zuschüssen führten zu Investitionen von 5,3 Millionen Euro, wie Hans-Wolf Zirkwitz berichtete, der Leiter des städtischen Amts für Umweltschutz. Und auch ökologisch lohnen sich diese Maßnahmen: Bisher wurden so über 550 Tonnen an CO2 pro Jahr eingespart.
Die umfangreichen Förder-Anträge sind eine Herausforderung
Allerdings ist es für Hauseigentümer mit einem nicht zu unterschätzenden Aufwand verbunden, sich bei der Heizung für die am besten geeigneten Energiesparmaßnahmen zu entscheiden. Das fängt bei der passenden Technik und ihrer Kombination an: Zur Auswahl stehen neben dem klassischen Gasbrennwertkessel oder dem Anschluss an ein möglicherweise bestehendes Wärmenetz eine Wärmepumpe, eine Holzpelletheizung, ein Gasmotor oder eine Brennstoffzelle als Miniblockheizkraftwerk sowie solarthermische Module auf dem Dach. Eine Herausforderung sind auch die umfangreichen Anträge für die Fördermittel. All das geht kaum ohne eine professionelle Begleitung.
Den Energieberatern stehen also arbeitsintensive Zeiten bevor. Am Stuttgarter EBZ stellt man sich darauf ein: „Wir haben einen digitalen Förderbegleiter entwickelt, um die doch recht aufwendigen Prozesse zu verschlanken“, berichtet Ulrich König. Und blickt in die Zukunft: „Zudem wollen wir einen Service für die Beantragung von Fördermitteln für all diejenigen aufbauen, die sich nicht mit den Regelungen und Formularen herumschlagen wollen.“