Steigende Preise für Olivenöl Das grüne Gold soll nicht mehr verramscht werden

Verdorrter Olivenbaum in Italien. Foto: Celt Studi

Die spanische Dürre hat Folgen für die Olivenölproduktion in Italien: Dort stockt die Herstellung, weil Spanien kaum noch liefern kann. Die Krise will der italienische Landwirtschaftsverband für eine Qualitätsoffensive nutzen.

Lange haben sich die Hersteller in Italien beklagt, dass das Olivenöl nicht geschätzt würde und das grüne Gold verramscht werde. Als Massenware: Für einen Preis zwischen drei und fünf Euro bekam man bis vor wenigen Jahren ein gutes Olivenöl in italienischen Supermärkten. Nun sind die Preise auch hierzulande gestiegen, nach Angaben des italienischen Landwirtschaftsverbands Coldiretti in diesem Jahr um 42 Prozent.

 

Damit ist Olivenöl das Produkt im statistischen Einkaufswagen einer italienischen Familie, das sich in diesem Jahr am meisten verteuert hat. Und das bei einem Pro-Kopf-Verbrauch von mehr als zehn Litern im Jahr. Zum Vergleich: In Deutschland liegt der Konsum bei rund einem Liter. Doch der Verkauf von olio extra vergine – extra natives Öl hat die höchste Güteklasse – ist in Italien bis Ende Oktober dieses Jahres um neun Prozent zurückgegangen.

Bis zu 15 Millionen Bäume sind infiziert

Die Olivenölkrise in Italien dauert inzwischen schon seit zehn Jahren an. 2013 machten Nachrichten über Xylella fastidiosa die Runde – dem Feuerbakterium, das Olivenbäume in der süditalienischen Region Apulien befallen hatte. Es gelangte über eine Kaffeepflanze aus Costa Rica ins Land und soll bis heute zehn bis 15 Millionen Bäume infiziert haben. Die befallenen Pflanzen schaffen es nicht mehr, Wasser oder Nährstoffe aus dem Boden zu ziehen – und verdorren. Inzwischen hat man das Feuerbakterium zumindest einigermaßen im Griff: Es kann zwar nicht bekämpft, aber seine Verbreitung eingedämmt werden. Was offenbar auch funktioniert: Befallene Bäume werden gerodet, damit Zikaden das Bakterium nicht auf gesunde Bäume übertragen können. Vor wenigen Jahren waren noch 90 Prozent der Zikaden infiziert, heute sind es lediglich noch 20 bis 30 Prozent.

Die neuerlichen Probleme in Italien haben jedoch eine andere Ursache. Da die Olivenernte in Spanien unter der dortigen Dürre leidet, stockt auch die Produktion in Italien. Nach Angaben des Verbands italienischer Ölproduzenten Assitol sind nur 24 Prozent des Olivenöls, das in Italien produziert wird, komplett italienischer Herkunft. 76 Prozent sind eine Mischung aus Ölen unterschiedlicher Länder, das meiste stammt aus Spanien. Doch von dort gibt es wegen des Engpasses kaum Lieferungen.

Öl in Italien soll besser werden

In Italien sehen manche aber auch eine Chance in der derzeitigen Krise und dem Preisanstieg. Einer Umfrage des Verbandes Coldiretti zufolge schauen nur 44 Prozent der Italienerinnen und Italiener bewusst auf das Etikett der Ölflasche, das sie in den Einkaufswagen legen. Viele seien sich nicht bewusst, dass das, was sie kaufen, gar nicht made in Italy sei. Man müsse die aktuelle Situation nutzen, sagt die Präsidentin von Assitol, Anna Cane. Das italienische Öl müsse weiter verbessert werden, auch wenn dies kurzfristig zu einem weiteren Rückgang des Verbrauchs führen sollte. Anna Cane fordert eine Kampagne, die dem Verbraucher erklärt, warum ein gutes Olivenöl aus Italien seinen Preis hat. „Vor allem müssen die Qualitäten des olio extra vergine hervorgehoben werden“, sagte Cane der Tageszeitung „Il Sole 24 Ore“.

Seine ernährungsphysiologischen Eigenschaften machten es zu einem Lebensmittel, das einem Nahrungsergänzungsmittel sehr ähnlich sei. „Aber während diese Mittel gekauft werden, ohne zu viele Fragen nach dem Preis zu stellen, scheint der Preis für natives Olivenöl extra für die Verbraucher immer zu hoch zu sein.“

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