Steinbruch in Rielingshausen Bekommt Marbacher Teilort ein Freizeitgelände?

Das könnte aus dem stillgelegten Teil des Steinbruchs werden – im hinteren Teil eine Freizeitanlage, im vorderen Teil eine Photovoltaikanlage. Doch auch der Landwirtschaft soll wieder Platz eingeräumt werden. Foto:  

Der Steinbruchbetreiber Klöpfer hat Pläne für ein Freizeitgelände entwickeln lassen, das im äußersten Westen von Marbach-Rielingshausen entstehen könnte – auf einem Abraumhügel oberhalb des früheren Vorbrechers. Der Ortschaftsrat befürwortet die Pläne mehrheitlich.

Ludwigsburg: Sabine Armbruster (sar)

Es klingt nach einer klassischen Win-win-Situation: Der Marbacher Stadtteil Rielingshausen bekommt ein schickes Freizeitgelände samt Pumptrack-Anlage, Doppelseilbahn, Himmelsschaukeln, Boule- und Grillplatz sowie Streuobstwiese – und der Steinbruchbetreiber Klöpfer, der das Ganze spendieren möchte, spart sich dafür den Aufwand, den etwa acht Meter hohen Abraumhügel oberhalb des nun stillgelegten Steinbruchteils zu entfernen, sondern müsste ihn lediglich modellieren und die Geräte aufstellen lassen. Die Einwohnerinnen und Einwohner von Rielingshausen wiederum, von denen einige je nach Wohnlage durch Erschütterungen und Staub vom nahe gelegenen Steinbruch betroffen sind, bekämen einen kleinen Ausgleich für die Belastungen.

 

Die Idee kam schon vor etwa anderthalb Jahren auf, als der Rielingshäuser Ortsvorsteher Jens Knittel in einem persönlichen Gespräch mit Matthias Klöpfer sagte, der Teilort trage vom Steinbruch im Grunde genommen ja nur die Last, und man könne der ortsansässigen Bevölkerung doch auch mal etwas Gutes tun. Die Idee fiel auf fruchtbaren Boden. Um so mehr, als auch das Abschieben des Abraumhügels in den nicht mehr genutzten Steinbruchteil einiges an Geld kosten würde.

Abraumhügel könnte modelliert statt weggeschoben werden

Für die Errichtung dieses Hügels hatte das Landratsamt vor zehn Jahren eine befristete Sondergenehmigung erteilt. Bis zum 31. März nächsten Jahres soll er spätestens wieder verschwunden sein, so die Auflage der Behörde.

Das wiederum sorgt für einen gewissen Zeitdruck auf beiden Seiten, über den nicht jeder glücklich ist. „Unter Zeitdruck kommt selten etwas Gutes heraus“, so ein Mitglied des Ortschaftsrats. Deshalb wurde dem Vernehmen nach in nicht öffentlicher Sitzung des Gremiums nicht nur über die Pläne an sich diskutiert, sondern auch darüber, ab man den Planungen ein wenig Aufschub geben könne. Das wiederum hängt jedoch in erster Linie am Landratsamt – wie auch die gesamten Überlegungen zu einem Freizeitgelände.

Auch eine Fotovoltaikanlage ist geplant

Vielleicht lässt sich die Behörde ja von den weitergehenden Plänen der Firma Klöpfer überzeugen, im vorderen Bereich der Halde eine etwa einen Hektar große Fotovoltaikanlage zu errichten. „Wir haben einige elektrifizierte Prozesse. Und mit dieser Anlage könnten wir den größten Teil des Stroms für das Schotterwerk selbst erzeugen“, erklärt Matthias Klöpfer. Solch ein Vorhaben gelte als privilegierte Anlage im Außenbereich, für die man keine Baugenehmigung brauche, so Klöpfer weiter.

Der Ortschaftsrat steht den Planungen mehrheitlich positiv gegenüber. Zumal diese schon entwickelt wurden, lange bevor die Regionalversammlung beschlossen hat, den Weg für eine Steinbrucherweiterung zu ebnen, wie Matthias Klöpfer betont. Auch der Rielingshäuser Ortsvorsteher Jens Knittel sieht darin keinen Zusammenhang oder gar einen Bestechungsversuch. „Der Ortschaftsrat hat sich ja mehrfach einstimmig gegen die Erweiterungspläne ausgesprochen.“

Änderungswünsche von Landwirten wurden berücksichtigt

Hinzu komme, dass man auch mit den Landwirten gesprochen habe, die ihre Ackerflächen seinerzeit für den nun ungenutzten Teil des Steinbruchs verkauft hätten und diese hätten zurückbekommen sollen. „Sie bekommen dort auch Ackerland zurück. Ein Teil soll wie geplant rekultiviert werden“, erklärt Knittel. Darüber sei man auch seit gut einem Jahr mit dem landwirtschaftlichen Ortsverband der Landwirte im Gespräch. Der habe noch Änderungswünsche gehabt, die berücksichtigt worden seien, und dann ebenfalls zugestimmt.

Mittlerweile hat der Ortschaftsrat die Verwaltung der Stadt Marbach damit beauftragt, das Thema in der nächsten Sitzungsrunde des Gemeinderats auf die Tagesordnung zu nehmen. Außerdem erging der Auftrag an die Stadtverwaltung, in Abstimmung mit der Firma Klöpfer und dem Landratsamt den Weg dafür zu bereiten, dass die Genehmigung für den Abraumhügel auf der Rekultivierungsfläche um weitere anderthalb Jahre verlängert wird. Dieser Zeitraum soll dazu genutzt werden, die vorliegenden Planungsvorschläge bis zur Entwicklungsreife voranzutreiben, Abstimmungsgespräche mit den Behörden und Verhandlungsgespräche mit dem Steinbruchbetreiber zu führen.

Es gibt auch kritische Stimmen

Der Marbacher Bürgermeister Jan Trost wollte sich zu den Planungen nicht äußern: „Das alles ist ja noch nicht öffentlich.“ Ähnlich argumentierte auch Stefan Heß, einer der Sprecher der Bürgerinitiative gegen die Steinbrucherweiterung. Als Mitglied des Ortschaftsrates weiß er zwar Bescheid, aber da alles bislang nicht öffentlich sei, wisse die Bürgerinitiative von nichts. Deshalb könne er dazu auch nichts sagen.

Unter der Hand ist aber zu hören, dass manche bemängelten, zu viele Dinge seien ungeklärt – etwa die Frage, ob die Stadt den späteren Unterhalt der Anlage samt Kosten für eine Müllbeseitigung tragen wolle. Oder auch, wo Besucher des Freizeitgeländes parken sollten. Im benachbarten Kirchberg etwa hat ein ähnliches Gelände eine enorme Magnetwirkung auch auf den weiteren Umkreis.

Jens Knittel jedenfalls sieht die ganze Sache pragmatisch. „Wenn Klöpfer den Abraum wegschieben muss, wird die Solaranlage in der Ebene gebaut, dafür braucht es keine Baugenehmigung. Und wir haben dann gar nichts.“

Beliebte Anlagen

Freizeitanlagen
Im Sommer 2021 hat die große Freizeitanlage am Kirchberger Rappenberg ihren Betrieb aufgenommen. Die Gemeinde im Rems-Murr-Kreis hat dafür fast eine Million Euro in die Hand genommen. In Marbach gibt es die Freizeitanlage „Galgen“, die aber nicht damit vergleichbar ist. Sie besteht aus einem Grillplatz, einem Bolzplatz und einigen Spielgeräten.

Pumptracks
 Affalterbach hat seit 2019 eine sehr beliebte Pumptrackanlage, die nun um Freizeitmöglichkeiten für mehr Altersgruppen erweitert werden soll. Pumptracks gibt es unter anderem auch in Bietigheim-Bissingen, Gerlingen, Steinheim an der Murr und in Oberriexingen. Und auf dem Jugendgelände in Pattonville wurde kürzlich eine neue Pumptrackanlage eingeweiht.

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