Steinenbronn Der Aktivspielplatz steht auf der Kippe

Michael Karolczak (stehend) wirbt vor dem Gemeinderat dafür, die Aktivspielplatz-Mitarbeiter nach Tarif zu bezahlen Foto: Malte Klein
Michael Karolczak (stehend) wirbt vor dem Gemeinderat dafür, die Aktivspielplatz-Mitarbeiter nach Tarif zu bezahlen Foto: Malte Klein

Der Gemeinderat stimmt dafür, dass der Förderverein des Aktivspielplatzes (Aki) nur 35 000 Euro im Jahr bekommt. Der Förderverein hatte für den Betrieb wie bisher 15 000 Euro mehr gefordert. Der Verein reduziert als Konsequenz ab der nächsten Woche die Öffnungszeit.

Lokales: Malte Klein (mfk)

Steinenbronn - Am Tag nach der Gemeinderatssitzung ist Michael Karolczak enttäuscht. „Offenbar hat der Gemeinderat Pläne für die offene Jugendarbeit, in denen wir nicht vorkommen“, mutmaßt der Vorsitzende des Fördervereins Aktivspielplatz (Aki)auf Nachfrage.

Am Dienstagabend haben die Lokalpolitiker einstimmig beschlossen, dass der Aktivspielplatz 35 000 Euro pro Jahr erhält. Allerdings hatte der Verein in einem Antrag bis zu 15 000 Euro mehr gefordert. Diese Summe wollten die Räte aber nicht freigeben. Auch die Personalverantwortung soll die Gemeinde nicht übernehmen, so das Votum des Gremiums. Das hatte der Verein beantragt, weil die Personalverwaltung nicht mehr ehrenamtlich zu stemmen sei.

Die Ferienöffnungszeit wird drastisch gekürzt

Diese Entscheidungen haben direkte Auswirkungen auf die Öffnungszeiten des Aki und zwar bereits ab der kommenden Woche. „Wir werden die Ferienöffnungszeiten reduzieren“, kündigte Karolczak am Mittwoch an. In den Faschingsferien hätte der Aki an fünf Tagen geöffnet gehabt, zu Schulzeiten sind es drei Tage. Ob der Aki nächste Woche zwei oder drei Tage öffnet, kann Karolczak noch nicht sagen. „Wir werden das durchrechnen.“ Klar sei, dass das Geld nicht reiche, um den Aki wie bisher zu betreiben. Möglich sei auch die generelle Reduzierung auf zwei Öffnungstage.

Karolczak sprach in der Sitzung Klartext: „Unsere Leute sind Mitarbeiter zweiter Klasse.“ Der Verein zahlt ihnen bisher laut Karolczak 30 Prozent weniger als Beschäftigten im gleichen Beschäftigungsfeld bekommen, die nach dem Tarifvertrag des öffentlichen Dienstes bezahlt werden. Das wolle der Verein ändern und seine Angestellten besser bezahlen. Der Hauptamtsleiter Wolfgang Bohn erläuterte, warum die Gemeinde das Personal nicht übernehmen könne. „Wir würden dann nach dem Tarifvertrag zahlen müssen und hätten mehr Verwaltungskosten.“ Dafür habe man keinen Spielraum. „Der Aki ist aber ein wichtiger Bestandteil der Jugendarbeit.“

Die Politiker loben den Aki, wollen aber nicht mehr zahlen

Die Fraktionsvorsitzenden im Gemeinderat sprachen sich in ihren Reden unisono für den Bestand des Akis aus. Frank Schweizer (CDU), kritisierte, dass den Lokalpolitikern ein Protokoll, in dem es im Juli um Zuschüsse für den Aki ging, erst acht Monate später vorlag. „Das ist sehr schade. Hätten wir das früher gehabt, hätten wir anders beraten können“, sagte er. Schweizer beleuchtete die finanzielle Situation der Gemeinde. „Es hieß ja vom Landratsamt, dass unsere Personalkosten zu hoch sind. Wenn wir das Aki-Personal übernehmen, steigen sie und wir bekommen noch mehr Probleme.“ Gitta Obst (Freie Wähler) sprach die steigenden Betreuungskosten für den Aki an, die die Gemeinde nun zahlen soll. „Wir müssen die Spirale nach oben durchbrechen.“ Das könne geschehen, in dem sich dort Ehrenamtliche engagieren.“ Stefan Hauser (Grüne) wünschte sich, dass der Betrieb weitergeführt wird wie bisher, aber nicht mehr als 35 000 Euro gezahlt werden. Dieter Menzel (SPD) ging auf eine Befürchtung des Vereins ein: „Der Aki soll nicht kaputt gespart werden.“ Allerdings müsse die Personalverwaltung beim Aki bleiben.

Karolczak machte seinem Ärger Luft: „Wir werden im März abstimmen, ob wir weiter Arbeitgeber sein wollen.“ Dann kündigte er an: „Wenn die Mitglieder das ablehnen sollten, werden wir Ende März den Spielbetrieb einstellen.“ Bürgermeister Johann Singer ließ sich davon nicht beeindrucken. „Wenn die Mitgliederversammlung das so entscheidet, müssen wir schauen, wie wir damit umgehen.“




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