InterviewSteven Gätjen moderiert „Wir lieben Fernsehen“ „Auch Derrick ist deutsches Kulturgut“

Auf der Erinnerungscouch sitzen (von links) Johannes B. Kerner, Wolfgang Stumph, Mariele Millowitsch, Walter Sittler, Barbara Wussow, Hans Sigl und Marie-Luise Marjan alias Mutter Beimer    – und auf den  Röhrenapparaten liegt  Steven Gätjen. Foto: ZDF
Auf der Erinnerungscouch sitzen (von links) Johannes B. Kerner, Wolfgang Stumph, Mariele Millowitsch, Walter Sittler, Barbara Wussow, Hans Sigl und Marie-Luise Marjan alias Mutter Beimer – und auf den Röhrenapparaten liegt Steven Gätjen. Foto: ZDF

Mit einem Knopfdruck hat Bundeskanzler Willy Brandt vor fünfzig Jahren, am 25. August 1967, das Farbfernsehen in Deutschland gestartet. Daran erinnert der Moderator Steven Gätjen im ZDF mit seiner vierteiligen Show-Reihe „Wir lieben Fernsehen“.

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Stuttgart - In der Branche steht er hoch im Kurs: Der in den USA geborene Steven Gätjen, der demnächst 45 wird, gilt als große Hoffnung des deutschen Fernsehens. Nicht zufällig moderiert er zusammen mit dem Show-Routinier Johannes B. Kerner die Jubiläumssendungen zum fünfzigsten Geburtstag des Farbfernsehens, deren Auftakt am Donnerstag zu sehen ist.

Herr Gätjen, in Ihrer Show-Reihe „Wir lieben Fernsehen“ lassen Sie „Wetten, dass . . .?“ wiederaufleben – mit Thomas Gottschalk und einer Kaktus-Leck-Wette. Was macht die Zunge?
Alles intakt, ich musste nicht ärztlich versorgt werden. Johannes Kerner und ich hatten Riesenspaß, diese Wette aus „Wetten, dass . . .?“ nachzuspielen, auch wenn es herausfordernd war, allein mit der Zunge Kakteen erkennen zu müssen.
Stimmt es, dass Sie als junger Mann selbst einmal fast Wettkandidat bei „Wetten, dass . . .?“ geworden wären?
Ja, ich war zwölf und bewarb mich voller Inbrunst mit der Wette, dass ich nur ein Wort aus „Star Wars“ hören muss, um zu wissen, wer es gesagt hat. Ich schrieb an die Redaktion in der Hoffnung, selbst einmal auf dieser berühmten Couch zu sitzen und einen tollen Wettpaten zu bekommen. Leider hatte es nicht gereicht.
Wer hat sie von den Gästen, die jetzt auf Ihrer „Wir lieben Fernsehen“-Couch sitzen, am meisten beeindruckt?
Müsste ich drei herausheben, dann Dieter Kürten, Franzi van Almsick, Marietta Slomka. Ach ja, Horst Lichter noch und den „Bergdoktor“ Hans Sigl . . .
Sicher Zufall, dass Sie fast nur ZDF-Kollegen erwähnen, oder?
Komisch, nicht? Warten Sie, dann sage ich: Pamela Anderson. Mit ihr war es spannend. Ich bin mit „Baywatch“ groß geworden.
Pamela Anderson sagt, sie schaue praktisch kein Fernsehen. Das hört man oft von Leuten, die im Fernsehen arbeiten. Wieso?
Vielleicht weil es gesellschaftlich korrekt ist, das zu sagen? Wer den ganzen Tag im TV-Studio steht, neigt wohl dazu, sich vom Fernsehen zu distanzieren. Aber selbst Pamela Anderson dürfte sich das eine oder andere anschauen: Sind Nachrichtensendungen etwa kein Fernsehen? Ich halte es jedenfalls für Quatsch, wenn gesagt wird, das Fernsehen ist tot. Ebenso wenig glaube ich Leuten, die behaupten, sie gehen nicht zu McDonald’s oder lesen keine „Bild“.
223 Minuten TV-Konsum ist Bundesschnitt. Wie viel schauen Sie am Tag?
So viel schaffe ich nicht. Fernsehen bestimmt nicht meinen Alltag. Wenn mich etwas interessiert, schalte ich bewusst ein.
Dienstag, 20.15 Uhr, die Nonnen in der ARD – für Sie ein Pflichttermin?
Sagen wir so: Ich gehöre noch zur Generation, die gelernt hat: 20 Uhr die Nachrichten, danach der Film oder die Serie, dann die Talkshow. Aber dank Mediathek, Netflix, Apple-TV und Amazon schaue auch ich jetzt Fernsehen, wann immer ich will.
In „Wir lieben Fernsehen“ feiern Sie das Serienfernsehen. „Familienserien können wir Deutsche richtig gut“, sagt Ihr Moderationskollege Kerner ausgerechnet zu Pamela Anderson. Ein Witz?
Ich finde, wir können da richtig stolz drauf sein. „Schwarzwaldklinik“, „Derrick“ oder auch „Gute Zeiten, schlechte Zeiten“ sind deutsches Kulturgut. Soaps treffen nicht unbedingt meinen Geschmack, aber toll, dass es sie gibt. Vielleicht schicken wir Pamela die letzten 1000 Folgen der „Lindenstraße“.
Ob mit Kerner, Elton oder Horst Lichter – das ZDF scheint Sie ungern allein moderieren zu lassen. Was spricht für eine Doppelmoderation? Halbe Arbeit?
Eine Doppelmoderation ist hohe Kunst – und Konkurrenzdenken völlig fehl am Platz. Ich vergleiche es mit Tennis: Man kann ein Doppel nur gewinnen, wenn man sich vertraut, aufeinander einstellt und bereit ist, für den anderen zu kämpfen.



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