„Stierkämpfer“ im Forum Theater Dreckige Wäsche des Kapitalismus
In dem Stück „Die Stierkämpfer“, das im Stuttgarter Forum-Theater aufgeführt wird, diskutieren zwei Außenseiter über den desolaten Zustand der Welt.
In dem Stück „Die Stierkämpfer“, das im Stuttgarter Forum-Theater aufgeführt wird, diskutieren zwei Außenseiter über den desolaten Zustand der Welt.
Stuttgart - Nichts ist’s mit Cocktails unter Palmen: Statt für den Traumstrand hat es in Momos (Stefan Müller-Doriat) Leben gerade einmal für eine Fototapete gereicht. Vor diesem Karibik-Wandbild wuchtet er in einem Waschsalon täglich Wäscheberge fremder Menschen hin und her. Nach Feierabend verkriecht er sich illegal in die Abstellkammer des Ladens und wartet auf den nächsten Tag. Momo lebt irgendwo am unteren Ende der spätkapitalistischen Nahrungskette – infrage stellt er diese Position allerdings erst, als der Obdachlose Ferdinand (Michael Ransburg) im Salon auftaucht. Zwischen den beiden entwickelt sich eine sprühende und letztlich verhängnisvolle Freundschaft.
Anhand dieser Konstellation seziert „Die Stiefkämpfer“ des belgischen Autors Jean-Marie Piemme die Klassen- und Weltordnung des Kapitalismus. In der Inszenierung des Forum-Theaters, die am Donnerstag Premiere feierte, kommt diese Auseinandersetzung mit Klasse, Intellekt und Wertvorstellungen gekonnt zum Ausdruck. Das liegt vor allem an einer geschickt inszenierten Ambivalenz: Aus dem Waschsalon scheint es für die beiden kein Entkommen zu geben – ihr Kosmos beschränkt sich auf den Salon. Doch die Inszenierung wehrt sich erfolgreich gegen das Gefühl dystopischer Tristesse. Die Wortgefechte, die Momo und Ferdinand austragen, wirken fröhlich. Wenn sie über den desolaten Zustand der Welt, über Aktienmärkte und Abhängigkeiten streiten, tun sie es voller Esprit und Freude. Umso verstörender wirkt die ignorierte Realität: Aus dem intellektuellen Schlagabtausch wird ein bitterernster Überlebenskampf, bei dem einer der beiden auf der Strecke bleiben muss.
Die Stiefkämpfer, Sa, 4.12., 19.30 Uhr; So, 5.12., 18 Uhr; Do, 9. bis Sa, 11.12., jeweils 19.30 Uhr und So, 12.12., 18 Uhr