„Ich habe großen Respekt vor der Entscheidung von Herrn Faißt“, sagt Marcus Schautt, stellvertretender Bürgermeister und Fraktionsvorsitzender der Freien Wähler. Wolfgang Faißt habe für die Stadt viel erreicht, heißt es von mehreren Gemeinderäten anerkennend. „Er hat nun jedes Recht, zu sagen, ich setze jetzt andere Prioritäten“, so Schautt. Für Ralph Geyer von der CDU ist die Frage entscheidend nach dem richtigen Zeitpunkt. „Und da hat mir gefallen, was er gesagt hat: dass eine Stadt niemals fertig ist. Sein Nachfolger wird nun aber einen guten Start mit einem eingespielten Team im Rathaus haben.“
Jan Hambach will nicht kandidieren
Doch wer wird sich am 13. Oktober zur Wahl stellen? In den Reihen des Gemeinderats hat man sich dazu noch keine konkreten Gedanken gemacht, schließlich hat der Bürgermeister seine Entscheidung fast bis zuletzt unter Verschluss gehalten. Klar ist nur: Aus dem Gemeinderat selbst möchte sich zum jetzigen Zeitpunkt niemand zur Wahl stellen, die Fraktionsvorsitzenden schließen das für sich jedenfalls aus.
Das gilt selbst für Jan Hambach, der in Freiberg am Neckar für das Bürgermeisteramt kandidiert. Die Wahl ist im März. „Grundsätzlich finde ich es super, dass mich, auch parteiübergreifend, so viele Menschen angesprochen haben, ob ich mir das vorstellen kann“, sagt er. „Ich freue mich über das Vertrauen.“ Doch sein Beschluss steht fest: „Ich habe mich für Freiberg entschieden. Und sollte ich dort nicht gewählt werden, wäre es unglaubwürdig, wenn ich dann plötzlich sage: Ich bewerbe mich in Renningen.“ Zumal Bewerber von außerhalb nach seiner Erfahrung oft bessere Karten haben.
SPD und Grüne wollen nach Kandidaten suchen
Allgemein komme für die SPD die Suche nach einem eigenen Kandidaten oder einer Kandidatin aber durchaus infrage, selbst, wenn diese nicht in der SPD sind. „Wir werden sicherlich Gespräche führen, sind parteipolitisch aber offen.“ Auch bei den Grünen möchte man sich bemühen, einen guten Kandidaten oder eine gute Kandidatin zu bekommen. „Leider sind es nur wenige, die sich so etwas vorstellen können“, bedauert Jochen Breutner-Menschick (Grüne). Er selbst gehört auch nicht dazu. „Wir werden auf jeden Fall aktiv auf die Suche gehen.“
Bei den Freien Wählern, denen auch der Bürgermeister selbst angehört, will man die Entscheidung erst einmal sacken lassen, bevor man sich die Frage nach einem eigenen Kandidaten stellt. „Das gebietet der Respekt“, findet Marcus Schautt. Für ihn selbst, trotz seiner Funktion als stellvertretender Bürgermeister, wäre eine Kandidatur keine Option. „Ich mache Kommunalpolitik gerne, um für den Ort, in dem ich wohne, Verantwortung zu übernehmen, aber das wäre schon eine andere Hausnummer.“
So steht der Rat zu Peter Müller
Offen halten es ebenso die CDU und die Frauen für Renningen. „Aus der Fraktion kenne ich niemanden, aber ich kann nicht für den Stadtverband der CDU sprechen“, sagt Ralph Geyer. „Ich würde es natürlich begrüßen, wenn eine Frau kandidiert“, sagt Resi Berger-Bäuerle, Sprecherin der FfR. „Aber daran würde ich es nicht festmachen wollen, bei einer Bürgermeisterwahl kommt es auf viele Dinge an.“
Eine Überlegung, die der Bürgermeister beim Neujahrsempfang selbst ins Spiel gebracht hat, ist eine mögliche Kandidatur seines Ersten Beigeordneten, Peter Müller. Für die Gemeinderäte kam der Vorschlag ähnlich überraschend wie für Peter Müller selbst, der sich dazu erst einmal nicht äußern wollte. Von den Gemeinderäten erntet er viele positive Worte. „Wir alle kennen Peter Müller sehr gut und wissen, was er kann“, fasst es Resi Berger-Bäuerle zusammen und spricht damit für viele Gemeinderäte, die sich eine Kandidatur gut vorstellen könnten. Seiner Entscheidung möchte aber niemand vorweggreifen. „Wir möchten ihn auf jeden Fall behalten“, so Resi Berger-Bäuerle. „Aber in welcher Form, das muss er mit sich selbst ausmachen.“ Oliver Schmiedeberg (FDP) sicherte Müller schon jetzt seine Unterstützung zu, sollte sich dieser zur Wahl stellen.
Für Wolfgang Faißt endet zum Jahresende zwar seine Zeit als Bürgermeister von Renningen. Ehrenamtlich will er aber weiterhin aktiv am politischen Leben teilnehmen. „Am 9. Juni werde ich auf der Wahlliste für den Kreistag und auch für die Regionalversammlung stehen“, berichtet er auf Anfrage unserer Zeitung. „Auch als Landesvorsitzender der Freien Wähler des Landesverbands Baden-Württemberg stehe ich im März zur Wiederwahl.“ Als Vorsitzender des Kreisvereins der Freien Wähler im Landkreis Böblingen wurde er erst im Dezember 2023 wiedergewählt. „Ob weiteres ehrenamtliches Engagement an mich herangetragen wird, überlasse ich der Zukunft.“