Stimmen zum Wahlsieg von Nico Reith Der Herrenberger Rat steht hinter Reith

Nico Reith nimmt am Wahlabend die Glückwünsche der Herrenberger Honoratioren entgegen. Foto: Eibner/Sandy Dinkelacker

Viele Vorschusslorbeeren für den neuen Herrenberger Oberbürgermeister – aber die meisten Fraktionen erwarten eines von ihm.

Böblingen : Ulrich Stolte (uls)

Der klare Gewinner der Herrenberger Oberbürgermeisterwahl ist der 32-jährige Nico Reith. Es ist selten, dass jemand 70 Prozent der Stimmen im ersten Wahlgang auf sich vereinigen kann, weswegen die wenigsten mit einem so eindeutigen Ergebnis gerechnet haben, am allerwenigsten der Gewinner selbst: „Ich bin sehr glücklich, sehr zufrieden“, so kommentierte er am Montag das überzeugende Wahlergebnis. Wenn er auf den Wahlkampf zurückblickt, der für ihn schon im Juni begonnen hat, dann habe er darin 200 Prozent gegeben: „Ich habe das Amt wirklich gewollt“, sagt er. Man muss man ihm einen professionellsten Wahlkampf zugestehen, nicht nur mit seinem 24-seitigen Wahlprogramm, sondern auch mit den Wahlplakaten, die überall in der Stadt zu sehen waren.

 

Neuer Ortsvorsteher wird gesucht

Wann der designierte Oberbürgermeister in sein Amt eingeführt wird, ist noch nicht klar. Sicher ist, dass sein Vorgänger Thomas Sprißler am 20. Februar seinen letzten Arbeitstag haben wird. Reiths Amtseinführung dürfte also Ende Februar sein. Dann braucht auch der Herrenberger Ortsteil Mönchberg einen neuen Ortsvorsteher, ein Amt, das Reith bislang bekleidete. Angedacht ist hier, nach der Kommunalwahl am 9. Juni den Posten neu zu besetzen, doch dazu gibt es noch keine Beschlüsse.

Der klare Wahlsieg Reiths war auch deswegen möglich, weil er im Vorfeld zahlreiche Gespräche mit den Fraktionen geführt hat. Der SPD-Fraktionschef Bodo Philipsen freut sich auf einen konstruktiven und spannenden Dialog in Herrenberg. „Er hat gezeigt, dass er die Menschen begeistern und mitnehmen kann.“ Philipsen hofft, dass die negative Stimmung, die er in der Stadt spürt, mit dem neuen Oberbürgermeister kippt.

„Mehr Potenzialflächen entwickeln“

Als vordringlichste Aufgabe sieht Philipsen, im kommunalen Haushalt die Finanzen zu verbessern. Dieses Geld solle die Stadt in Wohnungsbau, Bildung und Klimaschutz investieren. Dazu müsse sich die Stadt nicht nur um die Gewerbesteuer kümmern, sondern auch in puncto Flächenvermarktung mehr machen und Potenzialflächen entwickeln. Auch müsste mehr Einkommenssteuer fließen. Herrenberg sei eine überalterte Stadt und damit sei die Einkommenssteuer tendenziell rückläufig.

Thomas Deines, Sprecher der Freien Wähler, ist mit dem Ergebnis vollauf zufrieden. Seine Fraktion glaubt, dass der richtige Mann für die Verwaltung gewonnen habe. Die Stadt müsse jetzt weiter an den klassischen Themen arbeiten, die alle Kommunen beträfen, wie Schulausbau und Kinderbetreuung. Bei den zahlreichen Bauvorhaben mache der Stadt die Preissteigerung im Bau schwer zu schaffen. „Wir glauben, dass Herrenberg diese Themen gut bewältigen kann, weil für viele Aufgaben ja schon Masterpläne vorhanden sind, wie etwa für die Schulentwicklung“, sagt Deines. Die Qualifikation, eine große Verwaltung zu führen, hätten viele, aber Deines glaubt, dass Nico Reith jemand sei, „der für seine Aufgabe brennt.“

„Der Haushalt muss in Ordnung gebracht werden“

Heike Voelker, die Co-Vorsitzende der Grünen Fraktion, ist froh, dass die Wahl zugunsten Reiths ausgegangen ist und freut sich auf die gemeinsame Zeit im Gemeinderat. „Wir haben einige Übereinstimmungen, an manchen Punkten gibt es natürlich auch Divergenzen, etwa beim Auto im Stadtverkehr. Wir haben einiges zu tun, um die Klimakrise abzuwehren, was sich eben auch in der Stadtplanung niederschlägt.“ Sie glaubt aber, dass Nico Reith das Problem anpacken wird und Herrenberg im Jahr 2050 klimaneutral sein kann. Auch schätzt sie Reith als einen Oberbürgermeister ein, der zuhören könne. Große gemeinsame Schnittpunkte sieht sie beim Ausbau erneuerbarer Energien und natürlich sei es, „unser aller Aufgabe, Dinge auf das Gleis zu setzen. Vor allem muss der Haushalt in Ordnung gebracht werden, denn da läuft etwas schief.“

Der CDU-Stadtratrat Dieter Haarer hofft mit dem neuen Oberbürgermeister Nico Reith, den städtischen Haushalt wieder ins Lot zu bekommen. Gerade damit die Stadt ihre Schuldenentwicklung in den Griff bekomme, erwartet er vom neuen Oberbürgermeister eine Priorisierung der künftigen Vorhaben. Er findet auch tröstliche Worte für Reiths Mitbewerber Thomas Werner (16,42 Prozent), Hubert Reichardt (7,98 Prozent) und Diana Kobrow (2,27 Prozent), die alle drei relativ abgeschlagen sind. Es sei eine mutige Entscheidung gewesen, sich zur Wahl zu stellen und den Bürgern eine Alternative zu ermöglichen.

Waltraud Frech, Mitglied der Frauenliste, hat sich nach der offiziellen Kandidatenvorstellung am 24. November davon überzeugen lassen, dass Nico Reith der geeignete Kandidat sei, und auch die FDP ist „froh und glücklich“ über das Wahlergebnis, weil Nico Reith als einziger Kandidat die fachliche Qualifikation habe, eine Stadtverwaltung zu führen. Der Fraktionsvorsitzende Wilhelm Bührer sieht den Haushalt ebenfalls in einer Schieflage: „Jetzt müssen wir den Karren auf den richtigen Weg bringen.“ Nachdem am Sonntag das vorläufige Ergebnis veröffentlicht wurde, hat der Wahlausschuss am Montagabend das amtliche Endergebnis festgestellt (nach Redaktionsschluss). Eine große Änderung ist nicht zu erwarten.

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