Es stimmt, Putin war tatsächlich einmal heimlich in Staufen. Im Jahr 2013 machte er eine Stippvisite bei seinem langjährigen Freund Warnig (66). Das ergaben Recherchen unserer Zeitung, die sich als recht mühsam erwiesen. Auskünfte gab es entweder keine oder nur äußerst karge. Zuständig für die Sicherheit ausländischer Gäste ist das Bundeskriminalamt (BKA). „Zu Details des Begleitschutzes“, hieß es von dort, mache man „grundsätzlich keine Angaben“.
Besuch in Staufen war der Polizei bekannt
Bei der Polizei in Freiburg gab es zunächst auch nur eine allgemeine Auskunft: „Der Besuch hochrangiger Politiker wird den regionalen Polizeipräsidien grundsätzlich mitgeteilt.“ Auf die konkrete Frage, ob man etwas von einer Putin-Reise nach Staufen wisse, kam die erste, noch vage Bestätigung: „Der von Ihnen benannte Besuch ist dem Polizeipräsidium Freiburg bekannt gewesen.“ Wann er stattfand, wie der Russe anreiste, wen er traf – dazu musste die Pressesprecherin schweigen.
Also erging eine Rundfrage an die in Frage kommenden Flughäfen. Aus Lahr (Ortenaukreis) hieß es, dazu könne man nichts sagen: Die Flugbetriebs GmbH unter dem Tunnelpionier und Russlandfreund Martin Herrenknecht (79) sei erst seit Oktober 2013 aktiv. Beim Landeplatz beim Gewerbepark Bremgarten wusste man nichts vom Putin-Besuch. Ein solcher lasse sich aber „nicht sicher ausschließen“, weil die Passagiere nicht namentlich mitgeteilt würden.
Putins Maschine landet auf dem Euro-Airport
Beim Euro-Airport Basel-Mulhouse folgte endlich ein Treffer. Man könne bestätigen, dass Putin dort „im April 2013 gelandet und wieder abgeflogen ist“; nähere Informationen dazu habe man nicht. Genaueres wussten dafür Planespotter, die mit ihren Kameras auf besondere Flugzeuge lauern. Am 7. April 2013, einem Sonntag, machten sie reiche Beute: „Ganz unerwartet und auf keinem Flugplan verzeichnet“, seien am frühen Nachmittag drei russische VIP-Flieger gelandet – als „Top-Highlight“ die Maschine Putins, eine Ilyushin. Den Grund des Kurzbesuchs kenne man nicht, hieß es in ihrem Bericht. Womöglich habe er den renommierten Flugzeugausstattern gegolten, die am Euro-Airport ansässig seien.
Der Präsident habe dort einen „kurzen Zwischenstopp auf seinem Flug nach Hannover“ eingelegt, bestätigte Warnig unserer Zeitung. Tags darauf habe er zusammen mit Angela Merkel die Hannover-Messe besucht, deren Partnerland in jenem Jahr Russland war. Beim Rundgang kam es zu einer Protestaktion ukrainischer Femen-Aktivistinnen, auf deren blanken Brüsten etwa „Diktator“ stand. Putin zeigte sich darüber eher amüsiert, das Foto mit seinem süffisant wirkenden Blick ging um die Welt.
Nach einer Stunde muss Putin weiter
Was Warnig offenbar nicht sagen will, kann oder darf: die Stippvisite galt – zumindest auch – ihm. Von der Polizei wurde Putin nach Staufen eskortiert, dort hielt er sich nach Informationen unserer Zeitung etwa eine Stunde in der Villa des Nord-Stream-Chefs auf. „Bötzen“ heißt die begehrte Hanglage offiziell, der Volksmund spricht vom „Bonzenberg“. Es soll einen Imbiss gegeben haben, dann musste der Präsident schon wieder weiter. Gänzlich unbemerkt blieb die Aktion offenbar nicht, seither ranken sich Gerüchte darum.
Wer Putin eingeladen hatte, was der Anlass war, wer sonst noch teilnahm – all das lässt Warnig unbeantwortet. Der im Nachbarort Münstertal ansässige langjährige Honorarkonsul Russlands in Baden-Württemberg, Klaus Mangold (78), kann zu den Vorgängen „überhaupt nichts sagen“. Weder sei Putin von ihm eingeladen gewesen, teilte er mit, noch habe sich der Präsident jemals am Laisackerhof aufgehalten – jenem privaten Anwesen, das auch als Sitz seiner Beratungsfirma ausgewiesen ist.
Ein Rentnerpaar, das dieser Tage auf einer Bank davor die Sonne genoss, konnte das für sich bestätigen. Nein, Putin hätten sie hier noch nie gesehen, bekundete die Frau. Aber sie verstehe den Anlass der Frage, Mangolds langjährigen, guten Draht zu dem Russen. „Da“, sagte sie und zeigte auf den Laisackerhof, „wohnt sein Freund.“