Störche in Weil der Stadt Das Storchenkind Trick ist leider noch ein Bruchpilot

Die ersten Flugversuche sind noch sehr wacklig: Das Storchenkind Trick sitzt auf einem Balkon in der Altstadt fest. Foto: Sabine Holmgeirsson

Auf dem Storchenturm wird es so langsam ruhiger. Tick und Trick sind flügge! Allerdings hapert es bei Trick etwas mit den Flugkünsten.

Am Donnerstag habe sie den Anruf bekommen, erzählt Sabine Holmgeirsson, die sich um die Störche kümmert, die in diesem Jahr wieder in Weil der Stadt nisten. In der Altstadt sei ein Storch auf einer Terrasse gelandet und komme nicht mehr weg, lautete die Hiobsbotschaft der Anruferin. Sabine Holmgeirsson ist mit ihren beiden Kindern zur angegebenen Adresse geeilt. Tochter Inga und Sohn Leif haben bereits bei der Beringung und Besenderung des Storchen-Trios im Juni geholfen. Sie werden wohl auch bei der Bergung des toten Tracks helfen, der Anfang Juli überraschend gestorben ist und immer noch im Nest liegt. Zu wissenschaftlichen Untersuchungen soll er ins Max-Planck-Institut nach Radolfzell geschickt werden. Von dort stammen auch die Sender der Jungstörche.

 

Eventuell von einer Windböe erfasst

Auf der kleinen Terrasse, zwischen zwei Wäscheständern, fand Familie Holmgeirsson den hilflosen Trick. Mit einer Decke fingen sie den Storch ein und brachten ihn zurück auf die Wiese unterhalb des Storchenturms. Von hier hätte Trick zurück ins Nest fliegen können, aus dem ihn eventuell eine kräftige Windböe geweht haben könnte. „Denn mit seinen Flugkünsten war es wohl noch nicht so gut bestellt“, sagt Sabine Holmgeirsson, die jetzt auch beim NABU Weil der Stadt Expertin in Sachen Störche ist. Statt ins sichere Nest flog Trick über die Leonberger Straße hinweg und direkt in eine Rosenhecke hinein. Wieder eilten Holmgeirssons zur Hilfe und befreiten den Bruchpiloten aus der Hecke. „Da man sich Wildtieren nie nähern sollte, war es richtig, dass man mich angerufen hat“, betont Sabine Holmgeirsson. Sonst bestünde die Gefahr, dass sie sich an Menschen gewöhnen.

Im Falle des Storchs könnte das bedeuten, dass er versucht, in der Keplerstadt zu überwintern. Das entspricht nicht seinem natürlichen Verhalten und er wäre abhängig von Menschen, die ihn füttern. Daher versteht es sich von selbst, immer Abstand zu halten. Auch wenn der Storch bei einer Annäherung nicht sofort wegläuft, sollte man immer Abstand halten. Für die Tiere ist das kein Spaß und ein Tierfreund verzichtet auf Fotos mit Wildtieren.

Voraussichtlich keine Rückkehr in die Heimat

„In den nächsten Tagen werden sich die beiden Vögel wohl noch in der Gegend aufhalten, um sich dann einem Vogelzug anzuschließen“, erklärt die „Storchenmutter“ etwas wehmütig. Denn die beiden werden wohl nicht mehr in ihre Heimat zurückkehren, sondern sich in zwei Jahren, wenn sie zur Paarung zurück nach Deutschland kommen, irgendwo anders niederlassen. Die beiden Störche von 2022 sind nach dem Verlassen des Horstes erst einmal nach Norden geflogen, bis sie auf andere Jungstörche getroffen sind. Diese Erkenntnisse ergeben sich dank der Ringnummern und den Informationen, die von aufmerksamen Menschen an die Vogelschutzwarten, wie die in Radolfzell, gemeldet werden. Dank der Sender von Tick und Trick gelangen die Daten an Wolfgang Fiedler in Radolfzell, der die Besenderung durchgeführt hat. Er wertet die Daten aus und vergleicht sie mit anderen, um allgemeine Erkenntnisse über die Lebensumstände der Tiere zu gewinnen. Über die App Animal Tracker können die nächsten Flüge der beiden Störche verfolgt werden, wenn auch mit einem Tag Verzögerung. So langsam heißt es Abschied nehmen von Tick und Trick, die Weil der Stadt in den nächsten Tagen wohl endgültig den Rücken kehren werden – auf der Suche nach anderen Artgenossen und um sich gemeinsam auf die lange Reise Richtung Süden aufzumachen.

Marodes Nest in Merklingen soll ersetzt werden

Auch in Merklingen wurden in diesem Jahr immer wieder Störche gesehen, die sich für das Gestell auf dem Steinhaus interessierten. Zur Paarung und zum Nestbau ist es nicht gekommen. Da das Paar nächstes Jahr wiederkommen könnte, soll das marode Nest abgebaut und durch ein neues ersetzt werden. Um die Kosten, auch für die Reinigung in den Folgejahren, zu stemmen, wurde bereits gespendet. Bürgermeister Christian Walter hat bei seinem Besuch in Riquewihr im Juli bereits den Wunsch nach einem zweiten Storchennest angesprochen. Sodass es dann im kommenden Jahr vielleicht sogar zwei Storchenpaare in der Keplerstadt geben könnte?

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