Störche in Weil der Stadt haben jetzt Namen Gestatten, Tick, Trick und Track
Das Weil der Städter Jungstorchen-Trio hat außerdem Sender erhalten. Per App kann künftig verfolgt werden, wo sie sich befinden.
Das Weil der Städter Jungstorchen-Trio hat außerdem Sender erhalten. Per App kann künftig verfolgt werden, wo sie sich befinden.
Eigentlich leben die Drillinge Tick, Trick und Track in Entenhausen. Die Neffen von Donald Duck haben jetzt aber Namensvettern bekommen und zwar in der Keplerstadt. „Die Namen sind mir spontan eingefallen“, lacht Sabine Holmgeirsson vom Naturschutzbund (Nabu) Weil der Stadt, seit vergangenem Jahr ist sie auch ehrenamtliche „Storchenbeauftragte“.
Dank ihrem Einsatz sowie dem ihrer Kinder, verantwortlich für den Lkw und die Hebebühne, wurden die drei Jungstörche in dieser Woche aus ihrem Nest gehoben. In einem Wäschekorb schwebten sie nach unten. Am Boden führten dann der Storchenbeauftragte Stefan Bosch, der bereits schon bei der Beringung der beiden Jungstörche im vergangenen Jahr assistierte, und Wolfgang Fiedler vom Institut für Tierwanderungen vom Max-Planck-Institut für Verhaltensbiologie in Konstanz, rasch und konzentriert ihre Arbeiten aus.
Dieses Mal wurden die Vögel nicht nur beringt, in ungeraden Jahren am linken Bein, vermessen und gewogen, sondern auch mit einem Sender ausgestattet. Dabei wurde den drei eine Federprobe entnommen, zur Bestimmung der DNA und somit ihres Geschlechts. Denn dieses zeigt sich durch die Chromosomenbestimmung. Obwohl die Drillinge bei der Aktion etwas jünger waren als die beiden Jungstörche im vergangenen Jahr, brachten zwei bereits drei und einer immerhin zweieinhalb Kilogramm auf die Waage. „Die Jungen von 2022 wogen beide etwas über zweieinhalb Kilogramm“, erinnert sich Holmgeirsson. Dank der feuchten Witterung in diesem Frühjahr gab es für das Trio offenbar ausreichend Regenwürmer zu fressen, sodass sie sich zu solchen Wonneproppen entwickeln konnten.
Der Minisender, der den Jungen ähnlich wie ein Rucksack umgeschnallt wurde, ist 27 Gramm schwer, solarbetrieben und hält ein ganzes Storchenleben lang. „Die Jungen wachsen noch rund drei Wochen weiter, sodass die Bänder locker sitzen müssen“, weiß Sabine Holmgeirsson. Da die Störche von klein auf an die Sender gewöhnt seien, würden sie auch beim Putzen nicht stören. Erschreckend sei aber, dass rund 70 Prozent der Störche mit Sender relativ jung sterben, beispielsweise durch Abschuss oder falsches Futter.
Bei der Reinigung des Horstes, der von den Storcheneltern in diesem Jahr weiter ausgebaut und vergrößert wurde, fanden sich ein gelbes Plastikband und ein Stück Speckschwarte, beides unverdaulich für Vögel und sogar lebensbedrohlich. „Der Speck kann ein Hundeleckerli gewesen sein“, mutmaßt die „Storchenmutter“ der Keplerstadt.
Vögel können beim Herunterwürgen von solchen Dingen ersticken und Plastik verstopft die Tiermägen, was oft einen qualvollen Tod bedeutet. Während der 30-minütigen Aktion fielen die Jungstörche in Akinese, den natürlichen Totstellreflex der Jungstörche, denn Feinde, wie beispielsweise Falken, fressen kein Aas. Auch den Vogeleltern bereitete die Aktion keinen Stress, denn sie waren wohl auf Futtersuche und kamen erst später wieder zum Nest und ihren hungrigen Jungen zurück.
Mit der App „Animal Tracker“ kann man der Spur der Störche folgen. Über die Weltkarte der App gelangt man nach Deutschland und dem Standort Weil der Stadt. Unter der dortigen Ziffer drei erscheinen neben Namen und Ringnummern auch die Standorte der drei Jungvögel. Einmal als Favoriten festgelegt, kommen künftig automatisch die Aufenthaltsorte von Tick, Trick und Track, die vermutlich im August nach Süden ziehen werden. Für zahlreiche Jungstörche ist bereits in Spanien Endstation ihrer Reise und zwar auf einer der Müllkippen des Landes.