Störende Helfer Brille oder Zahnspange? Wie blöd!
Es ist für Kinder nicht immer einfach, Hilfsmittel wie eine Brille, Zahnspange oder ein Hörgerät zu akzeptieren. So können Eltern sie dabei unterstützen.
Es ist für Kinder nicht immer einfach, Hilfsmittel wie eine Brille, Zahnspange oder ein Hörgerät zu akzeptieren. So können Eltern sie dabei unterstützen.
Brille, Zahnspange, Mobbingopfer: In vielen Filmen wird das bis heute so dargestellt. Weshalb vor allem Eltern ihrem Nachwuchs solche Hilfsmittel gern ersparen möchten. Aber die gute Nachricht gleich vorweg: „Brillen gelten inzwischen gerade bei Jugendlichen als so schick, dass sie freiwillig und mit Fensterglas getragen werden“, sagt Dana Mundt, die als Sozialpädagogin bei der Online-Beratung der Bundeskonferenz für Erziehungsberatung bke arbeitet. Ähnlich erlebt sie es bei Zahnspangen. „Da fällt man heute ja schon eher auf, wenn man keine hat.“
Akzeptiert werden die Hilfsmittel dennoch nicht immer – und vor allem nicht sofort. „Egal ob Brille, Hörgerät oder Zahnspange: das sind zunächst einmal alles Fremdkörper, an die man sich gewöhnen muss. Und das kann schnell für Frust sorgen“, sagt Dana Mundt. Die neue Brille drückt auf der Nase, zwickt hinterm Ohr oder bereitet anfangs womöglich Kopfschmerzen. Mit der Zahnspange spricht man vielleicht erst einmal anders. Und mit den neuen Hörgeräten hört man alles gleich laut.
„Mit all diesen Veränderungen muss ein Kind zurechtkommen und das braucht viel Geduld“, so Mundt. Sie empfiehlt den Eltern, Druck rauszunehmen, dem Kind Zeit zu geben – und vor allem so lange nachzubessern, bis eine Brille beispielsweise wirklich perfekt sitzt. „Das kann natürlich auch nervig sein, wenn man da wieder und wieder zum Optiker muss, aber eine Brille wird eben auch nur dann gern getragen, wenn sie wirklich bequem ist.“
Christian Theinert vom Berufsverband der Augenärzte mit Praxis in Leipzig hat die Erfahrung gemacht, dass kurzsichtige oder stark weitsichtige Kinder die Brille schnell ganz freiwillig tragen. „Sie merken einfach, dass sie damit besser sehen.“ Anfangs könne es dennoch sein, dass die Kinder eine Brille nach ein paar Stunden absetzen, weil sie beispielsweise Kopfschmerzen davon bekommen. „Das ist ganz normal, bis die Augen sich daran gewöhnt haben. Dann darf das Kind die Brille natürlich auch ausziehen, als Eltern sollte man sie nie aufzwingen.“
Schwieriger ist es ihm zufolge, wenn Kinder nur auf einem Auge schlecht sehen und das so im Alltag gut ausgleichen können. „Da muss man dann schon mehr erklären, warum es trotzdem wichtig ist für die Augen, dass die Brille getragen wird.“ Ähnlich sei es beim Schielen.
Auch er macht in seiner Praxis die Erfahrung, dass Kinder Brillen heute seltener ablehnen als früher, „weil es so viele schöne, modische Modelle gibt“. Wird die Brille dennoch verweigert – etwa weil die Kinder noch sehr jung sind oder sich später aus optischen Gründen daran stören –, gibt es die Alternative mit Kontaktlinsen. „Manche müssen auch nur nachts getragen werden. Und die Eltern lernen auch schnell, sie einzusetzen“, sagt Christian Theinert. Ab etwa 14 Jahren können Kinder dies auch selbst machen. Wichtig sei, dass die Eltern mit dem Arzt im Gespräch bleiben und eine Lösung finden, damit eine medizinisch notwendige Sehhilfe dann auch wirklich genutzt wird.
Ähnlich sieht es mit Zahnspangen aus. Hier weist Thomas Miersch vom Berufsverband der Deutschen Kieferorthopäden mit Praxis in Esslingen darauf hin, dass die Krankenkassen sich an den Kosten einer Zahnspange nur dann beteiligen, wenn auch Aussicht auf Behandlungserfolg besteht. „Und das setzt unbedingt die Mitarbeit des Patienten voraus“, sagt Thomas Miersch. Wenn er merke, dass eine Zahnspange nicht regelmäßig getragen werde, müsse er dies der Krankenkasse mitteilen und dann werde die Behandlung abgebrochen.
„Deshalb ist es uns ganz wichtig, den Kindern und Eltern genau zu erklären, wozu die Spange notwendig ist und wie genau die Behandlung aussieht. Wenn wir sie auf diesem Weg mitnehmen, dann wird die Spange in der Regel auch gut angenommen“, so Thomas Miersch. Auch bei Zahnspangen gibt es inzwischen viele verschiedenen Alternativen. Wenn Kinder einen Weg ablehnen, könne das Behandlungsziel häufig auch anders erreicht werden. „Nicht alles, was möglich ist, unterstützen jedoch die Krankenkassen“, stellt Thomas Miersch klar.
Kinderbrille
Bis zum 14. Lebensjahr übernehmen die Krankenkassen die Kosten für eine Brille – es kann jedoch nicht jedes beliebige Gestell ausgesucht werden, gleiches gilt für spezielle Gläser. Zwischen dem 14. und dem 18. Lebensjahr werden nur noch die Kosten für die Gläser übernommen, nicht mehr für ein neues Gestell.