Störungen am Hauptbahnhof Stuttgart Bahnfahrer müssen bis Donnerstag mit Problemen rechnen

Bis zu 50 Prozent der Züge im Regional- und Fernverkehr fallen aus. Foto: Lichtgut/Julian Rettig

Die Zugverbindungen von und nach Stuttgart bleiben stark eingeschränkt. Es fallen bis zu 50 Prozent der Fahrten aus.

Lokales: Christine Bilger (ceb)

Vergleicht man am Stuttgarter Hauptbahnhof am frühen Montagmorgen die angezeigten Verbindungen, die auf jeden Fall fahren, mit dem Aushangfahrplan, dann ergibt sich eine Ausfallquote von 30 bis bis 50 Prozent beim Regional- und Fernverkehr. Auf diesen Wert kommt die Bahn auch bei einer ersten Einschätzung der gestrichenen Verbindungen. Laut einem Bahnsprecher könne man sich aber auf die elektronische Auskunft in der App oder im Reiseplaner im Netz verlassen: Was da als Verbindung angezeigt werde, fahre auch, der immer noch stark eingeschränkte Verkehr fahre „stabil“. Die meisten Fernverkehrsverbindungen, die in Stuttgart beginnen, könnten fahren. Zunächst mussten Reisende nach Esslingen und Vaihingen/Enz ausweichen.

 

Das Durcheinander dauert seit Samstag an. Kurz nach 11 Uhr kam es im Bereich des Hauptbahnhofs zu einem Kurzschluss an einer Oberleitung. Was diesen verursacht hatte, sei immer noch nicht geklärt, sagt der Bahnsprecher. In der Folge entstanden wegen Spannungsschwankungen Schäden an der Leit- und Sicherungstechnik, an Weichenantrieben, Signalanlagen und der Stellwerkstechnik. Es trat wohl eine Kettenreaktion ein, so dass der eine Kurzschluss reichte, um so viel Technik außer Betrieb zu setzen.

Schon am Sonntag hieß es, die Schäden würden wohl bis Donnerstag Auswirkungen haben. „Das beruht auf der Einschätzung der Techniker, wie lange sie für die Reparaturarbeiten brauchen werden“, sagt der Sprecher der Deutschen Bahn. So lange würden sie brauchen, um alles so zu reparieren, dass der komplette Verkehr wieder möglich sei. Mehr als die aktuell angebotenen Verbindungen sei nicht machbar mit der eingeschränkt zur Verfügung stehenden Steuerungstechnik am Hauptbahnhof. Dutzende Techniker seien unterwegs. Das Eingreifen sei schnell gegangen, da Techniktrupps direkt in Stuttgart bereitstünden.

Beschwerden kamen dennoch am Montagmorgen. So schrieb ein Leser unserer Zeitung, er habe in Freiberg am Neckar auf eine S-Bahn gewartet und auf einen Langzug gehofft, der mehr Platz biete als eine kurze S-Bahn. Doch dann sei eine in Marbach gestartete S-Bahn eingefahren, die schon komplett voll war. Das entspreche nicht der Ankündigung der Bahn, lauter Langzüge einzusetzen. Damit sollte kompensiert werden, dass aufgrund der Störungen die S-Bahnen nur im 30-Minutentakt fahren können – auch das gilt wohl bis Donnerstag. Erst Ende der Woche sollen die S-Bahnen wieder im Viertelstundentakt verkehren – auf der Stammstrecke in der Stuttgarter Innenstadt bedeutet das dann alle zweieinhalb Minuten eine Bahn zwischen Hauptbahnhof und Schwabstraße, das sei mit der beschädigten Technik aktuell nicht zu machen. Die S-Bahn-Verbindungen seien „stabil“, heißt es von der Bahn, sie würden zuverlässig fahren.

Sowohl an den S-Bahnsteigen in Stuttgart als auch am Fernbahnhof lief es am Montagmorgen recht ruhig ab. „Wir wollen nach Düsseldorf“, sagen zwei Männer in blauen Hemden. Geschäftlich müssten sie dorthin. „Da fährt alles – bis jetzt.“ Weniger Glück hat eine junge Frau, die nach Berlin will. Sie muss feststellen, dass ihr Zug gestrichen wurde. Schnell findet sie Leidensgenossen, die ebenfalls leicht ratlos auf die Anzeige starren – und sich dann beraten lassen.

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