Stolperstein in Winnenden Hermann Grünspahn ist nicht vergessen

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Der Schuhmachergeselle Hermann Grünspahn hat zuletzt bei der Familie Grotz in Birkmannsweiler gelebt und gearbeitet. Selbst deren Fürsprache konnte ihn nicht vor seinen Mördern schützen.

Der Bildhauer Gunter Demnig hat mittlerweile Stolpersteine in ganz Europa gesetzt. Foto: dpa
Der Bildhauer Gunter Demnig hat mittlerweile Stolpersteine in ganz Europa gesetzt. Foto: dpa

Winnenden - Der Bescheid des Waiblinger Landrats Karl Sinn vom 21. November 1941 lässt keinen Zweifel daran, welcher Geist damals in der Verwaltung den Ton angab: „Im Rahmen der gesamteuropäischen Entjudung“ wurde die Abschiebung von Hermann Grünspahn „nach dem Reichskommissariat Ostland“ erlassen. Für den 35-jährigen Mann, der 1906 in Hanau geboren worden war, bedeutete dies das Todesurteil. „Wegen seiner jüdischen Herkunft wurde er im November 1941 deportiert und vermutlich im KZ Jungfernhof bei Riga ermordet“, hat das Winnender Stadtarchiv über Grünspahns Schicksal erfahren können. Am Freitagnachmittag ist für den Ermordeten in Birkmannsweiler ein Stolperstein gesetzt worden.

Gedenkstein vor der letzten Adresse

Vor dem Haus Hauptstraße 103 machte sich der Künstler Gunter Demnig daran, den glänzenden Stein in das Pflaster einzulassen. Hier lebte und arbeitete Hermann Grünspahn von 1937 bis 1942 bei der Schuhmacherfamilie Grotz – damals trug das Haus die Nummer 43. Es war Grünspahns letzte Adresse, bevor er verschleppt wurde. Der Hanauer war dem Schumachermeister Hermann Grotz im Sommer des Jahres 1937 vom Heereszeugamt Ludwigsburg zugewiesen worden. „Auf entsprechendes Befragen haben Grotz und seine Ehefrau erklärt, dass Grünspahn ein sehr bescheidener Mensch sei, der seine Arbeit zur vollsten Zufriedenheit ausführen würde“, gab der Polizeimeister Karl Bohn am 31. Dezember 1946 zu Protokoll. Dieser war beauftragt, den Schuhmacher regelmäßig zu kontrollieren.

Zwischen der Familie und dem ihr zugewiesenen Handwerker muss bald mehr als nur professionelle Anerkennung geherrscht haben. Denn als trotz der Fürsprache durch den Meister die Abschiebung kam, versuchte Grotz alles, um diese abzuwehren. Als Grünspahn nach Stuttgart abgeführt wurde, ging Grotz mit, um ihn dort „durch eine gute Vorsprache wieder zurückerhalten“ zu können – vergebens.

Menschlichkeit gegen Rassenhass

Heike Häussermann, eine Enkelin des aufrechten Schuhmachermeisters, hat es sich am Freitag nicht nehmen lassen, einige Worte über Hermann Grünspahn und ihren Großvater zu sprechen, nachdem der Stolperstein verlegt war. Mit diesem wird nun beider gedacht: des einen, weil er ein unschuldiges Opfer von Unmenschen wurde, des anderen, weil er in Zeiten der Unmenschlichkeit Menschlichkeit bewies.




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