Strafmaß für ranghohen Geistlichen Der Erzbischof muss nicht ins Gefängnis

Von Barbara Barkhausen 

Hausarrest für Philip Wilson, den Erzbischof von Adelaide – er hat Missbrauch vertuscht. Ein weiterer hoher australischer Geistlicher und Vertrauter des Papstes wartet auf sein Urteil.

Philip Wilson hat dem Gericht zufolge in den 70er Jahren den Missbrauch eines Priesters vertuscht. Foto: AAP
Philip Wilson hat dem Gericht zufolge in den 70er Jahren den Missbrauch eines Priesters vertuscht. Foto: AAP

Sydney - Adelaides Erzbischof Philip Wilson muss nicht ins Gefängnis. Das Amtsgericht in Newcastle, etwa zwei Stunden nördlich von Sydney, hat den 67-jährigen Geistlichen zu zwölf Monaten Hausarrest verurteilt. Die maximale Strafe für die Vertuschung von Kindesmissbrauch beträgt in Australien zwei Jahre Gefängnis. Doch das Gericht entschied sich wegen des Alters und Gesundheitszustands des Geistlichen für Hausarrest. Wilson leidet unter Diabetes, Alzheimer und einer Herzschwäche. Die Strafe kann nach sechs Monaten zur Bewährung ausgesetzt werden. Wilson war trotz der Verurteilung im Mai nicht zurückgetreten.

Peter Creigh, der als Kind in den 70er Jahren wiederholt von dem pädophilen Priester James Fletcher missbraucht worden war und Wilson vergeblich um Hilfe gebeten hatte, hatte vor der Urteilsverkündung noch gesagt, er wolle Wilson eingesperrt sehen. Das sollte eine Botschaft an religiöse Führer senden, dass institutionelle Vertuschungen nicht mehr toleriert werden.

Die Zahl vergleichbarer Fälle geht in die Hunderte

Peter Gogarty, ein weiteres Opfer von Fletcher, der 2006 im Gefängnis gestorben ist, betonte gegenüber dem lokalen Sender ABC jedoch: „Wir haben hier in Australien Geschichte geschrieben.“ Schließlich sei Wilson der ranghöchste Kirchenbeamte, der je zur Rechenschaft gezogen worden sei. Ein australischer Rechtsexperte hatte das Urteil Ende Mai ebenfalls als wegweisend bezeichnet. Laut Craig Caldicott könnte es noch weitaus mehr Anklagen lostreten. Nach Schätzungen des Anwalts liegt die Zahl vergleichbarer Fälle in der katholischen Diözese in Australien in den Hunderten.

Eine Untersuchungskommission der australischen Regierung berichtete im Jahr 2017 von 4444 Menschen, die als Kinder zwischen 1950 bis 2010 von katholischen Priestern missbraucht worden seien. „Es gibt eine ganze Reihe von Fällen in ganz Australien, wo die katholische Kirche und auch andere Kirchen Straftaten nicht angezeigt haben“, sagte Caldicott damals im Radio. Der ranghohe Kardinal George Pell, ein Vertrauter des Papstes, muss sich ebenfalls wegen in der Vergangenheit liegenden Kindesmissbrauchs vor einem australischen Gericht verantworten. Der Finanzchef des Vatikans streitet die Anschuldigungen ab und plädierte im Mai auf nicht schuldig.