Straftaten im Rems-Murr-Kreis Kriminalität so niedrig wie seit zehn Jahren nicht

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So wenige Straftaten wie im Jahr 2018 hat es seit Langem nicht gegeben. Dennoch gibt es einige Bereiche, die der Polizei Aalen große Sorge bereiten. Die wichtigsten Eckdaten zur Kriminalitätsstatistik im Überblick:

Das Polizeipräsidium Aalen kümmert sich um die Lankreise Rems-Murr, Ostalb und Schwäbisch-Hall. Foto: Phillip Weingand / STZN
Das Polizeipräsidium Aalen kümmert sich um die Lankreise Rems-Murr, Ostalb und Schwäbisch-Hall. Foto: Phillip Weingand / STZN

Rems-Murr-Kreis - „Man sieht, wie die Treppe schön nach unten geht“, sagt der Aalener Polizeipräsident Roland Ei­sele mit zufriedenem Blick auf die Kriminalitätsstatistik. Seit zehn Jahren hat es in dem Gebiet, für das sein Präsidium zuständig ist, nicht mehr so wenige Straftaten gegeben wie dies im Jahr 2018 der Fall war. Rund 36 000 Delikte hat die Polizei in den Landkreisen Rems-Murr, Ostalb und Schwäbisch-Hall verzeichnet. Das sind vier  Prozent weniger als im Jahr zuvor. Auch die Aufklärungsquote ist mit fast 63 Prozent so hoch wie lange nicht. Im Jahr 2009 war sie noch bei 58 Prozent gelegen.

Wie sicher lebt es sich im Aalener Präsidiumsbereich?

Im Vergleich zu anderen Bezirken lebt es sich hier ziemlich sicher: Nur in den Landkreisen Freudenstadt, Rottweil, dem Schwarzwald-Baar-Kreis, dem Kreis Tuttlingen und dem Zollernalbkreis geschehen – auf die Einwohnerzahl bezogen – weniger Straftaten. Kriminalitäts-Hotspots sind Stuttgart, Mannheim und Freiburg.

Welche Straftaten sind statistisch gesehen die häufigsten?

In fast der Hälfte der Fälle, um die sich die Polizei kümmert, geht es um Diebstahl oder Betrug. Und das, obwohl die Polizei einen weiteren beträchtlichen Rückgang bei den Wohnungseinbrüchen verzeichnet: Rund 470 solcher Fälle wurden registriert. Auf dem Höhepunkt der Einbruchswelle im Jahr 2014 waren es rund 1060 gewesen. Noch immer ist jedoch der Rems-Murr-Kreis, entlang der Bundesstraßen und wegen der S-Bahn-Anbindung, das Lieblingsziel von Wohnungseinbrechern. Zu schaffen machen den Ermittlern außerdem Enkeltrick-Betrüger und falsche Polizisten.

Wie sieht es bei den Kapitalverbrechen aus?

Doch nicht überall sieht die Statistik gut aus: „Die Zahlen sind kein Grund, uns auszuruhen“, meint der Kripo-Chef Reiner Möller. Nach einem Tiefststand im Jahr 2017 haben sich im vergangenen Jahr wieder mehr sogenannte Straftaten gegen das Leben ereignet. Darunter fasst die Polizei versuchte und vollendete Morde, Totschlag und fahrlässige Tötungen zusammen. Deren Zahl nahm in den drei Landkreisen von 17 auf 29 zu. Davon ereigneten sich 18 Fälle im Rems-Murr-Kreis – bei zehn dieser Taten blieb es beim Versuch. Allerdings: Im Jahr 2014 hatte es noch 37 solcher Verbrechen gegeben. Fast jede dieser Straftaten (97 Prozent) wird aufgeklärt.

Wie will die Polizei Gewalt in Familien oder gegen Einsatzkräfte eindämmen?

Oft kommen Täter aus der eigenen Familie: Häusliche Gewalt ist häufiger geworden und hat ein Fünf-Jahres-Hoch erreicht. Die Polizei will darauf reagieren, indem sie Anzeigen rascher nachgeht und nach entsprechenden Meldungen frühzeitig Partner in Ämtern und Beratungsstellen ins Boot holt. Ebenfalls einen Anstieg – und einen Fünf-Jahres-Rekord – gab es bei Angriffen auf Polizisten, Rettungskräfte und Feuerwehrleute. Besserung erhofft sich der Polizeipräsident Besserung durch die neu eingeführten Bodycams. „Wir hoffen, dass wir die Kameras ab Ende April im Streifendienst einsetzen können.“ Er hoffe, dass schon das „rote Lämpchen“ an den Kameras abschreckend wirke.

War das Leben früher sicherer?

Immer wieder wird kolportiert, das Leben „früher“ sei sicherer gewesen. Ein Vergleich der aktuellen Zahlen mit jenen von vor 20 Jahren mache keinen Sinn, erklärt der Kripo-Chef. Nicht nur wegen Gesetzesänderungen, die es seit jener Zeit gegeben hat, sondern auch wegen ganz anderer Straftaten, die damals noch nicht existierten – „zum Beispiel Cybercrime.“ Dennoch fühlten sich viele Menschen heute nicht sicher, so der Polizeipräsident Eisele: „Doch bei der subjektiv gefühlten Sicherheit hilft nur mehr Polizeipräsenz. Und da müssen wir uns auf das konzentrieren, was geht.“

Wo macht sich der Personalmangel bei der Polizei bemerkbar?

Nicht alles, womit sich die Polizei beschäftigt, taucht in der offiziellen Statistik auf. So mussten im vergangenen Jahr in rund 760 Todesfällen Ermittlungen angestellt werden. Rund 500 Personen überprüfte die Polizei auf dschihadistische Aktivitäten. Und auch die Suche nach Brandursachen oder die Auswertung von sichergestellten Datenträgern – zum Beispiel, wenn es um Kinderpornografie geht – sind zeit- und personalaufwendig.

Die Aalener Polizei hat derzeit 70 Stellen weniger als noch 2016. Bis die neu ausgebildeten Beamten ihren Dienst aufnehmen, wird noch einige Zeit vergehen. In manchen Bereichen muss sich die Polizei daher auf die Pflichtaufgaben konzentrieren – etwa bei der Prävention. Mit den zurückgefahrenen Veranstaltungen (zum Beispiel Einbruchsberatungen und Verkehrserziehung) wurden im vergangenen Jahr deutlich weniger Menschen erreicht als noch im Jahr 2017.

Wie entwickelt sich die Kriminalität von Jugendlichen und Ausländern?

Das Polizeipräsidium Aalen hat im vergangenen Jahr rund 16 600 Tatverdächtige ermittelt. „Drei Viertel davon sind männlich“, erklärt der Polizeipräsident. Sowohl der Anteil von Jugendlichen und Heranwachsenden als auch derjenige von Tatverdächtigen ohne deutschen Pass hat im Jahr 2018 abgenommen.

Die komplette Kriminalitätsstatistik für die Jahre 2015 bis 2018 finden Sie hier.