Straßenrückbau in Bad Cannstatt Industriemeile Pragstraße wird zur schmucken Allee

Der Rückbau der Pragstraße beginnt 2024. Die Fahrbahnen bergab in Richtung Wilhelma werden aufgegeben und durch Rad- und Gehwege ersetzt. Foto: Uli Nagel

Wegen der maroden Rosensteinbrücke musste das Tiefbauamt den Rückbau auf 2024 verschieben und in zwei Abschnitte unterteilen. Aufwendige Kanal- und Leitungsarbeiten erschweren das Projekt.

Redaktionsleiter: Uli Nagel (uli)

Rund 20 Straßenrückbaumaßnahmen in Zuffenhausen, Bad Cannstatt und Stuttgart-Ost waren im Jahr 2012 fester Bestandteil des Grundsatzbeschlusses für den Bau des Rosensteintunnels. Die größte Maßnahme betrifft die Pragstraße. Fast 18 Millionen Euro stehen dem Tiefbauamt zur Verfügung, um aus der einstigen Industriemeile, auf der täglich bis zu 60 000 Fahrzeuge unterwegs waren, eine Straße mit viel Aufenthaltsqualität für Fußgänger und Fahrradfahrer zu machen. Allerdings erfolgt der Rückbau in Etappen.

 

Zwei Bauabschnitte sind nötig

„Wir haben die Realisierung auf 2024 verschieben und splitten müssen“, sagt Jürgen Mutz, der Leiter des Tiefbauamts. Der Grund: Zu viele wichtige Projekte stehen mittlerweile auf seiner To-do-Liste. Vor allem die vielen maroden Brücken im Stadtgebiet binden Mitarbeiter.

Da das Tiefbauamt – wie die meisten Stuttgarter Ämter – über akuten Personalmangel klagt, mussten Bürgermeister Dirk Thürnau und sein Tiefbauamtschef eine Prioritätenliste erstellen. Der Rückbau der Pragstraße genießt zwar weiterhin Priorität – aber halt erst ab 2024. Denn solange nicht feststeht, wie die neue Rosensteinbrücke – die alte wird im Sommer 2024 abgerissen – aussehen wird, muss der Kreuzungsbereich Prag-/Neckartalstraße außen vor bleiben.

Große Zahl an Baumpflanzungen

Nach dem Bezirksbeirat Bad Cannstatt informierte das Tiefbauamt den Ausschuss für Städtebau und Technik über den Planungsstand, der in den vergangenen Monaten noch einmal modifiziert wurde. Im Kern hat sich nichts verändert. Die Pragstraße wird von vier auf zwei Fahrspuren zurückgebaut. Auf den ehemaligen Fahrbahnen bergab in Richtung Wilhelma werden Rad- und Fußwege gebaut sowie Grünflächen angelegt. Durch die große Zahl an Baumpflanzungen erhält die Straße einen „Alleecharakter“.

Allerdings muss die Umsetzung wegen der neuen Rosensteinbrücke in zwei Bauabschnitte unterteilt werden. Der erste umfasst die Pragstraße etwa ab der Haltestelle Rosensteinpark bis zur Einmündung der Wilhelmastraße sowie die Wilhelmastraße selbst. Der zweite Bauabschnitt betrifft dann den Knotenpunktbereich Prag-/Neckartalstraße.

Eine separate Spur für Radler

Gegenüber den Entwurfsplänen aus dem Jahr 2021 wurde der Rückbau vor allem im unteren Bereich noch einmal überarbeitet und betrifft den Radverkehr. Der erhält ab der Wilhelmastraße einen separaten Radfahrstreifen anstatt einen gemeinsamen Geh- und Radweg. „Zu wenig Platz“, heißt es in der Mitteilungsvorlage, weshalb insgesamt 15 neue Parkplätze, die entlang der Wohnbebauung geplant waren, nicht realisiert werden können. Der Vorteil: Der Radverkehr kann gestärkt und zudem können weitere Baumpflanzungen vorgenommen werden. Diese Verkehrsführung entspricht jetzt auch der Forderung des Fahrradclubs ADFC, der in diesem Bereich der Pragstraße eine Trennung der Passanten und Radfahrer angemahnt hatte.

Baubeginn im Frühjahr 2024

Geplanter Baubeginn ist im Frühjahr 2024. Mit der Fertigstellung des ersten Abschnittes rechnet das Tiefbauamt jedoch erst Ende 2026. Mit ein Grund sind laut Jürgen Mutz auch die umfangreichen Leitungsverlegungen und Kanalbaumaßnahmen. „Bis die Bürgerinnen und Bürger etwas vom Rückbau sehen, wird es noch eine ganze Zeit dauern“, so der Chef des Tiefbauamts. Während der Bauzeit müssen Verkehrsteilnehmer zudem mehrmals mit Fahrbahnverschwenkungen und Umleitungen rechnen, die teilweise über die Löwentorstraße und Münster führen.

In den 17,4 Millionen Euro, die für die Neugestaltung bereit stehen, ist auch der Um- und Rückbau des Kreuzungsknotens Neckartal-/Pragstraße enthalten. Ob das reicht? Zum einen gibt es im Gemeinderat den Vorschlag, die heutige Stadtbahnhaltestelle gegenüber der Wilhelma auf die neue Rosensteinbrücke zu verlegen. Zudem lassen die exorbitanten Preissteigerungen im Bausektor momentan keine seriösen mittel- bis langfristigen Kalkulationen zu.

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