Straßenverkehr in Fellbach Tempo 30 nicht auf die Schnelle realisierbar

Von Dirk Herrmann 

Knapp zwei Dutzend Anwohner aus Oeffingen schildern dem Ersten Bürgermeister ihre Sorgen über den starken Verkehr vor der Haustüre. Der Zebrastreifen soll eine bessere Beleuchtung erhalten, auch gelbe Minipoller am Straßenrand sind denkbar.

Versammlung auf der Ostseite der Ludwigsburger Straße: Anwohner diskutieren  mit Bürgermeister Johannes Berner. Foto: Patricia Sigerist
Versammlung auf der Ostseite der Ludwigsburger Straße: Anwohner diskutieren mit Bürgermeister Johannes Berner. Foto: Patricia Sigerist

Oeffingen - Morgens um halb elf ist die Welt halbwegs in Ordnung. Drei Stunden früher waren hunderte Kinder zur Schillerschule gestrebt. Und später im Feierabendverkehr samt Lastwagen und Riesentreckern war in der Ortsmitte von Oeffingen auch deutlich mehr Betrieb. Doch auch so bekamen Fellbachs Erster Bürgermeister Johannes Berner und Ordnungsamtsleiter Peter Bigalk unter spätsommerlicher Morgensonne mit, welchem Unbill die Anwohner sich permanent ausgesetzt fühlen.

Drei zentrale Wünsche haben die Menschen aufgelistet

Erst vor wenigen Wochen hatten gut 60 Bürger in einem gemeinsamen Brief an OB Gabriele Zull und die Fraktionsvorsitzenden die ihrer Einschätzung nach „dramatische Verkehrssituation“ dargestellt und Verbesserungen angemahnt. Und nachdem unsere Zeitung den Oeffinger Vorstoß thematisiert hatte, folgte nun überraschend zügig der von den Bürgern erhoffte „klärende Ortstermin“.

Zwei Dutzend Nachbarn versammelten sich am Dienstagvormittag nahe der abknickenden Vorfahrt von der Hegnacher Straße in die Ludwigsburger Straße – an jenem Zebrastreifen also, wo am 27. Juli eine 71-Jährige bei einem Unfall erfasst wurde und schwer verletzt in ein Krankenhaus kam. Dieser Vorfall war Auslöser für die aktuelle Initiative der Bürger im Nordosten Oeffingens.

Drei zentrale Wünsche haben die Menschen aufgelistet. Sie hoffen auf eine grundsätzliche Tempo-30-Begrenzung ab dem Ortseingang, gegebenenfalls mit einer Verkehrsinsel. Sie fordern eine stichprobenartige Überwachung des bestehenden Fahrverbots für unberechtigte Lastkraftwagen. Und sie setzen auf eine verbesserte Absicherung des genannten Fußgängerüberwegs.

Lediglich sechs Prozent der Fahrzeuge waren wiederum Lastwagen

Weit geöffnete Türen hatten die Stadtvertreter beim Ortstermin allerdings nicht zu bieten. „Verkehrsrecht ist eine hoch komplizierte Angelegenheit“, erklärte Berner. Bigalk wiederum hatte Daten parat, gesammelt in der vergangenen Woche durch einen an der Ludwigsburger Straße aufgestellten „grauen Kasten“. Per Lasermethode wurden nicht nur die Ausmaße der Fahrzeuge ermittelt, ob es sich also um ein Auto oder einen Lastwagen handelt, sondern vor allem die Geschwindigkeiten gemessen. Weil kein Autofahrer das Messgerät erkennt oder gar als Starenkasten einstuft, liegt nach Bigalks Einschätzung „ein absolut realistisches Bild“ vor. Das brachte zwar einerseits bedenkliche Erkenntnisse, etwa dass die schlimmsten Sünder nachts mit 81 Sachen in Richtung Süden sowie Tempo 70 gen Norden unterwegs waren. Diese Verkehrsrowdys jedoch waren absolute Ausreißer. Der Durchschnitt lag bei 43 beziehungsweise 40 Stundenkilometer.

Schließlich dürfen diese Kontrollen ausschließlich Polizeibeamte vornehmen

Lediglich sechs Prozent der Fahrzeuge waren wiederum Lastwagen, inklusive Linienbussen und großen Traktoren – eine für solche Straßen eher geringe Menge, so der Ordnungsamtsleiter.

Das häufige Ausweichen im Begegnungsverkehr auf den Gehweg hat nach Polizeiangaben seit 20 Jahren bei keinem Fußgänger zu Verletzungen geführt. Und die Prüfung, ob Lastwagenfahrer denn berechtigt zur Durchfahrt sind, ist ebenfalls nicht einfach. Schließlich dürfen diese Kontrollen ausschließlich Polizeibeamte vornehmen – und auf dem Fellbacher Revier sind die Personalkapazitäten meist anderweitig gebunden. Ohnehin sei es auch aus Datenschutzgründen schwierig, die Fahrer genau nach ihrem Ziel auszufragen, so Berner.

Außerdem ist daran gedacht, die unmittelbaren Parkplätze am Fußgängerüberweg abzuschaffen

Nach einigen Diskussionen war sich die Versammlung einig, dass der Zebrastreifen nicht verlagert werden soll – einen besseren Standort gebe es in der Nähe sowieso nicht. Bigalk und Berner sicherten aber eine verbesserte Beleuchtung zu. Als morgendlicher Fußgänger, wies ein Anwohner auf die Dringlichkeit hin, werde man im Winter von aus der Hegnacher Straße nach links abbiegenden Fahrern oft übersehen.

Außerdem ist daran gedacht, die unmittelbaren Parkplätze am Fußgängerüberweg abzuschaffen, um in jenem Bereich mehr Verkehrsfluss und Übersichtlichkeit zu erhalten. Wobei dies wiederum zur Folge haben könnte, dass eben doch zu schnell gefahren wird. Von der Entfernung aller Parkplätze in der Ludwigsburger Straße halten die Anwohner nichts. Zum einen, weil dann noch häufiger in den Seitenstraßen geparkt würde. Zum anderen will man die Bremswirkung durch die Parkplätze nicht aufgeben.

Ende Oktober steht ein weiteres Treffen der Rathausbeamten mit den Bürgern in der Oeffinger Verwaltungsstelle an

Die ganze Strecke auf 30 km/h zu begrenzen, wie erhofft, das geht laut Straßenverkehrsordnung nur bei Unfallhäufigkeit – in Oeffingen also nicht. Und was ist mit der 30er-Ortsdurchfahrt Hegnach oder der Theodor-Heuss-Straße in Fellbach? Die Fragen konterte Bigalk mit dem Hinweis, dass die Ludwigsburger Straße eben „eine Sammelstraße, die Einfahrtstraße nach Oeffingen“ sei, während es sich bei der Theodor-Heuss-Straße um ein „klassisches Anwohnergebiet“ handle.

Immerhin, an der Ludwigsburger Straße könnten „überfahrbare gelbe Dinger“ (Bigalk) als optische Bremse am Straßenrand installiert werden, „das sieht aber nicht sehr schön aus“, ergänzte er.

Ansonsten könnte der anstehende Lärmschutzplan in Fellbach in den nächsten Jahren Bewegung in die Tempo-30-Reduktion im gesamten Stadtgebiet bringen. Ende Oktober steht ein weiteres Treffen der Rathausbeamten mit den Bürgern in der Oeffinger Verwaltungsstelle an. Anschließend entwickelt die Verwaltung ein Konzept für Oeffingen, das im November im Bauausschuss nichtöffentlich vorberaten und anschließend im Gemeinderat vorgestellt und verabschiedet wird.

Angesichts der zumindest kleinen Fortschritte machten sich die Anwohner mit leisem Hoffnungsschimmer auf den zumeist kurzen Nachhauseweg.




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