„Streets of Stuttgart“ Schwäbisches Gameplay mit Witz und Knalleffekten

Ganz schön spektakulär: Szene aus „SOS – Streets of Stuttgart“, das auch in Ludwigsburg spielt. Foto: Schwäbische Mund.art

Dialekt mal in einem ganz anderen Umfeld: Mit dem Projekt „SOS – Streets of Stuttgart“ wagen sich schwäbische Mundartkünstler in die junge schräge Welt der Gaming-Community vor.

Stadtleben/Stadtkultur: Jan Sellner (jse)

Der Verein Schwäbische Mund.art, ein Netzwerk schwäbischer Mundartkünstler, geht neue Wege. Man könnte auch sagen, er ist unterwegs auf neuen Straßen: „SOS – Streets of Stuttgart“ heißt das Projekt, das der rührige Verein in intensiver zweijähriger Arbeit entwickelt hat. Es ist dem Thema Gaming gewidmet. „Wir sind sehr stolz, dass wir das in einer riesigen Gemeinschaftsarbeit unter dem ,spiritus rector‘ Pius Jauch auf den Weg gebracht haben“, erklärte der Vorsitzende des Mundartvereins, Wolfgang Wulz, jetzt bei der Vorstellung des Projekts: „Nur mit solchen neuen Formen, die für unser Stammpublikum vielleicht provokativ sind, können wir die Jüngeren für den Dialekt gewinnen.“

 

Jimmy Las Vegas bahnt sich seinen Weg

Der Bösinger Lieder- und Filmemacher Pius Jauch, der auch 2. Vorsitzender des Vereins Schwäbische Mund.art ist, spricht von einem neuen Genre namens „Swabian Gameplay“. Die während der kontaktarmen Coronazeit entwickelte Idee besteht darin, sich den digitale Parallelwelten spielerisch und mit viel Humor zu nähern. Und so schlüpft in „SOS – Streets of Stuttgart“ der Comedian Markus Zipperle in die Rolle eine Influencers, der neue Computerspiele testet und – natürlich auf gut Schwäbisch – kommentiert. Unterbrochen wird er nur von seiner fürsorglichen Schwaben-Mutter (Hillu Stoll von Hillus Herztropfen), die ihn mit Speis und Trank versorgt und sich um seine Cannabis-Pflanze kümmert, während er immer tiefer in die digitale Welt abgleitet.

Konkret geht es um den halbseidenen Actionhelden Jimmy Las Vegas, dessen Tochter ihren Praktikantenjob beim Ludwigsburger Kulttheater Scala verliert und das „ohne Abfindung“ , worauf der Vater die Sache in die Hand nimmt und in die Scala-Kasse greift, um in der nächsten Szene von einem Nachtclub-Besitzer auf einen abtrünnigen Komplizen angesetzt zu werden, der mit Drogen und Waffen dealt.

Es kommt zum Showdown mit allerlei sprachlichen und tatsächlichen Knalleffekten. „Das Ende der Geschichte ist blutig, der Weg dorthin gespickt mit beißendem Spott und versteckter Ironie“, erklären Wolfgang Wulz und Pius Jauch.

Der Verein hat das Projekt aus eigener Kraft gestemmt

Stolz sind sie darauf, dass das 17-Minuten-Werk, aus dem weitere hervorgehen sollen, bis auf die Kamera- und Tonaufnahmen komplett in Eigenarbeit des Vereins entstanden ist: „Vom Drehbuch über Filmmusik, Kostüm, Requisiten, Spezialeffekte, bis zum eigenen Handyklingelton (,Preisend mit viel schönen Reden‘). Wulz und Jauch sehen in ihrem „Swabian Gameplay“ einen „innovativen Zugang zum Thema Film und Neue Medien“. Das ist es auf jeden Fall: der Beginn von etwas Neuem. So sieht es auch Pius Jauch: „Der Film ist als Impuls und Denkanstoß gedacht, aus dem Verschiedenes entstehen kann.“

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