Streit in Bietigheim-Bissingen Lautstarke Proteste gegen das Ende des Bissinger Bädles

Das Bissinger Hallenbad weist etliche Mängel auf. Foto: factum//Simon Granville
Das Bissinger Hallenbad weist etliche Mängel auf. Foto: factum//Simon Granville

Das Bissinger Hallenbad soll Geschichte sein. Der OB von Bietigheim-Bissingen, Jürgen Kessing (SPD), lockt mit einem Neubau von 16 Millionen Euro – allerdings an einer völlig anderen Stelle. Es gibt Proteste.

Bietigheim-Bissingen - Beifall, Gejohle, aber auch Gelächter: Der Neubau des Bissinger Hallenbads im Ellental bewegt die Bürger der Stadt. Bei einer Informationsveranstaltung war kaum mehr ein Platz frei, einige verfolgten die Vorträge und die Diskussion im Stehen. Oberbürgermeister Jürgen Kessing zählte 200 bis 250 Bürger. Die jedoch waren beileibe nicht alle einig mit den Plänen der Kommunalpolitik, für etwa 16 Millionen Euro ein erweiterungsfähiges Hallenbad auf dem Gelände der Ballkult-Freizeiteinrichtung zu errichten.

Kessing erklärte, dass die Geschäftsleitung der Stadtwerke schon 2016 festgestellt hatte, dass das 1974 gebaute Bissinger Hallenbad saniert oder neu gebaut werden müsse. Thilo Dittmann, Leiter Bäder und Eishallen, zeigte Bilder von undichten Becken, immer wieder laufe Wasser aus. Dementsprechend habe der Gemeinderat bei sechs Gegenstimmen beschlossen, ein Bad mit 25-Meter-Bahn im Ellental zu bauen, um für die Benutzer einen nahtlosen Übergang zu schaffen. Ein Großteil der Gegenstimmen seien von denen gekommen, die ein Bad mit 50-Meter-Bahnen gewollt hätten.

Kessing: Wir legen pro Gast zehn Euro drauf

Doch auch mit der beschlossenen kleineren Lösung, einem Bad mit 25-Meter-Bahnen, habe das neue Bad eine um 60 Prozent größere Wasserfläche als das jetzige. Der neue Standort bietet laut Dittmann viele Vorteile. Der Nutzwert sei optimal, weil es auch noch ein Kursbecken geben werde, eine Sauna mit Freibereich könne Beiträge zur Kostendeckung erwirtschaften. Beim Bissinger Bad betrage die Kostendeckung derzeit nur 18 Prozent (zum Vergleich: Beim Bad am Viadukt sind es 41 Prozent). Bei 69 000 Besuchern im Jahr „legen wir pro Gast zehn Euro drauf“, rechnete Dittman vor. Der gesamte Zuschussbedarf für die Bäder und Eishallen der Stadtwerke liegt laut OB Kessing bei mehr als vier Millionen Euro pro Jahr.

Im Ellental könne man dagegen viele Synergieeffekte nutzen, etwa bei der Energieversorgung durch das Heizkraftwerk an der Berufsschule mit rund 80 Prozent erneuerbarer Energie, aber auch beim Personal. Erst recht, wenn irgendwann auch noch das Bad am Viadukt am Ende seiner Lebensdauer angelangt ist und stattdessen der Ellental-Neubau erweitert werden könnte, sodass dort eine große Bäderlandschaft entstehe. Kessing rechnet damit, dass das Bad am Viadukt noch zehn bis 15 Jahre genutzt werde.

Bürger fordern Neubau neben dem alten Bad

Fragesteller aus dem Publikum plädierten dafür, das neue Bad direkt neben dem jetzigen Bau zu erstellen. Kessing wies darauf hin, dass dort die Gefahr eines Jahrhunderthochwassers bestehe. Michael Grießer entgegnete, der Silcher-Platz sei höchstens von einem noch selteneren Extremhochwasser betroffen. Andrea Schwarz, die Leiterin des Stadtentwicklungsamtes, widersprach, die Fläche würde sehr wohl schon etwas in den Überflutungsbereich eines Jahrhunderthochwassers hineinreichen. Und nach der Gesetzgebung des Bundes und des Landes herrsche in solchen Bereichen ein Bauverbot. Den Einwand, dass andere Gebäude in der Stadt in Enznähe noch viel gefährdeter seien, ließ die Stadtplanerin nicht gelten: In diesen Fällen gelte der Bestandsschutz, heute könne man dort nicht mehr bauen.

Brechen die Wunden der Kommunalfusion wieder auf?

Auch das Liederkranzhaus Richtung Tamm wurde als Standort vorgeschlagen. Ebenso wurde aus dem Publikum auf die Vereinigungsvereinbarung zwischen Bietigheim und Bissingen verwiesen. Darin heißt es, die öffentlichen Einrichtungen im Stadtgebiet „werden weder aufgehoben noch eingeschränkt, solange ein Bedürfnis für die Beibehaltung besteht“. Kessing erklärte dazu, dass ja wieder ein Neubau im Stadtgebiet geplant sei. Ziel des Zusammenschlusses sei es auch gewesen, zentrale Einrichtung an zentraler Stelle zu schaffen – eben im Ellental. Zugleich ließ Kessing durchblicken, dass die Stadt über das frei werdende Grundstück mit Erlösen in Höhe von einer Million Euro kalkuliere.

Die weiteren Pläne der Stadt sehen vor, nach einer europaweiten Ausschreibung Mitte 2020 einen Generalplaner zu bestimmen, sagte Thilo Dittmann. Bis Mitte 2021 könnte der Baubeschluss für das neue Bad fallen, bei einer optimistischen Bauzeit von 18 Monaten könnte dieses 2023 fertig sein.




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