Streit über G8 und G9 Bürger debattieren übers Gymnasium
Zufällig ausgewählte Bürger diskutierten in Stuttgart über die Zukunft des Gymnasiums. Vier Online-Treffen sollen folgen.
Zufällig ausgewählte Bürger diskutierten in Stuttgart über die Zukunft des Gymnasiums. Vier Online-Treffen sollen folgen.
Wie steht es um Praktika, Nebenjobs, Vereine, Sport, Ehrenamt? Wo bleibt Zeit für persönliche Entwicklung und um sich selbst zu finden? Gedanken auf Zetteln, die auf dem Boden liegen – auf einem gelben Papierkreis, betitelt „Hobby & Freizeit“. Drum herum diskutieren Menschen, welche Stichworte noch zu dem Thema passen würden. Ein Großvater wünscht sich, mehr nach den Menschen und ihren Talenten zu schauen. „Schule muss cooler werden, so cool wie Freizeit“, kommentiert jemand.
Die Diskutanten nehmen am Bürgerforum G8/G9 zur Dauer des allgemeinbildenden Gymnasiums teil. Diese letzte von drei Phasen der Dialogischen Bürgerbeteiligung begann am Samstag. Im Stuttgarter Bildungszentrum Hospitalhof trafen sich 57 von 64 zufällig ausgewählten Bürgerinnen und Bürgern aus ganz Baden-Württemberg zu ihrer ersten Sitzung. Für das Bürgerforum waren mehr als 6000 Menschen in 43 Kommunen zufällig ausgewählt und angeschrieben worden. 315 Personen meldeten sich zurück. 64 davon wurden ausgelost. Grundlage für ihre Arbeit ist eine offene Onlinebeteiligung auf dem Beteiligungsportal des Landes. Dort kristallisierte sich eine Themenlandkarte heraus, die in den vergangenen Wochen bewertet, bearbeitet und ergänzt wurde. Fast 1000 Kommentare und mehr als 13 000 Bewertungen zu den verschiedenen Bereichen wurden abgegeben. Ulrich Arndt, Leiter der Stabsstelle der Staatsrätin für Zivilgesellschaft und Bürgerbeteiligung, betont, alle sollten im Dialog zu Wort kommen.
Das Interesse am Bildungsthema sei groß, so Barbara Bosch, Staatsrätin für Zivilgesellschaft und Bürgerbeteiligung, die im Hospitalhof die Teilnehmer begrüßte. Deren Mitwirken sei ein Dienst an der Demokratie. Der Auftaktveranstaltung vom 23. September sollen nun vier Onlinesitzungen folgen. Am Ende steht ein Bürgergutachten, eine nicht bindende Empfehlung. Die soll am 2. Dezember der Landesregierung übergeben werden, die im ersten Halbjahr 2024 über G8/G9 entscheiden will. Im Hospitalhof formulierten die Teilnehmenden Fragen für Expertinnen und Experten aus Schüler-, Lehrer- und Elternschaft, aus Wissenschaft, Schulverwaltung, Schulträgerschaft, Bildungsverbänden, Wirtschaft und Zivilgesellschaft.
Es galt auch zu entscheiden, wer davon zur Sitzung eingeladen wird. „ Ein Dialog ist gut, er kann etwas bewegen. Das hätte gerne früher stattfinden können“, sagt Annemarie Neumair, die von der Schwäbischen Alb angereist ist. Dinge anstoßen wollen auch Verena Knaus, Emelie Steelhardt, Julia Weller und Kilian Zoll aus den Regionen um Stuttgart und Heidelberg, die – außer BWL-Student Zoll – in den Bereichen Kindheitspädagogik und Bildung tätig sind. Sie sind überzeugt, dass man sich, auch wenn es Zeit koste, an der politischen Debatte beteiligen müsse. Und während die Göppingerin Gabriele Munz für ihre Enkelkinder mitmacht, deren Schulalltag sie kennt, freut sich Erzieherin Jasmin Sasmaz aus Heilbronn darauf, tief und respektvoll in den Austausch einzusteigen.