Während sich Jazz Open-Chef Jürgen Schlensog und OB Frank Nopper (CDU) gegenseitig attackieren, hat Sebastian Engelmann, Sprecher von Finanzminister Danyal Bayaz (Grüne), am Montagnachmittag auf Anfrage unserer Zeitung erklärt: An der bereits im Herbst 2022 getroffenen Entscheidung ändere sich nichts mehr. Demnach könnten das Public Viewing und die Jazz Open auf dem Schlossplatz gemeinsam stattfinden, doch der Ehrenhof stehe dem Musikfestival zu.
Die städtische Veranstaltungsgesellschaft in.Stuttgart habe diesem Kompromiss längst zugestimmt, wie man im Mailverkehr sehen könne, sagte Engelmann. Man könne die Tribünen der Jazz Open gemeinsam nutzen. Den Vergleich von OB Nopper mit dem Sommermärchen 2006 lässt der Bayaz-Sprecher nicht gelten: Nach der Katastrophe bei der Love Parade in Duisburg sei so ein großes Fest in der City gar nicht mehr möglich.
OB Nopper verärgert über Schlensogs Aussage in Sache Fassanstich
„Auch unter strengeren Sicherheitsbedingungen könnten wir an das Sommermärchen 2024 anknüpfen“, erklärte hingegen OB Frank Nopper am Montagabend gegenüber unsere Zeitung. Einen Umzug auf den Cannstatter Wasen befürwortet der CDU-Politiker nicht. Wenn Menschen aus vielen Ländern in Stuttgart zu Gast seien, müsse man ihnen die Schönheiten der Innenstadt zeigen. Verärgert ist Nopper über die persönlichen Angriffe von Jazz Open-Chef Jürgen Schlensog, der gesagt hatte, was könne man schon von Politikern erwarten, deren Jahreshöhepunkt das Anstechen eines Fasses sei. „Damit beleidigt er mich und den Finanzbürgermeister“, sagt der OB. Er selbst habe in seiner Erwiderung davon abgesehen, den Veranstalter zu beleidigen. Ob sich Schlensog bei ihm dafür entschuldigen müsse? „Das kläre ich persönlich mit ihm“, antwortet Nopper.
Der Jazz Open-Promoter freut sich, dass es laut Finanzministerium zum vereinbarten Kompromiss auf dem Schlossplatz kommen kann. „Das ist nicht mein Wunschkonzert“, sagt er, „aber ich kann damit leben.“ Nach einem Fanfest sei der Platz meist in einem wenig erfreulichen Zustand, was für sein Festival nicht gut sei.
Andreas Kroll, der Geschäftsführer von in.Stuttgart, hält es „für eine Katastrophe“, wenn das Fanfest nicht auf dem Schlossplatz stattfinden könne. Die Jazz Open seien eine bedeutsame Kulturveranstaltung, unterstreicht Kroll. „Der Termin der Fußball-EM lässt sich nicht verschieben“, sagt er, „bei Konzerten aber geht es schon.“ Für das Public Viewing in der City rechnet er mit 30 000 bis 40 000 Fans. Dafür brauche man auch den Ehrenhof. Die gemeinsame Nutzung der Tribüne hält er nicht für machbar. Mit so vielen Menschen könne man nicht auf dem Wasen feiern, weil man dort die Parkplätze für die Fußballspiele brauche. Und wenn bis zum Viertelfinale am 5. Juli, das in Stuttgart gespielt wird, das Fanfest auf dem Schlossplatz stattfindet und danach auf dem Wasen? „Wer soll den Umzug finanzieren?“, fragt Kroll zurück.
Nächstes Treffen der Streitparteien am Mittwoch
Am kommenden Mittwoch treffen sich Kroll und Schlensog im Finanzministerium, um vielleicht in letzter Minute doch noch eine Lösung zu finden, die beide Seiten zufriedenstellt. Nach der klaren Aussage des Bayaz-Sprechers, es werde bei dem Votum für die Jazz Open auf dem Ehrenhof bleiben, dürfte eine einvernehmliche Entscheidung schwierig werden. „Es muss doch im Interesse des Landes sein, Stuttgart im besten Licht darzustellen“, sagt Kroll und unterbreitet ein Alternativvorschlag für die Jazz Open: „Ein schöner Platz wäre die Mercedes-Benz-Arena, die nach dem 5. Juli frei ist.“
Andreas Kroll erklärt außerdem, in.Stuttgart habe bereits vor einem Jahr mit der Uefa vereinbart, dass das Fanfest in der Innenstadt stattfindet und nicht außerhalb auf dem Wasen. Auch die Bundesregierung erwarte dies. „In Berlin versteht man die Diskussion nicht, die in Stuttgart entstanden ist“, sagt Kroll.