Streuobstwiese bei Warmbronn Was ist ein Naturdenkmal?

Von Ulrike Otto 

Die Stadt Leonberg, die für die Kontrolle der Naturdenkmale auf ihrem Gebiet zuständig ist, und das Landratsamt als untere Naturschutzbehörde haben den Beschwerdeführern mehrfach schriftlich geantwortet. Beide sehen keine Verstöße seitens des Landwirts. Knackpunkt der Geschichte ist dabei wohl das unterschiedliche Verständnis davon, was ein Naturdenkmal ist und wie es geschützt werden muss. „Ein Naturdenkmal hat die Qualität eines Naturschutzgebietes, nur nicht dessen Größe. Außerdem ist die Art der geschützten Lebensgemeinschaft genau beschrieben“, erklärt Carmen Misch von der Naturschutzbehörde in Böblingen. Bei der Feuchtwiese ist es etwa das Vorkommen der Trollblume.

Nur: Die Verordnung über die Naturdenkmale trat 1991 in Kraft. „Ich bin jetzt seit 20 Jahren bei der Stadt Leonberg und so lange schon gibt es diese Pflanze dort nicht mehr“, sagt der städtische Umweltplaner Michael Kübler, der die Naturdenkmale kontrolliert. Der Grund dafür sei weniger in der landwirtschaftlichen Nutzung zu finden, als vielmehr in der klimatischen Veränderung. „Es gibt dort schlicht nicht mehr genügend Wasser für die Feuchtwiese.“

Zum Jahr 2020 soll der Flächennutzungsplan der Stadt fortgeschrieben werden. Das umfasst auch, dass alle Naturdenkmale neu kartiert werden. Die (nicht mehr) feuchte Wiese würde dabei ihren jetzigen Schutzstatus verlieren, sagt Kübler. Wobei: „Naturdenkmal heißt nicht, dass keine ordnungsgemäße Landwirtschaft mehr zulässig ist“, sagt Carmen Misch. „Das wäre dann ja eine Enteignung der Besitzer“, ergänzt Regina Meier, Leiterin der Behörde für Landwirtschaft und Naturschutz in Böblingen.

Dafür regele jedoch ein Pflegeplan für jede Fläche, wie diese bewirtschaftet werden kann. Im Warmbronner Fall etwa darf Landwirt Gommel im September Gülle ausbringen und im Rest des Jahres festen Mist. Dies sei dem Beschwerdeführer auch bei einem Vor-Ort-Termin mit Vertretern von Stadt, Landratsamt sowie dem Landwirt erklärt worden.

Werner Müller hat dieser Termin indes nicht beruhigt. „Das Ende des Naturdenkmals ist beschlossene Sache“, kritisiert er. Den Behörden wirft er vor, der „Gülle gewogen zu sein“, sie seien einzig an der kostengünstigen Pflege der Streuobstwiese durch den Landwirt interessiert. „Anwohnern, die seit Jahrzehnten hier leben, wird dagegen nicht geglaubt“, kritisiert der Warmbronner. Man werde weiterhin versuchen, das einzigartige Gebiet zu schützen.

Der Landwirt will sich zu der Sache nicht weiter äußern. „Für mich ist das geklärt. Ich hätte mir aber gewünscht, man wäre direkt auf mich zugekommen. Manchmal kann ein Gespräch am Feldrand vieles klären“, sagt Martin Gommel. Bei vielen Bewohnern auch des dörflich geprägten Teilortes sei über die Jahre viel Wissen verloren gegangen. „Früher hatte jeder jemanden in der Familie, der eine Landwirtschaft hatte, bei der dann alle mitgeholfen haben. Heute sehen die Menschen einen großen Mähdrescher und kriegen Angst.“