Gaming-PCs und Spielkonsolen brauchen meist mehr Strom als ein Kühlschrank. Und immer mehr Menschen zocken. Wie wirkt sich das auf die Umweltbilanz aus?

Psychologie/Partnerschaft: Florian Gann (fga)

Kurz nachdem die Playstation 5 Ende 2020 herauskam, löste sie viel Kritik aus. Die amerikanische Behörde für Umweltschutz, NRDC, stellte fest: Die Spielkonsole, hierzulande im Vorjahr etwa 12,5 Millionen Mal verkauft, ist ein Stromfresser. 160 bis 200 Watt braucht die Konsole beim Zocken, da ist der Bildschirm nicht eingerechnet. Games-PCs brauchen noch mehr – 350 Watt etwa, hochgezüchtete Teile 500 Watt. Zum Vergleich: Ein Kühlschrank braucht 80 bis 180 Watt, eine Spülmaschine 850 bis 1100 Watt und ein Fernseher 100 Watt.

Immer mehr Menschen zocken in Deutschland. Die Hälfte der Menschen ab 16 Jahren tun es, in der Altersgruppe der Zehn- bis 18-Jährigen sind es 89 Prozent. 2,5 Stunden spielen die Jungen und Mädchen der Altersgruppe täglich, ergeben Zahlen des Branchenverbands Bitkom. Wo viel gespielt wird, wird viel Strom verbraucht. Aber wie viel? Und sind die Ausmaße problematisch?

So viel Strom wie zwei Millionen Haushalte

Offizielle Zahlen zum Stromverbrauch gibt es nicht. Selbst in der Wissenschaft sind Zahlen zu dem Thema rar. Aber zumindest stark vereinfacht lässt sich der Stromverbrauch berechnen: Nimmt man die bis zu 220 Watt Stromverbrauch einer Konsole samt Bildschirm und die laut Umfragen 34,3 Millionen Zocker in Deutschland, die durchschnittlich 45 Minuten am Tag spielen, kommt man auf einen Stromverbrauch von knapp 2,1 Milliarden Kilowattstunden (kWh) jährlich. Das ist etwa so viel, wie zwei Millionen Zweipersonenhaushalte insgesamt im Jahr brauchen. Allerdings berücksichtigt das nur den Stromverbrauch der Endgeräte daheim im Wohnzimmer.

Vergleicht man das mit dem Stromverbrauch des Internets, klingt es nicht allzu viel. Die gesamte Netzinfrastruktur verbraucht in Deutschland etwa 55 Milliarden kWh, 80 Prozent davon wiederum gehen auf das Konto von Streamingangeboten wie Netflix, Spotify, verschiedene Mediatheken oder Youtube. Weltweit ist das Internet zudem für 1,8 bis 2,8 Prozent der Treibhausgasemissionen verantwortlich, ergeben Zahlen von Forschern der Universität Lancaster. Allerdings werden auch Spiele zunehmend gestreamt – das heißt dann Cloud-Gaming.

Der Stromverbrauch findet anderswo statt

Die großen Spielekonzerne wie Sony, Microsoft und Google haben mittlerweile entsprechende Angebote. Cloud-Gaming läuft teils über die jeweiligen Konsolen. Googles Dienst Stadia läuft aber etwa auf PCs oder auch dem Smartphone. Das funktioniert, weil beim Cloud-Gaming die oft aufwendigen Grafikberechnungen des Spiels extern auf einem Server laufen – aber das verursacht großen Stromverbrauch.

In einer Untersuchung des Lawrence Berkeley National Laboratory von 2018 schätzten die Wissenschaftler, dass Cloud-Gaming mit einem Gerät, dass vor Ort nur zehn Watt benötigt, einen Stromverbrauch von zusätzlichen 520 Watt verursachen kann. Aber in der Branche scheint sich immerhin ein Bewusstsein für den Klimaschutz zu etablieren. 2019 gründete sich etwa die Playing for the Planet Alliance, deren Mitglieder sich zur Emissionsreduktion verpflichten. Dazu haben einige Hersteller von Grafikkarten ihre Chips weniger stromhungrig gemacht.