Kühlschränke sind mit die größten Stromfresser im Haushalt. Neue Geräte verbrauchen in der Regel weniger Strom. Doch wann lohnt sich der Austausch des alten Kühlschranks?

Wirtschaft: Imelda Flaig (imf)

Kühlschränke sowie Kühl- und Gefrierkombinationen sind neben der Heizung große Stromfresser. Sie laufen das ganze Jahr durch und verbrauchen je nach Gerät etwa zehn bis 20 Prozent des Haushaltsstroms. Doch lohnt es sich in Zeiten steigender Energiepreise, einen alten Kühlschrank wegen der Stromkosten gegen einen neuen auszutauschen?

Um das herauszufinden, sollte erst einmal der Stromverbrauch des Kühlschranks berechnet werden, rät die Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. Mithilfe eines Strommessgeräts, das zwischen Gerät und Steckdose geschaltet wird, solle der Stromverbrauch sieben Tage lang gemessen und dann aufs Jahr hochgerechnet werden. Die Daten des Altgeräts lassen sich dann mit denen von neuen, energiesparenden Kühlschränken vergleichen. Wer kein eigenes Strommessgerät hat, kann dies im Übrigen bei der Verbraucherzentrale ausleihen, auch verleihen teils Stadtwerke oder Energieagenturen solche Messgeräte.

Stromkosten vergleichen

Um herauszufinden, wie viel mehr der alte Kühlschrank im Betrieb kostet, wird die Differenz zwischen den Stromverbräuchen mit dem Strompreis – zum Beispiel 40 Cent pro Kilowattstunde (kWh) – malgenommen. Gut 40 Cent pro Kilowattstunde beträgt derzeit der durchschnittliche Strompreis in Baden-Württemberg in der Grundversorgung. Damit liegen die jährlichen Stromkosten für einen Drei-Personen-Haushalt mit einem einem Jahresverbrauch von 3500 kWh bei mehr als 1400 Euro.

Wie viel Geld sich beim Austausch eines Altgeräts sparen lässt, variiert von Gerät zu Gerät. Dirk Lorenz, Projektleiter der Stiftung Warentest, lässt sich auf keine Zahlenspiele ein, nennt lieber eine Faustregel: „Wenn Geräte älter als zehn Jahre sind, kann man rein vom Stromverbrauch über eine Anschaffung eines neuen Geräts nachdenken“, sagt er.

Isolierung verliert an Wirkung bei alten Geräten

Zum einen seien alte Geräte weniger energieeffizient, zum anderen verliere die Isolierung des Kühlschranks aufgrund der Alterung des Dämmmaterials über die Jahre an Wirkung. Auch undichte Türen oder verstaubte Kühlgitter können bei älteren Geräten zu einem höheren Stromverbrauch führen.

Das Freiburger Beratungsunternehmen Ö-Quadrat hat im Auftrag der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen eine Studie zur Stromeffizienz alter und neuer Kühl- und Gefriergeräte erstellt. Insgesamt wurden 1069 Geräte untersucht, darunter 882 Standgeräte und 185 Einbaugeräte. Das Ergebnis: Quer über die Gerätetypen ist der Stromverbrauch von Kühlschränken seit Anfang der 90er Jahre kontinuierlich gesunken.

Rechnen, wann sich das neue Gerät bezahlt macht

So verbrauchte etwa ein Kühlschrank mit Gefrierfach vor rund 30 Jahren gut 410 kWh pro Jahr. Der durchschnittliche Verbrauch eines Neugeräts liegt mit knapp 170 kWh bei nur noch etwa 40 Prozent. Der Stromverbrauch von Kühlschränken ohne Gefrierfach ist von gut 350 kWh pro Jahr in den letzten 30 Jahren auf rund 116 kWh gesunken und beträgt damit nur noch knapp ein Drittel. Die Jahresstromverbräuche wurden dabei auf ein Nettonutzvolumen von 200 Liter normiert.

„Man sollte ein altes Gerät aber nicht blindlings rausschmeißen“, sagt Lorenz. Wirtschaftlich sei das oft nur, wenn der alte Kühlschrank ein Stromfresser und das neue Gerät sparsam und relativ preiswert sei. Eine Orientierung beim Kauf eines neuen Kühlschranks bietet auch das Energielabel mit seinen Energieeffizienzklassen, das sich von seinem Vorgänger unterscheidet. Die Energieeffizienzklassen reichen von A (effizienteste Geräte) bis G (weniger effiziente Modelle), die bisherigen Plus-Klassen sind weggefallen.

Je größer das Gerät, desto höher der Stromverbrauch

Um abzuschätzen, wann sich der Kauf eines neuen Kühlschranks bezahlt macht, muss der Anschaffungspreis durch die zuvor berechnete jährliche Ersparnis geteilt werden. Dann zeigt sich, nach wie viel Jahren sich die Anschaffung rechnet.

Wichtigster Tipp von Experte Lorenz: Verbraucher sollten sich genau überlegen, welche Größe sie brauchen. Je größer der Kühlschrank, desto höher sei der Stromverbrauch. „Das Gerät muss zu dem passen, was ich brauche“, sagt Lorenz und warnt davor, zu große Kühlschränke zu kaufen.

100 Liter mehr Volumen erhöhen den Verbrauch laut Verbraucherzentrale um 20 Prozent. Für Single- oder Zwei-Personen-Haushalte reichten in der Regel 100 bis 150 Liter Nutzinhalt. Leben mehr Personen im Haushalt, könne man mit 50 Litern pro Person rechnen. Unabhängig vom Kauf eines Kühlschranks lassen sich mit einigen Tricks Strom und Geld sparen.

Stromverbrauch hängt auch von der Temperatur ab

Der Stromverbrauch hängt auch von der Temperatur im Kühlschrank ab. Plus sieben Grad Celsius im oberen Fach reichen laut Verbraucherzentrale vollkommen aus. Wer die Temperatur um nur ein Grad niedriger stellt, steigert den Stromverbrauch bereits um sechs Prozent. Im Gefrierschrank gilt eine Temperatur von minus 18 Grad als ausreichend.

Auch die Außentemperatur und damit der Standort spielen eine Rolle. Das Gerät sollte eher an einem kühlen Platz stehen, dann ist auch der Stromverbrauch geringer als etwa neben dem Herd oder Backofen.

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Noch ein Tipp der Experten: Je kühler die Lebensmittel in den Kühlschrank kommen, desto weniger Energie braucht das Gerät. Deshalb sollten warme Speisen erst abkühlen, bevor man sie reinstellt. Der Kühlschrank verbraucht auch umso weniger Energie, je voller er befüllt ist. Wird die Tür eines vollen Kühlschranks geöffnet, geht weniger Energie verloren als bei einem leeren. Es findet nämlich kein großer Temperaturausgleich statt, da die bereits gelagerten Lebensmittel einen großen Luftaustausch verhindern.

Strom sparen im Haushalt

Elektro-Großgeräte
In jedem der 40 Millionen Haushalte in Deutschland stehen durchschnittlich vier Elektro-Großgeräte, die zusammen für rund ein Drittel des privaten Stromverbrauchs verantwortlich sind – das reicht vom Kühlschrank bis zur Waschmaschine. Meist lässt sich Strom sparen. Beispiel: Geschirrspüler. Dort hilft es, das Eco-Programm oder niedrige Temperaturen zwischen 45 und 55 Grad zu nutzen. Die Programme dauern zwar länger, sparen aber Energie und Wasser.

Kochen und Backen
Wasser im Wasserkocher erhitzen verbraucht weniger Strom als das Erwärmen im Topf, heißt es bei der Verbraucherzentrale. Kochen und Braten immer nur mit Deckel. Backen mit Umluft verbraucht etwa 15 Prozent weniger Energie als mit Ober- und Unterhitze.

Stand-by-Modus
Laut Vergleichsportal Check 24 verschwenden deutsche Privathaushalte pro Jahr etwa 10,5 Milliarden Kilowattstunden Strom, um ihre Elektrogeräte im Stand-by-Modus zu betreiben. Dadurch entstünden Kosten von rund 4,4 Milliarden Euro. Manuell schaltbare Mehrfachsteckdosen oder automatische Steckdosenleisten seien hilfreich. Nur wer Elektrogeräte vom Netz trenne und so den Stand-by-Modus deaktiviere, spare nicht nur Geld, sondern reduziere auch CO2-Emissionen.

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