Strukturelle Reform in Korntal-Münchingen Verwaltung wird neu geordnet

Von Franziska Meißner 

Der Gemeinderat beschließt mit knappem Votum eine strukturelle Reform der Verwaltung. Künftig untersteht der technische Bereich nicht mehr dem Beigeordneten, sondern direkt dem Bürgermeister – was nicht alle Räte gutheißen.

Ende 2017 wird sich in der Verwaltung der Stadt einiges ändern. Foto: factum/Granville
Ende 2017 wird sich in der Verwaltung der Stadt einiges ändern. Foto: factum/Granville

Korntal-Münchingen - Die Korntal-Münchinger Verwaltung steht vor einer grundlegenden Umstrukturierung. Einem entsprechenden Vorstoß der Verwaltung gab der Gemeinderat am Dienstag mit knapper Mehrheit grünes Licht. Zu den Neuerungen zählt insbesondere ein Neuzuschnitt des Geschäftskreises des Beigeordneten, zudem werden Aufgabenbereiche gebündelt. Viele Räte indes äußerten Kritik.

Vor einem Jahr hat die Verwaltung begonnen, intern zu untersuchen, welche strukturellen Veränderungen möglich sind. Damit soll die Verwaltung optimiert werden, auch angesichts der Herausforderung, ein Mehr an Aufgaben mit möglichst gleichbleibendem Personal zu bewältigen. Während die fünf Fachbereiche – Steuerung und Service, Kinder, Jugend und Soziales, Finanzen, Stadtentwicklung und Bauen – erhalten bleiben, werden die Sachbereiche Kinderbetreuung und Schule sowie das bisher aufgeteilte Gebäudemanagement zusammengefasst. Der Grundstücksverkehr und die Wirtschaftsförderung sollen fusioniert werden.

Die Verwaltung setzt andere Prioritäten

Kritik entzündete sich weniger daran, als vielmehr am veränderten Aufgabenfeld des Beigeordneten. Dieser ist künftig kein Technischer Beigeordneter mehr, sondern wird einen Verwaltungshintergrund haben und gleichzeitig Fachbereichsleiter sein. Der jetzige Technische Beigeordnete, Ralf Uwe Johann, zog aus der Diskussion seine Konsequenzen und erklärte, zum Ablauf seiner Amtszeit 2017 nicht erneut anzutreten (siehe unten stehender Bericht).

Die Bereiche Stadtentwicklung und Planen unterstehen künftig direkt dem Bürgermeister, der Rest verbleibt beim Beigeordneten. Damit setzt die Verwaltung andere Prioritäten. Von einem „neuen Verständnis von Stadtentwicklung“ sprach Wolf, diese sei eine „hochpolitische Aufgabe“. Diese Bereiche, so Wolf auf Nachfrage, seien „zentrale Elemente der Steuerung“. Ohnehin schalte er sich dort häufig ein. Für Wolf ist es nur folgerichtig, diese Bereiche auch offiziell zu verantworten.

„Ein kommunalpolitisches Eigentor“

Während die CDU trotz Bedenken mehrheitlich für die Reform war – weil Veränderungen, wie es der Fraktionsvorsitzende Martin Hönes ausdrückte, angesichts der veränderten Anforderungen nötig seien –, und auch die FDP für die Neuerungen votierte, übte der SPD-Fraktionschef Egon Beck deutliche Kritik. „Es besteht kein drängender Reformbedarf“, so Beck, die bisherige Trennung habe gut funktioniert und das System „keine grundsätzlichen Mängel“. Die Änderung, warnte Beck, sei ein „schwerer Fehler, ein kommunalpolitisches Eigentor“. Beck kritisierte, strukturelle Veränderungen aufgrund von persönlichen Vorlieben des Bürgermeisters dürfe es nicht geben: „Nichts das Amt kommt zum Mann, sondern umgekehrt“. Im technischen Bereiche brauche man „dringend Profis“. Hier sei nicht nur Interesse, sondern vor allem Kompetenz gefragt. Harald Wagner (Grüne) äußerte sich ähnlich. Die Befürchtung, es mangele künftig an Knowhow im oberen Führungsbereich der Verwaltung, teilt der Bürgermeister Joachim Wolf nur bedingt: „Ich werde auf die Kompetenz der Fachbereichsleiter zurückgreifen.“ Das neue Konzept sei „vielfach bewährt“, etwa in Gerlingen. Die Abstimmung zur Änderung der Geschäftskreisabgrenzung des Beigeordneten verlief schließlich denkbar knapp: Bei einer Enthaltung stimmten elf Räte dafür und neun dagegen.




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