Studentendorf in Göppingen Möbel aus Wohnheim landen im Container

Zerborstene Schränke liegen auf dem Rasen vor einem der Gebäude im Studentendorf in Göppingen. Foto: privat

Ein Student aus Göppingen wirft dem Studierendenwerk die Verschwendung von Schränken, Tischen und anderem Inventar vor. Das Werk verteidigt die Entsorgung mit der kurzfristigen Kündigung durch einen Vermieter.

Marco Weber wohnt seit drei Jahren im Studentendorf im Göppinger Stadtteil Bodenfeld. Dort lebten bisher etwa 155 Studierende in schön renovierten und gut ausgestatteten Wohngemeinschaften in vier Gebäuden in der Karl-Schurz-Straße und in der Hauffstraße. Doch was der 25-jährige Göppinger Student mitansehen musste, ärgert ihn maßlos. Denn aus einem der Gebäude in der Karl-Schurz-Straße mit 30 Zimmern und fünf Küchen, die seit März leer standen, warfen Arbeiter einer Entsorgungsfirma das Inventar ohne Vorankündigung in Container. Auch die mit Granitplatten ausgestatteten und gut erhaltenen Küchen seien zerstört worden und wanderten ebenfalls in den Müll.

 

Manch ein Student hätte möglicherweise Interesse an Möbeln gehabt

Marco Weber sieht darin „ein bedenkliches und verschwenderisches Vorgehen des Studierendenwerks“. Jedes Zimmer sei mit einem massivem Bettgestell, Schreibtisch, Kleiderschrank, Regal und Stühlen ausgestattet gewesen. Nach seiner Beobachtung sei das Inventar „in einwandfreiem Zustand und massiv gebaut gewesen“, meint der Student, der derzeit auf seinen Abschluss zusteuert und dann wegzieht. „Es hätte doch das Mindeste sein müssen, dass das Studierendenwerk den Bewohnern des Studentendorfs die Möglichkeit anbietet, die Möbel für den Eigenbedarf mitzunehmen“, findet er. „Schließlich wohnen wir hier alle nur vorübergehend und viele wären für Möbel für die zukünftige Wohnung super dankbar.“

Ein weiterer Aspekt stört Weber. Stichwort Nachhaltigkeit. Das Studierendenwerk fahre eine Kampagne zur Energieeinsparung, bei der mit dem Slogan „aus Liebe zum Klima“ geworben wird. Da scheine ihm „dieses Verhalten der Ressourcenverschwendung sehr widersprüchlich.“

Die Gebäude des Studentendorfs gehören der kommunalen Wohnbau-Gesellschaft Göppingen (WGG), sind aber an das Studierendenwerk Stuttgart vermietet. Für drei der vier Gebäude mit 125 Zimmern wurde der Mietvertrag jetzt bis 2027 verlängert, erklärt Anita Bauer, Pressesprecherin des Studierendenwerks. Das fragliche Gebäude in der Karl-Schurz-Straße wurde auf März gekündigt. Grund sei, dass sich die Nachfrage nach Wohnplätzen im Studentendorf in Göppingen verringert habe.

Eigentümer hat sich gegen eine Übernahme des Mobiliars entschieden

Wohnbau-Geschäftsführer Thomas Felgenhauer meint: „Was mit dem Mobiliar passiert, entzieht sich unserer Kenntnis. Wie üblich, nimmt der Mieter, hier das Studierendenwerk, vertragsgemäß sämtliche Möbel bei Vertragsende mit – so wie es auch bei Wohnraummietverträgen üblich ist.“ Hingegen meint die Sprecherin des Studierendenwerks: „Ursprünglich gab es die Überlegung seitens Wohnbau Göppingen, dass sie das Mobiliar mit übernehmen. Wir selbst haben es 2006 vom Studierendenwerk Tübingen-Hohenheim übernommen, das die Wohnanlage zuvor betrieben hat. Aufgrund des geplanten Umbaus hat sich der Eigentümer letztendlich gegen eine Übernahme entschieden, weshalb wir die 30 Zimmer vertragsgemäß räumen mussten.“

Und warum wurde keine andere Verwendung für das Inventar erwogen? Die Sprecherin des Studierendenwerks Stuttgart, Anita Bauer, erklärt: „Regulär bieten wir nutzbares Mobiliar kostenfrei Unternehmen an, die dieses dann zur Weiternutzung abholen. Aufgrund der Kurzfristigkeit ließ sich hier aber kein Interessent mehr finden. Wir selbst haben leider keine Kapazitäten, die Möbel bei uns einzulagern.“ Und so wanderte das Innenleben des Wohnheims eben in den Container.

Studierendenwerk braucht weniger Wohnungen

Besitzer
 Eigentümer der vier Gebäude, die das Studentendorf im Südosten der Stadt bilden, ist die Wohnbau Göppingen (WGG). Deren Chef Thomas Felgenhauer bestätigt: „An das Studierendenwerk waren vier Objekte im Bodenfeld vermietet. Für drei Objekte in der Hauffstraße wurden die Mietverträge mit knapp 130 Plätzen verlängert. Für ein Objekt ist der Vertrag auf Wunsch des Studierendenwerks ausgelaufen.“

Nachnutzung
 Das nunmehr freie Gebäude in der Karl-Schurz-Straße werde die Wohnbau Göppingen zu einem Wohngebäude mit Zwei- bis Fünf-Zimmer-Wohnungen inklusive Balkon umbauen, sagt Thomas Felgenhauer. Die Planungen dafür laufen bereits. Nach der Sommerpause soll das Gesuch für den Umbau eingereicht werden.

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