Studieren in Stuttgart Einheimische trifft auf Neigschmeckte

Von Alexandra Lindner 

Die eine ist aus dem Ruhrgebiet fürs Studium nach Stuttgart hergezogen, die andere ist in der Landeshauptstadt aufgewachsen: Zwei Journalismus-Studentinnen erzählen, was sie an Stuttgart mögen.

Lydia Bautze (links) kommt aus Stuttgart, Natalie Diedrichs aus dem Ruhrgebiet. Beide studieren in Stuttgart Journalismus. Foto: privat
Lydia Bautze (links) kommt aus Stuttgart, Natalie Diedrichs aus dem Ruhrgebiet. Beide studieren in Stuttgart Journalismus. Foto: privat

Stuttgart - Rund 65.000 Menschen studieren in Stuttgart und Umgebung. Zwei davon sind die 22-jährige Natalie Diedrichs aus dem Ruhrgebiet und Lydia Bautze, ebenfalls 22, aus Stuttgart. Beide studieren Journalismus an der Macromedia-Hochschule für Medien und Kommunikation (MHMK) in der baden-württembergischen Landeshauptstadt. Das ist aber eigentlich die einzige Gemeinsamkeit, die die jungen Damen haben. Lydia hat bis jetzt ihr ganzes Leben in Stuttgart verbracht, Natalie hingegen ist extra für das Studium vom Ruhrgebiet an den Neckar gekommen. Inzwischen verbindet die beiden eine enge Freundschaft. Im Gespräch erzählen sie, wie sie zum Journalismus-Studium kamen und was sie an Stuttgart mögen.

„Ich bin für das Studium hierher gezogen. Ich habe vorher schon mal ein duales Studium bei Lidl angefangen. Das habe ich nach dem zweiten Semester aber abgebrochen und mich stattdessen dazu entschieden, Journalismus zu studieren“, sagt Natalie. Auch Lydias Weg zum Journalismus-Studium verlief nicht geradlinig. „Ich habe nach meinem Abitur fast ein Jahr bei einer Kosmetikfirma im Büro gearbeitet", erzählt Lydia. Das habe ihr aber überhaupt nicht gefallen. "Danach hab ich ein Praktikum bei einem Stadtmagazin gemacht, weil ich vorher eigentlich gar nicht so wirklich wusste, was ich machen will. Und das hat mir echt Spaß gemacht.“

„Bei mir war das ganz ähnlich,“ wirft Natalie ein: „Ein oder zwei Tage, nachdem ich bei Lidl gekündigt hatte, bin ich in die Dorstener Zeitungsredaktion gestolpert und habe gefragt, ob ich ein Praktikum machen darf", erinnert sich Natalie. Ohne vorherige Erfahrung habe sie relativ spontan ein sechswöchiges Praktikum anfangen können. "Im Anschluss daran wurde ich dort als freie Mittarbeiterin übernommen und habe noch bis Ende April 2013 bei der Dorstener Zeitung gearbeitet.“

Stuttgart: ein Ort zum Wohlfühlen?

Stuttgart ist vom Ruhrgebiet aus betrachtet nicht unbedingt die nächste Stadt, in die man zum Studieren geht. Und doch hat die quirlige Blondine Natalie ihre Heimat verlassen, um nach Baden-Württemberg zu kommen: „Am Anfang war das schon schwer. Zu Hause ist einfach der Familienbezug da. Aber ich habe mich relativ schnell in Stuttgart eingelebt", sagt Natalie. Stuttgart gefalle ihr auch besser als Mannheim, wo sie vorher studiert hat. Von der kulturellen Umgebung und vom Freundeskreis her habe sie sich in Stuttgart schnell wohlgefühlt. "Obwohl es so weit weg ist von zu Hause.“

Lydia hingegen ist im Ländle aufgewachsen und auch fürs Studium ist sie hier geblieben. Sie mag Stuttgart, weil sie hier groß geworden ist und sich dadurch gut auskennt in der Landeshauptstadt. "Und ich finde, Stuttgart ist eine Stadt, in der es sich lohnt zu bleiben, weil sie stark im Kommen ist." Der eigentliche Grund, warum sie in Stuttgart geblieben ist, sei aber eher praktischer Natur. "Studieren ist oft sehr teuer. Eigentlich wollte ich ja auf die Journalistenschule in Leipzig. Dann hat es sich aber angeboten, dass ich in Stuttgart studiere und zu Hause wohnen bleiben kann.“

Der Geheimtipp unter den Studentenstädten

Stuttgart landet nicht unbedingt unter den Top 5 der beliebtesten Studentenstädte. Ein fataler Fehler wie Lydia findet: „Stuttgart als Studienstadt an sich ist schon sehr geil!" Es sei zwar kein Dorf, aber im Vergleich zu Hamburg und Berlin nicht so groß. Dadurch habe man eher die Möglichkeit, Leute kennenzulernen. "Es ist einfach alles ein bisschen gemütlicher, ein bisschen kleiner und auch ein bisschen ländlicher", sagt Lydia.

Natalie sieht das ähnlich wie Lydia. "Stuttgart ist generell schon ein sehr schönes Städtchen. Man fühlt sich hier wohl. Es ist einfach nicht alles total verrußt oder dreckig." Für junge Menschen sei Stuttgart unter anderem auch wegen der guten Einkaufs- und Ausgehmöglichkeiten attraktiv. "Aber wenn einen dieses Großstadtflair zu sehr stresst, dann gibt es hier wirklich jede Menge Möglichkeiten, sich aufs Ländlichere zurückzuziehen", findet sie.