Volle Konzentration am Tablet: Johannes Weiland arbeitete als Co-Regisseur federführend am „Grundgesetz der Tiere“ mit. Foto: Werner Kuhnle
Studio Soi aus Ludwigsburg hat die neuen Folgen des Kobolds oder „Das Grundgesetz der Tiere“ vom ZDF Magazin Royale animiert. Es sind die neuen Vorzeigeprojekte des Animationsstandortes Ludwigsburg.
Theodor Heuss steht am Rednerpult im Bonner Museum Alexander König. Er gibt die Losung vor, die die Arbeit des Parlamentarischen Rats in den kommenden Monaten bestimmen wird: „Es muss eine neue Gesetzesgrundlage für unser Vaterländle her“, schwäbelt der spätere Bundespräsident mit tiefen Augenringen und spitzem Haar. Ob dieser Satz wirklich so gefallen ist, lässt sich kaum rekonstruieren, die Szenerie aber gab es zweifelsohne.
Der Parlamentarische Rat, dem Heuss angehörte, hat 1948 und 1949 in Bonn unser Grundgesetz erarbeitet. Im „Grundgesetz der Tiere“ haben Jan Böhmermann und sein „ZDF Magazin Royale“ die Geschichte aufgenommen und in einer eigenen Version erzählt. Und zwar nicht mithilfe historischer Bilder oder Schauspielerei, sondern als Animationsfilm. Umgesetzt hat die Idee Studio Soi aus Ludwigsburg.
„Zu Theodor Heuss habe ich bei diesem Projekt einen besonderen Bezug“, sagt Johannes Weiland, der von Seiten des Studios federführend beteiligt war. Zwar hat er die Figuren nicht selbst designt, sie stammen von ZDF-Magazin-Autor Miguel Robitzky. Um alles weitere in Sachen Darstellung kümmerten sich dann aber die Ludwigsburger – Weiland sprach für die Animationsskizzen auch Heuss Dialoge ein. „Sie haben uns zwar ihre Vorschläge geschickt, aber ihr Schwäbisch klang nach Holländisch“, sagt Weiland. In der Endfassung ist Komiker Olli Dittrich als Heuss zu hören.
Für die Ludwigsburger ist es das zweite große Projekt in kurzer Zeit, erst Ende Dezember erschienen die neuen Folgen des Pumuckl bei RTL. Studio Soi hatte hier den rothaarigen Kobold zum Leben erweckt. „Das war ein ganz anderer Arbeitsprozess, weil die Filmaufnahmen schon komplett fertig waren und wir eben den Pumuckl richtig in Szene setzen mussten“, sagt Torben Meier. Er ist einer der sieben Gründer des Studios, das 2003 direkt nach dem Studienabschluss an der Filmakademie Baden-Württemberg entstand. „Wir haben schon an der Akademie immer zusammen an Projekten gearbeitet“, erinnert sich Meier. „Für uns war es die Idealvorstellung, in einem eigenen Studio weiterzumachen.“
Foto: Studio SOI
Die Kontakte zur Filmakademie sind nie abgerissen, nicht zuletzt durch die direkte Nachbarschaft. „Die Akademie war in den 1990er-Jahren ein Aushängeschild für Animation in Deutschland“, sagt Meier. „Das hängt vielleicht auch mit dem schwäbischen Tüftlergeist zusammen.“ Oder aber mit Menschen wie Thomas Haegele, der als Leiter des Animationsinstituts immer wieder die neuesten Geräte und Softwares nach Ludwigsburg karrte. „Ihm lag das am Herzen, er hat Pionierarbeit geleistet“, sagt Weiland, der mit Meier und den anderen studiert hatte und nach einem Intermezzo in London 2004 nach Ludwigsburg zurückkehrte.
Die Ludwigsburger sind damals zur richtigen Zeit am richtigen Ort, denn um die Jahrtausendwende schaffen die Animationsfilme ihren Durchbruch in den USA. 1995 bringt Pixar mit „Toy Story“ seinen ersten animierten Langfilm ins Kino, Dreamworks zieht 1998 mit „Antz“ nach. „Wir waren an der Schwelle, haben den Umbruch mitgemacht“, sagt Torben Meier. „Ich habe vor meinem Studium Mainzelmännchen auf Folie gelegt und an der Akademie dann immer mehr am Computer gearbeitet.“
Speziell Johannes Weiland profitiert von den neuen Möglichkeiten, wie er selbst sagt. „Ich bin kein herausragender Zeichner, aber ich habe damals gemerkt, dass ich zu den Computeranimationen einen Draht habe.“ Gleich sein erstes 3D-Projekt wird 2001 für einen Studierenden-Oscar nominiert.
Heute reiht sich in Ludwigsburg Animationsstudio an Animationsstudio, immer wieder räumen Akademie oder Studios renommierte Preise ab. Auch das Studio Soi hat zwei Oscar-Nominierungen zu verzeichnen. Konkurrenzdenken gebe es untereinander aber keines. „Jeder hat seine Nische gefunden“, sagt Meier. Was die klassischen 3D-Produktionen angeht, ist Studio Soi längst von den großen Firmen überholt worden, doch genügend Aufträge trudeln weiter ein. Die Konkurrenz im direkten Umfeld helfe sogar dabei, die Leute in der Region zu halten, erklärt Torben Meier: „Was hier gerade an Talent sitzt, ist für uns der größte Segen.“