Serhou Guirassy hat wieder getroffen, den Torrekord von Mario Gomez geknackt. Zudem wird über seine Zukunft spekuliert. Viel wichtiger aber: Fehlt er gegen Bremen verletzt? Wir haben die Diagnose.

Sport: Dirk Preiß (dip)

So ganz rund lief er ja nicht, als er am Samstagabend die MHP-Arena verließ. Serhou Guirassy humpelte ein wenig – und weil er zuvor auch schon nach seiner Auswechslung mit einem Eisbeutel auf dem Oberschenkel auf der Bank gesessen hatte, durfte man sich durchaus ein wenig Sorgen um den Stürmer des VfB Stuttgart machen.

 

Doch der meinte schon am Abend, es sei nichts wirklich Problematisches. Am nächsten Morgen gab es dann die vollständige Entwarnung nach den genaueren Untersuchungen. Zwar hat Serhou Guirassy beim 3:0-Erfolg des VfB gegen Eintracht Frankfurt einen schmerzhaften Schlag auf den Oberschenkel abbekommen. Eine strukturelle Verletzung ist daraus aber nicht entstanden. So kann es also sein, dass er in den kommenden Tagen ein wenig geschont wird, einem Einsatz am Sonntag (15.30 Uhr) im Auswärtsspiel bei Werder Bremen sollte aber nichts im Wege stehen.

Für den VfB und sein Rennen um einen der Champions-League-Plätze ist das eine gute Nachricht, denn der Stürmer ist zwar längst nicht mehr der Alleinunterhalter im Stuttgarter Angriffsspiel, aber eben doch fast immer ein entscheidender Faktor. Zehnmal schon hat er das 1:0 für den VfB erzielt in dieser Saison, „und jeder weiß, wie wichtig dieses erste Tor jeweils ist“, unterstrich Sebastian Hoeneß.

Der Trainer des VfB lobte seinen Angreifer nicht nur für dessen Treffer gegen die Eintracht, der seinem Team den Weg zum Sieg ebnete, sondern auch für die gesamte Zwischenbilanz dieser Saison – die nun noch markanter ist als bisher. Denn der Treffer gegen die Frankfurter, der erst nach Videostudium (Abseits?) anerkannt worden war, ist der 25. in dieser Saison gewesen. Der Nationalspieler Guineas hält nun also allein den Torrekord in einer Bundesliga-Saison beim VfB Stuttgart.

Vor Mario Gomez, Fritz Walter und Karl Allgöwer

Karl Allgöwer (zweimal 21 Tore) hatte er schon überflügelt gehabt, ebenso Fritz Walter (22). Nun ist auch Mario Gomez (24) abgeschüttelt. Ebenfalls 25 Treffer hatte 2016/2017 zwar auch Simon Terodde erzielt – allerdings in der zweiten Liga. „Für Serhou gehen einem so langsam die Superlative aus“, sagte Hoeneß. Der 28-Jährige sei nicht nur ein „super Stürmer“, sondern auch „ein super Typ“. Und er, Hoeneß, sei „froh, dass er da ist“. Die Frage, die sich immer öfter stellt, je näher das Saisonende rückt, lautet: Wie lange noch?

Einen wirklich neuen Stand gibt es nicht zu vermelden. Aber es ist ein Hin und Her der Argumentation. Die vielen Tore machen Serhou Guirassy attraktiv für andere Clubs, auch für jene aus der oberen Schublade – und da er für unter 20 Millionen Euro zu haben ist, gilt er als das vielleicht heißeste Stürmerschnäppchen auf dem Markt. Aber: Durch seine Treffer wird auch ein Verbleib in Stuttgart für den Stürmer interessanter.

Mit dem VfB Stuttgart könnte Guirassy in der kommenden Saison als Stürmer Nummer eins in der Königsklasse spielen – die Europa League ist jetzt schon sicher. „Wenn wir denn die Champions League erreichen, vielleicht überlegt er dann noch einmal“, sagte der Stuttgarter Sportdirektor Fabian Wohlgemuth – und wies darauf hin, dass Guirassy in der jüngeren Vergangenheit sich schon zweimal für den VfB und gegen einen Wechsel entschieden hat.

Argumente für einen Verbleib sieht übrigens auch der Kapitän. „Wir sind eine unglaubliche Mannschaft und haben einen unglaublichen Teamspirit“, sagte Waldemar Anton, „das hinter sich zu lassen ist nicht so einfach.“ Deshalb sei er überzeugt, „dass jeder bleiben möchte“. Womöglich auch der Superstürmer.