Wie sollen die Gleise vom Tiefbahnhof hoch auf die Filder geführt werden? Die Bahn weist die Kritik der Landesregierung an ihrer Planung entschieden zurück und wirft dem Staatsministerium vor, das Planungsverfahren beeinflussen zu wollen.

Stuttgart - Nach den öffentlichen Äußerungen des Staatsministeriums und des Verkehrsministers Winfried Hermann (Grüne), dass die ursprünglich vorgesehene Trasse der Bahn auf den Fildern womöglich überhaupt nicht genehmigungsfähig sei, wehrt sich die Bauherrin nun energisch gegen diese Einschätzung. Der Zweifel an der Genehmigungsfähigkeit der Trasse sei der erneute Versuch der grünen Mitglieder der Landesregierung, sich über die vom Gesetzgeber vorgesehenen Verfahren zu stellen und öffentlich zu versuchen, die Verfahren in ihrem Sinne zu beeinflussen, so der Stuttgart-21-Sprecher Wolfgang Dietrich. „Der Vorgang ist ungeheuerlich.“

Zum Abschluss der zweitägigen Gespräche des Bahn-Vorstands Volker Kefer mit Vertretern der Projektpartner Anfang vergangener Woche über die Mehrkosten auf den Fildern hatte unter anderem Regierungssprecher Rudi Hoogvliet erklärt, dass es eine „Reihe von Fragen gebe, die besprochen werden müssten“. So müsse geklärt werden, ob die Trasse der Bahn überhaupt genehmigungsfähig sei. „Es gibt Zweifel, dass das der Fall ist.“ Zudem müsse die Bahn eine saubere Kostenkalkulation für ihre Trasse und die verbesserte Variante vorlegen, so Hoogvliet. Es gebe „erhebliche Zweifel“ an der von der Bahn ausgerechneten Kostendifferenz. Zu diesem Ergebnis sind nach einer Überprüfung der Finanzierung zudem auch die Grünen im Regionalparlament gekommen: Sie halten den Abschnitt für überfinanziert (wir berichteten).

Bahn will ihre Trasse verfolgen

In den Gesprächen zwischen Teilen der Landesregierung und der Bahn war es unter anderem um die veranschlagten Mehrkosten von 224 Millionen Euro für den verbesserten Filderbahnhof gegangen. Die Bahn besteht auf einer gesonderten Finanzierungsvereinbarung für die Alternativlösung und fordert die Übernahme der Mehrkosten durch die Projektpartner.

Weitere Gespräche sollen in Kürze in gleicher Runde folgen. Welche Trasse nun auf den Fildern zur Anbindung des Flughafens gebaut wird und wer die Kosten für die Plus-Variante gegebenenfalls übernimmt, soll spätestens bei der nächsten Lenkungskreissitzung der Projektpartner nach Ostern entschieden werden. Der Termin steht noch nicht fest.

Warum die Bahn die Antragstrasse gut findet

Bis dahin will die Bahn ihre Antragstrasse weiter verfolgen, auch, um im bereits mehrfach korrigierten Zeitplan zu bleiben, so Kefers Botschaft vor seiner Abreise. Offenbar hält die Bahn ihre Antragstrasse „nach Abwägung aller Umstände“ aber ohnehin für die beste Variante.

„Sie ist kein Murks, wie in der Vergangenheit durch Verkehrsminister Hermann behauptet“, so Dietrich. Vielmehr erfülle sie das verkehrliche Gesamtkonzept in vollem Umfang. „Für alle, die darauf spekulieren, dass die Bahn nach dem Planfeststellungsverfahren auf eine andere Variante umschwenken muss, wird der Schuss nach hinten losgehen“, glaubt der Projektsprecher.

Alternative belastet die Anwohner

Zwar seien mit der Variante Flughafenstraße, unter der bei dieser Alternative der neue Filderbahnhof liegen würde, zusätzliche verkehrliche Möglichkeiten für die Zukunft verbunden; unter anderem wird der Fern- und Regionalverkehr in einem eigenen Bahnhof abgewickelt, womit die Doppelnutzung der S-Bahn-Station entfallen würde.

Bei anderen Beurteilungskriterien hingegen würde diese Variante gegenüber der Antragstrasse aber klare Nachteile aufweisen, so Dietrich. Sie sei etwa durch die größere Schleife mit stärkeren Eingriffen in fremdes Eigentum und die Landwirtschaft auf den Fildern, jahrelangen Störungen des Zugverkehrs zum Flughafen sowie deutlich höheren Kosten verbunden. Bahnintern ist zu hören, dass die Experten daher ohnehin davon ausgehen, dass das Eisenbahnbundesamt nach Beurteilung aller Kriterien der Antragstrasse den Vorzug geben wird. „Wir sind überzeugt, dass die Antragstrasse gegenüber der Alternative vorzugswürdig ist“, sagt ein Bahn-Experte, der mit dem Planungsverfahren beschäftigt ist.

Die Landesregierung sei dagegen bis heute nicht willens oder in der Lage, sich eine abschließende Meinung zum verkehrlichen Nutzen der Variante plus zu bilden und verweigere damit letztlich eine sachliche Diskussion, betont Dietrich. „Das bestätigt die Richtigkeit der Entscheidung, weiter an der Antragstrasse festzuhalten.“

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