Stuttgart 21 "Das Aus wäre wirklich schlimm"

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Steigt die neue Landesregierung aus dem Projekt Stuttgart 21 aus? Aus Sicht der Wirtschaft wäre das ein fatales Zukunftssignal.

IHK-Präsident Herbert Müller steht zu Stuttgart 21. Foto: Steinert
IHK-Präsident Herbert Müller steht zu Stuttgart 21. Foto: Steinert

Stuttgart - Ein mögliches Ende von Stuttgart 21- daran will Herbert Müller gar nicht denken. "Das wäre wirklich schlimm", sagt der Präsident der Industrie- und Handelskammer (IHK) Region Stuttgart. "Für die Region ist das Projekt absolut wichtig."

Angesichts der Ablehnung, die die Partei des künftigen Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann gegen das Projekt hegt, setzt Müller darauf, dass der von Heiner Geißler geführte Schlichtungsprozess mit dem Stresstest fortgesetzt wird. Wenn sich daraus zusätzliche Kosten ergeben, gilt für den IHK-Präsidenten: "Wenn man die finanzieren kann, muss man das Projekt durchziehen."

Herbert Müller geht davon aus, "dass die Bahn keinen Rückzieher macht". Allerdings ist sich der IHK-Präsident einer Gefahr bewusst: "Was passiert, wenn die Nachbesserungen, die sich aus dem Stresstest ergeben, die Projektkosten über die Sollbruchstelle hinaustreiben?" Dann würde die Bahn beim Land anklopfen und um einen weiteren finanziellen Beitrag bitten, von der neuen Regierung aber abgewiesen werden, weiß Müller.

Mit dem Aus würde das Land "eine riesige Chance verpassen"

Da erinnert sich der IHK-Präsident doch lieber an ein Treffen mit dem Grünen-Spitzenkandidaten im kleinen Kreis vor der Wahl. "Winfried Kretschmann will eine starke und erfolgreiche Wirtschaft", erzählt Müller von der Unterredung. In dieser habe Kretschmann aber auch deutlich gemacht, dass die Unternehmen unter einer grün-roten Regierung mit einem "ökologischen Ordnungsrahmen" zu rechnen hätten. Müller: "Darüber wird man sprechen müssen, damit die Belastungen nicht zu hoch werden."

Und der IHK-Präsident fordert, dass auch in Zukunft Geld in den Straßenbau fließen müsste. In der laufenden Debatte über die Zukunft der Atomenergie sei für die Kammer wichtig, dass dem Thema Versorgungssicherheit das gebührende Gewicht gegeben wird.

Claus Munkwitz, der Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer (HWK) Region Stuttgart, ist ebenfalls vor allem wegen der Debatte um Stuttgart 21 in Sorge. "Die wirtschaftliche Dynamik ist immer in den Räumen am stärksten gewesen, die verkehrsmäßig gut erschlossen waren", sagt Munkwitz. Mit dem Aus von Stuttgart 21 würde Baden-Württemberg nicht nur "eine riesige Chance verpassen", warnt der HWK-Hauptgeschäftsführer: "Der Verlust von Verlässlichkeit wäre gefährlich." Davon abgesehen sieht er "viele Berührungspunkte" zwischen dem Handwerk und der künftigen Regierung unter Winfried Kretschmann, insbesondere bei der Bildung und bei der Förderung von regenerativer Energie, von der auch das Handwerk profitiere.

Bei der Flughafen-GmbH hofft man, dass Stuttgart 21 mit der geplanten Anbindung des Airports an das Schnell- und an das Regionalbahnnetz verwirklicht wird. "Wir halten Stuttgart 21 nach wie vor für eine gute Sache", sagt der Flughafen-Sprecher Volkmar Krämer. Geschäftsführer Georg Fundel will sich dazu nicht äußern, dafür gebe es auch nach dem Baustopp einstweilen keinen Anlass. Krämer betont, aus seiner Sicht werde Stuttgart 21 "einen Wettbewerbsvorteil für das ganze Land" bringen.