Stuttgart 21 Der Filderbohrer wartet schon auf den Einsatz

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Die badische Herrenknecht AG hat für den Fildertunnel bei Stuttgart 21 die sogenannte Schildvortriebsmaschine gebaut. Die lagert wegen der Verzögerungen derzeit im Rheinhafen bei Kehl zwischen.

Der Arbeiter links offenbart die Dimensionen der Tunnelbohrmaschine. Foto: Breithaupt
Der Arbeiter links offenbart die Dimensionen der Tunnelbohrmaschine. Foto: Breithaupt

Stuttgart/Schwanau - Ein Koloss geht auf die Reise: 120 Meter lang, 2000 Tonnen schwer. nicht am Stück, sondern zerlegt in mehrere Teile. Eine riesige Tunnelbohrmaschine (TBM), die in der Lage ist, mit einer Energie von 4200 kW (5710 PS) eine Röhre von zehneinhalb Metern Durchmesser in die Erde zu treiben. Das Gerät ist der Bohrer für den Fildertunnel. Bestellt nach dem Volksentscheid zu Stuttgart 21 musste es wegen der erst nun ergangenen Genehmigung eingelagert werden.

Maschine liegt zerlegt im Rheinhafen von Kehl

16 der 20 Kilometer Röhre des Fildertunnels soll der Bohrer ausbrechen. Entstanden ist er auf dem Werksgelände von Herrenknecht Vortriebstechnik in Schwanau (Ortenaukreis) in Südbaden. Bis die riesige Maschine zum Einsatz kommt, muss sie im Rheinhafen von Kehl, ein paar Kilometer nördlich von Schwanau, zwischengelagert werden, bevor sie über Rhein und Neckar nach Stuttgart verschifft wird. Lediglich ein Jahr Bauzeit hat das badische Maschinenbauunternehmen gebraucht um die TBM fertigzustellen.

Dass es so schnell ging, die neue Maschine zu bauen, hat auch damit zu tun, dass der Vortriebschild teilweise schon einmal in Thüringen im Einsatz war. Schnell wären sie auch ohne wiederverwertbares Material gewesen. „Wir können bis zu 15 Großmaschinen gleichzeitig montieren“, betont Gerhard Wehrmeyer (47), Bereichsleiter Traffic Tunneling bei Herrenknecht. Zwischen 30 und 40 Fachleute waren jeden Tag dabei, das Schneidrad, den Schild und den nachfolgenden Corpus für den Filderbohrer zu bauen. Die Arbeitsweise für den Einsatz ist einfach zu beschreiben: Der hintere Teil der Maschine treibt den Bohrkopf nach vorne, das Schneidrad frisst sich in den Berg, im Schutz des Schildes wird die Tunnelwand sofort mit Betonteilen, den sogenannten Tübbingen ausgekleidet und abgestützt, der Abraum wird von einer so genannten Schnecke nach hinten befördert und abtransportiert. Bis zu zehn Zentimeter kann die Maschine in der Minute vorrücken. Theoretisch. Praktisch sind es wohl eher, vier bis acht Zentimeter, man wird sehen, welche Überraschungen in Mergel, Sandstein und Gipskeuper auftreten.

Herrenknecht-TBM bohrt jüngst TGV-Tunnel durch die Vogesen

Der Weltmarktführer der Branche liefert Bohrtechnik in alle Welt. Hongkong, Rio, Tokio. Russland, Türkei, Israel – überall, wo U- oder Fernbahnen unter die Erde kommen, sind Herrenknecht-Maschinen dabei. Anfang der Woche hat eine Maschine aus Schwanau einen Tunnelrohbau unter den Vogesen fertiggestellt. Von 2016 an sollen TGV durch ihn rauschen und die Fahrzeit zwischen Stuttgart und Paris um eine halbe Stunde verkürzen.