Stuttgart 21 Die Chronik der Kostensteigerungen

Von  

Stuttgart 21 wird nochmals um bis zu einer Milliarde Euro teurer und könnte am Ende 7,6 Milliarden Euro kosten. Seit die Idee 1994 geboren wurde, sind die Kostenschätzung stets gestiegen. Ein Überblick.

Immer wieder sind die Kosten für Stuttgart 21 gestiegen. Foto: dpa
Immer wieder sind die Kosten für Stuttgart 21 gestiegen. Foto: dpa

Stuttgart - Kostensteigerungen und Terminverzögerungen begleiten Stuttgart 21 nahezu von Anfang an. Schon mehrfach mussten die Projektpartner die entsprechenden Pläne ändern. Ein Rückblick auf die Entwicklung von Kosten- und Bauzeitprognosen macht dies deutlich. Die Zusammenschau erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

1994 erblickte die Idee von Stuttgart 21 das Licht der Welt. Damals traten der damalige Bahnchef Heinz Dürr, Bundesverkehrsminister Matthias Wissmann, Ministerpräsident Erwin Teufel und OB Manfred Rommel vor die Presse und präsentierten die Vision eines Durchgangsbahnhofs in Stuttgart der im 90-Grad-Winkel zu den bestehenden Gleisanlagen liegen sollte. Knapp ein Jahr später lag eine Machbarkeitsstudie vor, die die Kosten bei 4,8 Milliarden D-Mark sah. Ab der Realisierungsentscheidung sei eine Umsetzung in 14 bis 15 Jahren denkbar, hieß es in dem Papier. In der am 7. November 1995 unterzeichneten Rahmenvereinbarung werden die Kosten mit 4,893 Milliarden D-Mark angegeben.

2007 sollte das Projekt noch 2,8 Milliarden Euro kosten

Im Juli 2007 unterzeichneten die Projektpartner ein sogenanntes Memorandum of understanding. Darin wird unter anderem festgehalten, dass der „DB aus der Realisierung des Gesamtvorhabens keine unkalkulierbaren Risiken entstehen“ dürften. Der Kostenstand wird mit 2,8 Milliarden Euro angegeben.

Auf eine Kleine Anfrage der damaligen baden-württembergischen Grünen-Bundestagabgeordneten Kerstin Andreae, Alexander Bonde und Winfried Hermann hin gibt die Bundesregierung im September 2008 die Kosten mit 2,811 Milliarden Euro an. Dies spiele den Preis- und Kostenstand des Jahres 2004 wider.

Der Finanzierungsvertrag folgte 2009

Im April 2009 unterzeichneten die Projektpartner die Finanzierungsvereinbarung für Stuttgart 21. Darin wurden Projektkosten in Höhe von 4,526 Milliarden Euro festgelegt. Bis Ende des Jahres 2009 bestand ein Kündigungsrecht für den Fall, dass sich die Kosten erhöhen würden. In der Lenkungskreissitzung im Dezember desselben Jahres wurde das Projekt auf Grundlage der sogenannten Entwurfsplanung auf 4,088 Milliarden Euro taxiert.

Im Dezember 2012 wurden die zu erwartenden Kosten von der Bahn mit rund 6,5 Milliarden Euro angegeben. Der Aufsichtsrat des Schienenkonzerns bewilligte im März 2013 trotzdem den Weiterbau verbunden mit der Maßgabe an den Vorstand der DB AG, bei den Projektpartnern eine Beteiligung an den nicht finanzierten Mehrkosten zu erreichen.

Im November 2017 ist nun bekannt geworden, dass die Bahn die Kosten bei 7,6 Milliarden Euro sieht.

Kritiker sehen das Ende der Fahnenstange noch nicht gekommen

Kritiker sehen damit das Ende der Preisentwicklung noch nicht gekommen. Das Münchner Beratungsbüro Vieregg&Rössler war im Auftrag von Stuttgart-21-Gegner im Dezember 2015 zum Schluss gekommen, dass das Projekt 9,8 Milliarden Euro kosten und frühestens im Jahr 2024 fertig werden könnte. Der Bundesrechnungshof war nach Berichten unserer Zeitung im Juli 2016 zur Einsicht gelangt, der Projekt könnte bis zu zehn Milliarden Euro kosten. Die Bahn wies damals die Darstellung zurück. „Die Deutsche Bahn unterstreicht, das Projekt Stuttgart 21 innerhalb des Finanzierungsrahmens von 6,526 Milliarden Euro zu bauen“, hieß es in einer Mitteilung vom 6. Juli 2016.