Stuttgart 21 Großdemo gegen S 21 beim Kirchentag geplant

Von Wolfgang Schulz-Braunschmidt 

Die Organisationen und Theologen gegen Stuttgart 21 rufen während des Kirchentags zu einer Kundgebung gegen das Großprojekt am 6. Juni vor dem Hauptbahnhof auf. Sie zeigen sich enttäuscht, dass im Programm des Treffens das umstrittene Vorhaben so gut wie keinen Niederschlag findet.

Während des Kirchentags wollen S-21-Gegner am 6. Juni demonstrieren. Foto: Horst Rudel
Während des Kirchentags wollen S-21-Gegner am 6. Juni demonstrieren. Foto: Horst Rudel

Stuttgart - Mit einer Demonstration vor dem Hauptbahnhof protestiert die Bürgerbewegung gegen Stuttgart 21 am Samstag, 6. Juni, um 14 Uhr während des Evangelischen Kirchentages gegen den umstrittenen Tiefbahnhof. Hauptredner der Kundgebung, zu der die Parkschützer rund 8000 Teilnehmer erwarten, ist der Journalist Franz Alt.

Im Forum 3 an der Gymnasiumstraße gibt es während des Christentreffens eine Ausstellung über den Widerstand gegen S 21. Dort ist auch der Kurzfilm „Unser Widerstand“ über vier Aktivisten des Protests gegen S 21 zu sehen. Außerdem stehen Parkgebete und Führungen für Besucher auf dem Programm der Tiefbahnhofsgegner.

„Bürger und Pfarrer organisieren während des Kirchentags viele Aktivitäten“, erklärte Matthias von Herrmann, Pressesprecher der Parkschützer, am Freitag auf einer Pressekonferenz im Forum 3. Das Motto des Protests – „Aus Stuttgart 21 klug werden: oben bleiben“ – greife bewusst den Leitspruch des Kirchentages auf, der lautet: „damit wir klug werden“. Mehr als 50 Freiwillige verteilten rund 40 000 Flyer mit dem Titel „kann denn Bahnhof Sünde sein . . .“ an die Kirchentagsbesucher. „Damit wollen wir in einer verständlichen Form auf die vielen Unzulänglichkeiten und Widersprüche des umstrittenen Bahnprojekts und dessen horrende Kosten hinweisen“, erklärte von Herrmann.

Der Sprecher der Parkschützer wies auch darauf hin, dass das Präsidium des Kirchentags 2011 die Wahl Stuttgarts als Veranstaltungsort mit dem Protest und dem zivilgesellschaftlichen Engagement gegen Stuttgart 21 begründet habe. „Die Stadt des 35. Deutschen Evangelischen Kirchentages hat während der zurückliegenden Monate im Streit um das Projekt Stuttgart 21 neue Formen offener und öffentlicher Debatte erlebt. Nachhaltiger Protest und zivilgesellschaftliches Engagement haben eine landesweite Diskussion über die Beteiligung von Bürgerinnen und Bürgern an Entscheidungen in der Demokratie ausgelöst. In diesem Kontext hat der Kirchentag die Einladung nach Stuttgart besonders gern angenommen“, heißt es in der damaligen Presseerklärung des Präsidiums.

„Diese Anerkennung der Bürgerbewegung gegen S 21 möchten wir aufgreifen“, so von Herrmann. Die Kirchentagsbesucher sollten erleben, dass in Stuttgart weiterhin viele Menschen gegen Stuttgart 21 auf die Straße gingen.

Für den Pfarrer Martin Poguntke von den Theologinnen und Theologen gegen S 21 ist es „ höchste Zeit, dass unsere Politiker klug werden und die Fehlplanung aufgeben, statt weiter organisiert wegzuschauen“. Die beiden Bürgerbegehren zum Ausstieg Stuttgarts aus dem Bahnprojekt, über die der Gemeinderat am 2. Juli abstimmen wolle, seien eine gute Gelegenheit, das „unterirdische Trauerspiel“ zu beenden. Die Politiker profilierten sich seit Jahren als Schildbürger der Nation, indem sie sich von der Bahn betrügen ließen und deren falsche Versprechen und Vertragsbrüche einfach hinnähmen.

Kritik übte Poguntke auch an der inhaltlichen Planung des Kirchentages. Von der vor vier Jahren geäußerten Begeisterung über das bürgerschaftliche Engagement und den nachhaltigen Protest in Stuttgart sei im Programm so gut wie nichts mehr zu finden. „Es gibt nur noch eine Veranstaltung zum Thema Großprojekte“, bemängelt Martin Poguntke.