Die Polizei hat angekündigt, dass sie ihre Einsatzkräfte um die Stuttgart-21-Baustelle verstärken wird. Grund sind die Proteste vom Dienstag.

Stuttgart - Die Polizei hat angekündigt, dass sie ihre Einsatzkräfte rund um die Baustelle für Stuttgart 21 verstärken wird. Der Grund sind die Proteste, die es am Dienstag am Bauzaun für das Grundwassermanagement des umstrittenen Bahnhofsbaus gegeben hat. Laut der Polizei versuchten Projektgegner, den Zaun einzureißen. Laut den Parkschützern wollten sie durch das Rütteln am Bauzaun lediglich „ihrem großen Unmut über das Geplante Ausdruck verleihen“, sagte der Sprecher der Organisation, Matthias von Herrmann.

Der „Parkschützeralarm“ – eine Benachrichtigung auf das Handy registrierter Mitglieder – hatte am Vormittag Stuttgart-21-Gegner auf den Plan gerufen. Sie wollten durch Blockaden verhindern, dass die von der Bahn beauftragte Firma einen Kanal durch den Schlossgarten bauen kann. Die Polizei führte und trug 28 Blockierer vom Gelände, danach errichtete das Bauunternehmen einen Zaun. Gegen 13.30 Uhr sei die Stimmung unter den rund 300 Protestierern dann „deutlich aggressiver“ geworden, sagte der Polizeisprecher Stefan Keilbach. Die Gegner hätten erst aufgehört, am Zaun zu rütteln, als die Polizei unmittelbaren Zwang – den Einsatz von Pfefferspray oder Schlagstöcken – angedroht hatte. „Danach war eine verhaltene Beruhigung festzustellen“, sagte Keilbach.

Nicht von einer Verschärfung ausgegangen

Die Polizei habe daraufhin ihre Einsatzkräfte zum Schutz der Baustelle verstärkt. Sie stand am Dienstagabend mit mehreren Fahrzeugen hinter dem neuen Zaun an der Parkseite der Baustelle beim ehemaligen Busbahnhof. Zudem waren Polizeireiter im Einsatz, um den Zaun zu sichern. „Das wollten wir nicht“, sagte der Polizeisprecher. Die Stimmung am Jahrestag des „schwarzen Donnerstag“ sei friedlich gewesen, daher sei man nicht von einer Verschärfung der Lage ausgegangen.

Der Sprecher der Parkschützer hält die Darstellung der Polizei für überzogen. „Einreißen wollte niemand den Zaun“, sagte er und verglich die Szene mit dem mittlerweile historischen Rütteln Gerhard Schröders am Zaun des Kanzleramtes. Verschärft hat sich nach Ansicht der Parkschützer hingegen die Bedrohung für die Bäume und den Park. „Der Verlauf des Kanals ist abgesteckt. Die Strecke führt durch die Wurzelballen mehrerer großer Bäume“, sagte Matthias von Herrmann. Auch vom Bund für Umwelt- und Naturschutz (BUND) kam gestern Protest gegen die weiteren Baumaßnahmen. Die Landesvorsitzende Brigitte Dahlbender, die auch Sprecherin des Aktionsbündnisses gegen Stuttgart 21 ist, sagte bei einem Besuch des Schlossgartens gestern, die Arbeiten seien „naturschutzrechtlich nicht abgesichert“. Am Dienstagabend versammelten sich wieder mehrere Hundert Projektgegner bei der Baustelle. Die Polizei kündigte an, auch in der Nacht die Einsätzkräfte zu verstärken.

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