Stuttgart 21 Projektsprecher schweigen, Ingenieure planen weiter

Von Thomas Braun 

Das Kommunikationsbüro für das Bahnprojekt wird erst einmal stillgelegt. Den Chefs droht  dadurch die Ablösung.

Der vorläufige Baustopp hat für die Zukunft nichts zu heißen. Die Ingenieure planen weiter wie gewohnt. Foto: dpa
Der vorläufige Baustopp hat für die Zukunft nichts zu heißen. Die Ingenieure planen weiter wie gewohnt. Foto: dpa

Stuttgart - In dem von den Projektpartnern eigens eingerichteten Stuttgart-21-Kommunikationsbüro ist nach dem vergangenen Wahlsonntag nichts mehr, wie es war. Die neue grün-rote Landtagsmehrheit und zuletzt der von der Bahn selbst verhängte Bau- und Vergabestopp für das Projekt Stuttgart 21 stellen auch die Struktur und die Aufgaben des Büros um die beiden Projektsprecher Udo Andriof und Wolfgang Dietrich infrage. Bei der für die Planung des umstrittenen Bahnprojekts zuständigen Bahn-Tochter DB Projektbau machen die 92 Ingenieure um Chefplaner Hany Azer zunächst weiter wie gehabt. Schließlich habe die Bahn das Projekt ja nicht beerdigt, sondern lediglich vorübergehend ausgesetzt, heißt es aus Bahn-Kreisen.

Dagegen tun sich die Kommunikatoren in der Jägerstraße, die schon in der Vergangenheit mitunter sehr lange brauchten, um - wie von Bahn-Chef Rüdiger Grube versprochen - auch auf weniger heikle Fragen zeitnah Antworten beizubringen, mit der neuen Situation schwer. Presseanfragen zum Thema Baustopp wurden an die Berliner DB-Konzernzentrale verwiesen, und auf der Homepage des Büros war der Bau- und Vergabestopp bis Mittwoch Abend kein Thema. Die aktuellste Notiz besagt, dass das Stuttgart-21-Infomobil derzeit in Crailsheim (Kreis Schwäbisch Hall) Station macht und für das Projekt wirbt.

Sprecher haben in nächster Zeit  wenig Substanzielles zu verkünden

Angesichts des Moratoriums am Bahnhof gibt es für die beiden ehrenamtlichen Sprecher in nächster Zeit ohnehin wenig Substanzielles zu verkünden - mit Ausnahme wichtiger Personalien vielleicht. Denn die Zukunft von Andriof und Dietrich, die Nochministerpräsident Stefan Mappus (CDU) und Bahn-Chef Grube 2010 nach dem Rücktritt ihres Amtsvorgängers Wolfgang Drexler (SPD) aus dem Hut gezaubert hatten, ist nach Angaben aus grün-roten Koalitionärskreisen wohl schon Vergangenheit. Udo Andriof, ein Parteifreund von Mappus, ist zwar als früherer Stuttgarter Regierungspräsident ein ausgewiesener Kenner und Fan von Stuttgart 21 - allerdings gilt es als ausgeschlossen, dass die neue Landesregierung den christdemokratischen Pensionär weiter über die Feinheiten landschaftspflegerischer Begleitpläne referieren lässt.

Seinem Co-Sprecher Wolfgang Dietrich, ein Mann der Wirtschaft und von seinem Golfpartner Grube auserkoren, die Unternehmer im Land für das Projekt zu mobilisieren, werden ebenfalls wenig Chancen auf einen Verbleib eingeräumt. Zwar ist es ihm gelungen, die Chefs namhafter Großkonzerne dazu zu bringen, ein mögliches Scheitern von Stuttgart 21 als großen Schaden für den Wirtschaftsstandort zu beklagen. Doch damit hat sich Dietrich nicht begnügt, sondern auch andere Themen kommuniziert, etwa die geplanten Ersatzpflanzungen von Bäumen im Schlossgarten. "Es gibt auch eine Schönheit von Bäumen, die wachsen" - dieser Satz vor dem Hintergrund der am 30. September 2010 gefällten Plantanen stieß nicht nur den sogenannten Parkschützern sauer auf. Ob das mit zwölf Personen bestückte Kommunikationszentrale insgesamt bestehen bleibt, hängt davon ab, ob sich das Land auch künftig nicht nur an der Finanzierung von S 21, sondern auch an den Kosten des Büros beteiligt.