Stuttgart-Album zum legendären Hugendubel-Schild So nett waren die Schaffner, als es noch welche gab

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Über Jahrzehnte fuhr in den Straßenbahnen ein Schild mit, an das sich viele Stuttgarter gern erinnern: „Vergiß nicht deinen Hugendubel.“ Die Tochter des 1969 gestorbenen Firmenchefs verrät, wer die Idee zu diesem Werbecoup hatte.

Freundlich lehnt sich der Schaffner mit dem roten Schirm  aus dem Wagen  heraus. Über 50 Jahre lang hing dieses Bild  in den Stuttgarter Straßenbahnen. Foto: Privatarchiv Regine Hugendubel 14 Bilder
Freundlich lehnt sich der Schaffner mit dem roten Schirm aus dem Wagen heraus. Über 50 Jahre lang hing dieses Bild in den Stuttgarter Straßenbahnen. Foto: Privatarchiv Regine Hugendubel

Stuttgart - Als man in Stuttgart noch mit Regen Geld verdiente, kannte jedes Kind, das lesen konnte, einen Spruch: „Vergiß nicht deinen Hugendubel.“ Damals schrieb man die Befehlsform von vergessen noch mit ß. Über fünf Jahrzehnte lang fuhr das Schild mit dem netten Schaffner, der sich aus einem gelben Siebener mit einem rotem Schirm weit hinauslehnt, in allen Straßenbahnen mit. 1999 verschwand es für immer, ist aber dennoch unvergessen.

Als „Knirps“ ist Regine Hugendubel geboren, wie sie sagt. Ihr 1969 verstorbener Vater Horst Hugendubel, der Schirmfabrikant, war ein Visionär seiner Zeit. Bekannt war er für seine originellen Werbekampagnen und für seine Tierliebe. „Seit den 1950ern hatten wir Bulldoggen daheim“, erzählt die Tochter, „sie bekamen immer Hundenamen, die vom Familiennamen abgewandelt waren: Hugi, Hugiline oder Dubi.“ Eine Bulldoge – wen überrascht es? – schmückt das Firmenlogo. Im Maul hält der Hund einen Stockschirm. Manchmal nahm ihr Vater seine Bulldogge samt Affe Fips und Papagei Lora – auch die gehörten zur Familie – in seinen Schirmladen an der Hirschstraße mit. „Die haben dann die Kunden und Mitarbeiter unterhalten“, erinnert sie sich.

Ihr Großvater war der königliche Hofschirmlieferant

Am Erfolg der Firma hatte die Mutter von Regine Hugendubel einen wesentlichen Anteil. Denn auf ihr Konto geht das berühmte Strampe-Schild. „1942, als sie hörte, was sich in der Fundsachenstelle der Straßenbahnen massenhaft anhäufte, war ihr der Werbespruch eingefallen“, sagt die Tochter. Es war auch Werbung für die Straßenbahn mit ihrem freundlichen Personal. So nett waren die Stuttgarter Schaffner, als es noch welche gab.

Ihr Urgroßvater hatte die Firma 1833 gegründet. Ihr Großvater war königlicher Hofschirmlieferant des letzten Königs von Württemberg, ihre Stiefmutter musste 1999 den Laden an der Hirschstraße schließen – die Konkurrenz aus Asien war zu groß.

Lieferwagen mit einer Bulldogge auf dem Dach

In den besten Zeiten konnte Hugendubel, die drittgrößte Schirmfabrik in Deutschland mit 100 Mitarbeitern auf einer Produktion von vier Etagen an der Hirschstraße, weltweit exportieren. Bekannt waren auch die Lieferwagen mit der Bulldogge auf dem Dach. Davon gab es eine Flotte, denn die Stuttgarter belieferten einst den gesamten Schirmfachhandel in Deutschland. Eigentlich müsste Regina Hugendubel ihre Familiengeschichte aufschreiben, was ein Bestseller bei den Verwandten werden könnte. Der Bruder ihres Urgroßvaters, in Stuttgart geboren, ist der Gründer der Münchner Buchhandlungskette Hugendubel.

Was Buch-Hugendubel mit Schirm-Hugendubel zu tun hat

Zu den größten Erfolgen von Hugendubel zählt die Erfindung des Stockschirms. Dieser wurde 1909 dem König vom Württemberg präsentiert. Viele Jahre hat es dann das Unternehmen geschafft, dass in Stuttgart Hugendubel zum Synonym für Schirm geworden ist. Erst stand auf den Schildern „Vergiß nicht deinen Hugendubel-Schirm“, dann wurde das Wort Schirm weggelassen. Im Facebook-Forum unseres Stuttgart-Albums freuen sich viele über das Foto des Schildes. „Ich habe ihn tatsächlich einmal vergessen“, berichtet Irmgard Abt, „mein ganzer Monatsgehalt war futsch.“ Eine weitere Kommentatorin hat viele Bilder im Kopf: „In den Straßenbahnen habe ich mir an den offenen Türen, hinter dem Holzgitter. den Wind um die Nase blasen lassen.“

Ein asiatischer Herstellername würde ungewohnt klingen mehr

Notorische Schirmvergesser greifen heutzutage gern auf Werbeschirme zurück, die man geschenkt bekommt. Die sind meist made in Fernost. In Europa gefertigte Meisterware kostet mindestens 100 Euro pro Exemplar. Und dann lässt man das hochwertige Stück in der Stadtbahn liegen! Schon lange gibt es keine Warnschilder mehr, an seinen Schirm zu denken. Ein asiatischer Herstellername wäre bei uns auch etwas sonderbar. Wie würde das denn klingen? Vergiss nicht deinen Wang-Zhan-Li!

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