Stuttgart aus französischer Sicht Demonstranten wollen nicht aufgeben

Von Xavier Thiery 

Vor vier Jahren hat Xavier Thiery für die in Straßburg erscheinenden „Dernières Nouvelles d’Alsace“ erstmals über die Montagsdemos gegen Stuttgart 21 berichtet. Nun ist der Elsässer wieder zu einer der Protestveranstaltungen gegangen.

Die Hartnäckigkeit der Montagsdemos, hier ein Bild vom März dieses Jahres, beeindruckt den StZ-Gast aus dem Elsass. Foto: Achim Zweygarth
Die Hartnäckigkeit der Montagsdemos, hier ein Bild vom März dieses Jahres, beeindruckt den StZ-Gast aus dem Elsass. Foto: Achim Zweygarth

Stuttgart - Vor vier Jahren habe ich über die Bewegung gegen Stuttgart 21 in den „Dernières Nouvelles d’Alsace“ berichtet. Etwas Neues schien dort stattzufinden im Bereich der demokratischen Willensbekundung. Also bin ich nach Stuttgart gereist, um eine Montagsdemo zu erleben. An diesem Tag – es war der 20. September 2010 – waren es fast 20 000 Menschen die „Oben bleiben“ gerufen haben neben dem abgerissenen Nordflügel des Hauptbahnhofs. Dass die Verantwortlichen der Initiative sogar ein Gegenprojekt – Kopfbahnhof 21 – ausgearbeitet hatten, beeindruckte mich. Aber man kennt die weitere Entwicklung: Ende 2011 kam es zu einer Volksabstimmung. Die Wähler befürworteten die Finanzierung des Projekt durch das Land. Was erstaunlich ist: dieses Ergebnis hat den Widerstand gegen S 21 nicht gestoppt.

Vergangenen Montag konnte ich es vor Ort feststellen. Zu dieser 299. Montagsdemo, im Nordbahnhofsviertel veranstaltet, kamen rund 400 Leute. Ihre Entschlossenheit scheint so groß zu sein wie vor vier Jahren. Aus Sicht eines fremden Beobachters nötigt so etwas Respekt ab.

Matthias von Herrmann, Pressesprecher der Parkschützer, hat mir erklärt, dass nicht alle die Hoffnungen aufgegeben haben. „Es gibt noch viele Punkte, an denen das Vorhaben scheitern könnte. Die Finanzierung ist sowieso noch nicht geregelt“.

Bonatz ist im Elsass aufgewachsen

Gegenüber dem Bonatz-Bahnhof (ich erwähne der Vollständigkeit halber, dass der Stuttgarter Architekt im Elsass groß geworden ist), steht auch noch die Mahnwache. Ein Fest zum vierjährigen Bestehen wird diesen Donnerstag im unteren Schlossgarten gefeiert. „Seit dem Anfang mache ich mit, weil es eine Schande ist, Steuergeld für eine Stadtzerstörung zu verwenden“, sagt mir eine ehemalige Lehrerin aus Möhringen. Sie zählt zu den 300 Freiwilligen, die sich Tag und Nacht ablösen, um die Mahnwache am Leben zu halten.

Während weiter viele Verfahren vor Gericht anhängig sind, soll jetzt die erste Baugrube für den Tiefbahnhof Anfang August ausgehoben werden. Die Aussicht darauf, wird wahrscheinlich die Gegner wieder auf den Plan rufen. Werden aber am Schluss doch die Planer und Behörden das letzte Wort behalten? Das bleibt abzuwarten: Zuletzt hatten Bürgerbewegungen in Europa auch mal gesiegt.

Xavier Thiery, Wirtschaftsredakteur der „Dernières Nouvelles d’Alsace“ ist eine Woche zu Gast bei der Stuttgarter Zeitung.