Stuttgart-Botnang Ein Markt mit besonderem Flair

Von Torsten Ströbele 

An elf Ständen werden samstags an der Regerstraße vor allem Lebensmittel aus der Region angeboten.

Samstags kommen viele Stammkunden auf den Wochenmarkt, der seit Monaten interimsweise an der Regerstraße stattfindet. Ab Sommer 2017 soll er wieder ins Zentrum rücken. Foto: Torsten Ströbele Foto:  
Samstags kommen viele Stammkunden auf den Wochenmarkt, der seit Monaten interimsweise an der Regerstraße stattfindet. Ab Sommer 2017 soll er wieder ins Zentrum rücken. Foto: Torsten Ströbele

Stuttgart-Botnang - Sie kommen teilweise von weit her – aus Bösingen, Schramberg, Bopfingen oder Niederstetten. Mitten in der Nacht müssen sie samstags aufstehen, um nach Botnang zu fahren. Von 7 Uhr an bieten sie ihre Waren auf dem Wochenmarkt an, der seit Monaten interimsweise an der Regerstraße stattfindet. Wenn der Marktplatz im Zentrum von Botnang im Sommer 2017 wieder zur Verfügung steht, ziehen auch die Marktbeschicker wieder an die Griegstraße.

Insgesamt gibt es elf Stände auf dem Wochenmarkt. 1979 habe er das erste Mal stattgefunden, da ist sich Friedrich Jantzen sicher: „Ich bin nämlich von Anfang an mit dabei.“ Seine Frau und er verkaufen Molkereiprodukte, vor allem Käse – meist aus der Schweiz oder Österreich. „In Botnang leben lauter Gourmets. Deshalb bieten wir höherwertige Ware und Spezialitäten an“, sagt Jantzen. Früher habe er versucht, mit den Preisen der Discounter zu konkurrieren. „Das kann man aber vergessen“, betont der gelernte Industriekaufmann, der in sein aktuelles Tätigkeitsfeld „so reingerutscht“ ist. „Ich mag Käse. Er war mein Hobby, nun beschäftigte ich mich schon lange beruflich mit ihm. Das passt“, sagt Jantzen und schmunzelt.

Auch Oktay Günay kam eher zufällig zum Verkauf von Backwaren auf dem Botnanger Wochenmarkt. Der Sohn des Firmenchefs von Brantner Bäck ist ein Schulfreund von ihm. „Ich habe früher als Aushilfe mitgearbeitet. Im Oktober hat man dann jemanden gesucht, der hier in Botnang verkauft. Jetzt mache ich das“, sagt Günay, der eigentlich eine Autowerkstatt betreibt. Er fühlt sich pudelwohl hinter seiner Backtheke. An die Tür seines Wagens hat er unter anderem Zitate aus der Bibel oder von Hermann Hesse geschrieben. „Kunden fotografieren das auch gerne.“ Alle seien sehr freundlich. „Das ist ein wirklich toller Markt“, sagt Oktay Günay. Da gebe es andere Beispiele – wie den Markt in Mönchfeld, der im Mai 2015 eröffnet hat und vor Kurzem aufgrund der schlechten Resonanz schon wieder schließen musste.

Einige Standbetreiber stehen mitten in der Nacht auf, um nach Botnang zu kommen

Das Besondere am Wochenmarkt in Botnang sei vor allem der gute Zusammenhalt und die tolle Stimmung unter den Marktbeschickern, sagt auch Hakan Kilic. „Das Flair ist perfekt.“ Seit rund 15 Jahren bietet er samstags im Bezirk internationale Spezialitäten wie Oliven oder Schafskäse an.

Schon sehr viel länger ist Renate Krämer dabei: „Seit dem ersten Tag bin ich hier. Da bekommt man Routine.“ Doch sie kommt nicht allein. Sehr viele Familienmitglieder packen mit an, wenn das eigene Freilandgemüse aus Plieningen in Botnang verkauft wird. Die drei jungen Enkelkinder Lea, Mona und Lena können zwar noch nicht mithelfen, ihre Fotos hängen aber immer am Stand. Dazu gibt es auch Bilder der Ware – von den Buschbohnen über verschiedene Salate bis hin zu Blumenkohl und Kartoffeln. Die Auswahl ist riesig – nicht nur auf den Fotos. Die Krämers haben mit Abstand den größten Stand in Botnang. „Die Arbeit ist kein Pappenstiel. Aber hier wird sie honoriert“, sagt Renate Krämer.

Albert Wolfert gefällt es so gut in Botnang, dass er dort seit fünf Jahren seine Samstage verbringt. Von Montag bis Freitag ist er Hausmeister an einem Gymnasium und am Samstag verkauft er unter anderem Fleisch, Nudeln und Maultaschen von vier kleinbäuerlichen Erzeugern rund um Niederstetten in dem Stuttgarter Stadtbezirk. „Um 3 Uhr ist die Nacht vorbei“, sagt Wolfert. Spätestens um 4.30 Uhr muss er im Auto sitzen, um die etwa 140 Kilometer lange Strecke nach Botnang in Angriff zu nehmen. „Aber die Kundschaft hier ist super und das Miteinander der Marktbeschicker sehr gut. Es macht einfach Spaß.“

Der Markt findet an der
Regerstraße, auf Höhe der Stadtbahnhaltestelle Millöckerstraße statt.

Zeit:
Samstags von 7 bis 12.30 Uhr

Das Angebot:
Der Markt hat insgesamt elf Stände. Es gibt Backwaren, Blumen, Eier, Obst und Gemüse, Nudeln, internationale Spezialitäten, Maultaschen, Wurst und Käse.

Sonderthemen



Unsere Empfehlung für Sie