Stuttgart-Botnang Wildschweine treiben ihr Unwesen

Von Torsten Ströbele 

Gärten und Friedhöfe wurden in den vergangenen Tagen von den Wildtieren gleich mehrmals heimgesucht.

Auch auf dem Weg entlang des Buberlesbaches ist die Verwüstung durch die vierbeinigen Waldbewohner deutlich zu sehen. Foto: Symbolbild dpa
Auch auf dem Weg entlang des Buberlesbaches ist die Verwüstung durch die vierbeinigen Waldbewohner deutlich zu sehen. Foto: Symbolbild dpa

Botnang - Anwohner an der Sommerhaldenstraße sind beunruhigt. „Seit mehr als drei Wochen treiben die Wildschweine bei uns ihr Unwesen“, sagt Heidi Müller, die ihren richtigen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte. Seit 47 Jahren lebe sie im Gebiet Sommerhalde in Botnang, und vor 20 Jahren habe sie dort einen Garten gekauft, aber Wildschweine habe sie in all den Jahren noch nie mitten im Wohngebiet gesehen. „Nun haben die Tiere aber schon dreimal meinen ganzen Garten durchwühlt“, sagt Heidi Müller. „Sie kommen, wenn es dunkel ist. Man hört sie, wenn sie aus dem Wald die Straße runterlaufen. Das ist immer so zwischen Mitternacht und 5 Uhr.“

Die Spuren der Verwüstung sind aber nicht nur an der Sommerhaldenstraße zu sehen. Auch entlang des Buberlesbaches und rund um die Robinson Jugendfarm waren die Wildschweine aktiv. Die Friedhöfe in Feuerbach und Botnang wurden ebenfalls in den vergangenen Tagen von den Tieren heimgesucht.

Beim Garten-, Friedhofs- und Forstamt ist das Problem bekannt. „Dass Wildtiere in den Friedhofsbereich eindringen, kommt immer wieder vor“, sagt der stellvertretende Amtsleiter Hagen Dilling. Dachse hätten beispielsweise schon einmal Erdhöhlen gegraben. Daraufhin seien an manchen Stellen die Grabsteine etwas abgerutscht, weil das Fundament abgesackt ist. „Es ist ein bekanntes Phänomen, dass Wildschweine in der Nähe der Wohnbebauung auftauchen“, sagt Dilling. Das sei aber bislang eher selten vorgekommen.

Für den Schaden kommt niemand auf

Dieses Jahr sei die Population der Wildschweine allerdings besonders groß. Das habe unter anderem mit dem vergangenen milden Winter zu tun. Im Schnee und zwischen laubfreien Bäumen seien die Tiere für den Jäger besser zu erkennen. In diesem Fall sei die Sicht im Wald aber über Monate hinweg sehr eingeschränkt gewesen. Nun seien die Jäger aufgefordert worden, etwas zu tun. „Sie werden sich die Nächte um die Ohren schlagen und alle Anstrengungen unternehmen, um den Bestand der Wildschweine zu reduzieren“, sagt Dilling. Wie groß die Population genau sei, könne er nicht sagen. „Vor Jahrzehnten hat man bundesweit aufgehört, die Wildschweine zu zählen.“ Die erstellten Statistiken hätten den genauen Bestand nie korrekt wiedergegeben. Fakt sei in diesem Jahr aber, „dass es sich um sehr viele Wildschweine handelt“, betont Hagen Dilling. Innerhalb des Amtes habe man lange darüber diskutiert, wie man die Tiere von den Gärten, Spielplätzen, Grünflächen und Friedhöfen fernhalten könnte. „Es gibt keine Duftstoffe. Da helfen eigentlich nur Zäune. Aber die kann man auch nicht überall anbringen“, sagt Dilling. Heidi Müller hat etwas anderes ausprobiert. Sie hat Alufolie an eine Leine gehängt und damit den Garten ausgestattet beziehungsweise abgesperrt. Das scheint geholfen zu haben. „Seit dieser Aktion sind die Wildschweine nicht mehr bei mir gewesen“, sagt Müller. Auch WC-Steine sollen helfen, meint die Botnangerin. „Das wäre mir neu“, wundert sich der stellvertretende Leiter des Garten-, Friedhofs- und Forstamtes. „Wenn wir eine kurzfristige Lösung des Problems kennen würden, hätten wir diese Karte schon gespielt.“ Revierförster Rudolf Bertram geht allerdings davon aus, dass sich die Wildschweine wieder in den Wald zurückziehen, wenn die Eicheln von den Bäumen fallen. Und das soll bald der Fall sein.

Für den Schaden, den die Tiere in der Zwischenzeit anrichten, käme allerdings niemand auf, sagt Hagen Dilling. „Die Wildschweine sind herrenlos, also haftet niemand.“ Wie und wann das Bild der Verwüstung auf den öffentlichen Flächen wieder verschwindet, kann Dilling noch nicht sagen. „So bleiben kann es auf jeden Fall nicht. Aber wie wir die Flächen dauerhaft vor den Wildschweinen sichern können, wissen wir eben leider auch noch nicht.“

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