Stuttgart-Degerloch Damit Hunde nicht mehr auf die Felder machen

Von Tilman Baur 

Trampelpfade und Tierkot auf Futterwiesen: Weil viele Gassi-Geher das Betretungsverbot ignorieren, reagieren Stadt und Bauernverband im Ramsbachtal in Stuttgart-Degerloch mit neuen Schildern.

Die neuen Schilder sind absichtlich dezent gehalten,  sie sollen nicht belehren. Foto: Tilman Baur
Die neuen Schilder sind absichtlich dezent gehalten, sie sollen nicht belehren. Foto: Tilman Baur

Degerloch - Im Ramsbachtal regnet es an diesem frühen Nachmittag leicht aus dem hellgrauen Degerlocher Himmel. Das Zirpen der Grillen ist das einzig wahrnehmbare Geräusch in der Idylle des Naturschutzgebiets. Nur wer die Ohren konzentriert spitzt, vernimmt in weiter Ferne den Motor eines Rasenmähers. Zwei Rentner sitzen auf einer Holzbank, ein Mann dreht eine Runde auf Inlinern.

Nach Hunden hält man zunächst vergeblich Ausschau. Dabei sind sie, genauer gesagt ihre Herrchen, ein Ärgernis für die Landwirte im Tal. Die Hundebesitzer lassen ihre Vierbeiner nur allzu oft auf deren Nutzflächen herumtollen. Doch dabei bleibt es nicht: Auch ihr Geschäft verrichten die Hunde dort, wo sie es nicht dürfen.

Hundekot auf Feldern sei nicht harmlos

Harmlos ist die Sache nicht, erklärt Klaus Brodbeck, Vorsitzender des Bauernverbands Stuttgart. „In Degerloch haben viele Bauern Kühe und bauen auf den Flächen im Ramsbachtal Tierfutter an. Wenn sich das mit dem Hundekot vermischt, ist das natürlich ein Problem“, sagt Brodbeck.

Durch die Verunreinigung könnten die Nutztiere erkranken. Wenn ein einziger Hund mal sein Geschäft verrichte, sei das noch kein Problem. „Die Masse macht’s, und es sind eben doch ziemlich viele“, sagt Brodbeck. In Stuttgart sind 13 000 Hunde gemeldet. Ein anderes Problem seien die Trampelpfade, die sich teils 20 Meter abseits der offiziellen Wege bildeten und die Pflanzen zerstörten, so Brodbeck. Der Bauernverband hat nun Maßnahmen ergriffen – zusammen mit der Stadt Stuttgart und der Wirtschaftsförderung. Seit Ende Juli hängen an den Hauptzugängen zum Ramsbachtal Schilder, die auf das „Betretungsverbot für Ackerflächen und Futterwiesen von März bis Oktober“ hinweisen und auf die Gefahren, die mit seiner Missachtung einhergehen. Die Verbotsschilder seien optisch bewusst dezent, belehren wolle man nicht. „Wir wollen niemandem etwas verbieten, aber informieren und sensibilisieren“, sagt Klaus Brodbeck.

Ältere Hinweistafeln wurden bisher ignoriert

Ob die Schilder den erhofften pädagogischen Zweck erfüllen? Ältere, beklebte und beschmierte Hinweisschilder hängen ebenfalls noch an manchen Weggabelungen im Ramsbachtal – viele Hundebesitzer scheinen sie bislang ignoriert oder nicht bemerkt zu haben. Die neuen, mit Piktogrammen versehenen Schilder sind auch Giuliano Lo Bue und Kathy Zeitler aufgefallen. Der 24-Jährige und die 20-Jährige gehen mit ihren Hunden, einer Jack-Russel-Dame und einem Greyhound, hier fast täglich Gassi.

Angesprochen fühlen sie sich durch die Schilder nicht. Aber nur deshalb, weil ihre Hunde ihr Geschäft sowieso stets daheim verrichten würden, sagt Giuliano Lo Bue. „Wir lassen die Hunde aber generell nicht auf den Feldern rumlaufen“, versichert er. Das Anliegen der Landwirte finden die beiden verständlich. Ob auch andere Gassigeher künftig mehr Rücksicht nehmen, wird sich zeigen.

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