Stuttgart-Degerloch/Sillenbuch Landwirte protestieren gegen Umzugspläne der Freien Aktiven Schule

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Die Stuttgarter Stadträte wollen, dass die Freie Aktive Schule aus Stuttgart-Degerloch auf einen Acker in Stuttgart-Sillenbuch zieht. Die ansässigen Bauern finden das überhaupt nicht lustig.

Die FAS selbst würde am liebsten an der Hohen Eiche bleiben. Foto: Lg/Zweygarth
Die FAS selbst würde am liebsten an der Hohen Eiche bleiben. Foto: Lg/Zweygarth

Degerloch/Sillenbuch - Wenn es nach dem Stuttgarter Gemeinderat geht, soll die Freie Aktive Schule (FAS) auf das Sillenbucher Feld im Gebiet Schwellenäcker ziehen; zwischen der Klara-Neuburger-Straße und dem Hundesportplatz, der bis vor Kurzem für einen Neubau des Geschwister-Scholl-Gymnasiums und die mögliche Filderauffahrt im Gespräch gewesen war. Zusätzlich zur FAS sollen dort Wohnhäuser und eine Kindertagesstätte gebaut werden. Am Dienstag haben sich die Stadträte in fünf Abstimmungen mehrheitlich für diese Variante ausgesprochen.

Zuvor hatte es die Überlegung gegeben, ob die Schule, die derzeit an der Hohen Eiche in Degerloch beheimatet ist, auf die Wiese an der Bernsteinstraße in Heumaden zieht. In der Sitzung am Dienstagmorgen hatten jedoch nur noch die Mitglieder von Bündnis 90/Die Grünen für diese Variante gestimmt: Stadträte und Anwohner wollen, dass diese Wiese erhalten bleibt.

In Degerloch kann die Schule nicht bleiben

An der Hohen Eiche kann die FAS nicht bleiben, obwohl das der Wunsch der Schule wäre. Das Gebiet ist für sportliche Zwecke reserviert und die FAS hatte immer nur ein befristetes Nutzungsrecht. Vor Kurzem hat die Stadt zugestimmt, dass die Schule bis zum Jahr 2023 dort bleiben darf. Dann aber sollen die Sportvereine zum Zug kommen, deren Mitgliederzahlen steigen und die sich vergrößern wollen.

Problematisch bei dem befürworteten Standort der Stadträte, also dem Acker im Gebiet Schwellenäcker, ist, dass es dort derzeit noch kein Baurecht gibt. Außerdem wehren sich die Landwirte heftigst, dass ein Acker bebaut werden soll. In schriftlichen Stellungnahmen an die Bürgermeister und Stadträte drücken sie ihren Unmut aus. Klaus Wais, landwirtschaftlicher Obmann von Sillenbuch und Bewirtschafter eben dieses Ackers, schreibt: „Ich vermisse eine sachkundige Beurteilungsgrundlage der Standorte in Bezug auf die Wertigkeit landwirtschaftlicher Flächen.“

„Boden ist nicht vermehrbar“, mahnen die Landwirte

Wais argumentiert, dass in ganz Deutschland wenig Ackerland zur Verfügung stehe, die Landwirte rund um Stuttgart jedoch in den vergangenen Jahrzehnten einen extremen Flächenverlust hätten verkraften müssen. „Eine weitere Reduzierung dieses wertvollen Ackerlandes durch eine Bebauung bedeutet für uns eine existenzielle Bedrohung für die Weiterführung unseres Betriebes.“ Für ihn sei es daher unverständlich, dass die Bebauung von Ackerflächen in Frage komme, obwohl es Bebauungspläne für Schulen und Kitas gebe.

Ganz ähnliche Argumente findet auch Christine Knobloch-Hiller, Landwirtin aus Degerloch: „Freie Ackerflächen als Bauland zu nutzen wäre nicht zeitgemäß, in höchstem Maße verantwortungslos, kurzsichtig und absoluter Frevel und Raubbau an der Natur“, schreibt sie. Knobloch-Hiller erinnert daran, dass die Böden auf den Fildern zu den lebendigsten und fruchtbarsten Böden in ganz Deutschland gehörten, die gerade in Zeiten des Klimawandels bedingungslosen Schutz brauchten. „Boden ist nicht vermehrbar“, mahnt sie.

Schüler sollen Obst verwerten

Unterdessen kämpfen die Mitglieder der Anwohnerinitiative Bernsteinwiese weiter dafür, dass möglichst nicht die Wiese in Heumaden als Bauplatz für die FAS genutzt wird. Sie haben Argumente dafür gesammelt, dass die Schule entweder doch an ihrem derzeitigen Standort in Degerloch bleiben kann oder auf die ungenutzte städtische Obstwiese östlich des Schwarzäckerwegs zieht, also auf einen Teil des Gewanns Schwarzäcker II. Genau wie die Landwirte möchte die Anwohnerinitiative verhindern, dass nicht vermehrbarer Boden zerstört wird.

Laut Matthias Wörner von der Anwohnerinitiative spreche für den Standort Schwarzäcker II, dass die Schule dort ihr naturnahes Konzept umsetzen könnte. Die Obstbaumwiese im südlichen Teil könnte erhalten bleiben und das Obst verwertet werden, das bisher ungenutzt liegen bleibe. Außerdem würde die Schule das Areal sauber halten und pflegen, was derzeit nicht der Fall sei. Zudem würde sich die FAS gut in den bestehenden Bildungs- und Sportcampus aus dem Geschwister-Scholl-Gymnasium, Grundschule Riedenberg, Waldorfschule und Sportvereinen einfügen, wodurch Synergieeffekte möglich wären, argumentiert er.

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