Stuttgart Es gibt zu wenige Betreuungsplätze für Kinder

Wie ein Bericht der Stadt Stuttgart zeigt, fehlen zahlreiche Kindergartenplätze in Plieningen, Birkach, Degerloch und Sillenbuch. Vor allem bei den Null- bis Dreijährigen sind die Wartelisten lang. Und oftmals fehlen auch Erzieher.

Wenn beide Elternteile arbeiten wollen, brauchen sie eine Betreuung für ihre Kinder. Das klappt in Stuttgart nicht immer. Foto: dpa
Wenn beide Elternteile arbeiten wollen, brauchen sie eine Betreuung für ihre Kinder. Das klappt in Stuttgart nicht immer. Foto: dpa

Filder - Als unbefriedigend oder als nicht ausreichend bezeichnet die Stadt in ihrem Jahresbericht zur Kinderbetreuung die Situation in allen vier Stadtbezirken unter dem Fernsehturm. Ob in Birkach, Plieningen, Degerloch oder Sillenbuch – es mangelt an Betreuungsplätzen für Kinder, vor allem für Kinder unter drei Jahren. Insgesamt stehen für das Kindergartenjahr 2017/2018 stadtweit 2937 Kinder unter drei Jahren auf Wartelisten. Das liegt zum einen daran, dass die Stadt nicht mehr hinterherkommt mit dem Ausbau von Betreuungsplätzen. Zum anderen ist der Markt an Erziehern leer gefegt.

Es fehlen sehr viele Erzieher

„Die Problematik ist stadtweit und trägerübergreifend vorhanden“, sagt eine Mitarbeiterin des Jugendamts. „Vor allem bei neuen Einrichtungen ist es für die Träger besonders herausfordernd, rechtzeitig zur Eröffnung ausreichend Personal zur Verfügung zu stellen. Deshalb werden neue Einrichtungen gruppenweise sukzessive aufgebaut.“ Genaue Zahlen, wie viele Erzieher in den einzelnen Einrichtungen fehlen, kann das Jugendamt nicht nennen, da sich die Personalsituation ständig verändere.

Werden die vier Stadtbezirke miteinander verglichen, leben in Sillenbuch die meisten Kinder: Dort lebten zum 1. März vergangenen Jahres 645 Null- bis Dreijährige und 690 Drei- bis Sechsjährige. Für letztere Altersgruppe gibt es ein durchaus befriedigendes Platzangebot in den Kindertagesstätten, wie die neuesten Zahlen der Stadt verraten. Es gibt rein rechnerisch sogar mehr Plätze als Kinder, die Versorgungsquote für die Drei- bis Sechsjährigen liegt bei 122 Prozent. Bei den Null- bis Dreijährigen haben unterdessen nur 29 Prozent einen Betreuungsplatz. Zum 1. März 2017 standen 131 Kleinkinder auf Wartelisten. Um der Not zu begegnen, gibt es Pläne für einen Neubau der Kita an der Bernsteinstraße in Heumaden.

Viele Flüchtlingskinder in Degerloch haben keinen Platz

Auch in Degerloch braucht es mit Blick auf die Wartelisten zusätzliche 129 Plätze für Kleinkinder. Die Anzahl der Kinder zwischen null und drei Jahren hat sich von 2016 auf 2017 um 15 Prozent auf 521 Kinder erhöht. Der Versorgungsgrad liegt bei 38 Prozent – was die Mitarbeiter der Stadt als „nicht befriedigend“ bezeichnen. Bei den Drei- bis Sechsjährigen hat sich die Zahl um fünf Prozent auf 469 Kinder erhöht, dort liegt der Versorgungsgrad trotzdem bei positiven 113 Prozent.

Die Stadtverwaltung weist in ihrem Jahresbericht jedoch darauf hin, dass in Degerloch viele Einrichtungen freier Träger im Stadtbezirk nicht nur von Degerlocher Kindern genutzt würden – wie etwa der Kindergarten der International School Stuttgart oder der tus-Sportkindergarten auf der Waldau. „Bei genauerer Betrachtung ist weiterer Ausbaubedarf angezeigt“, schreibt die Stadt. Dazu kommt, dass neben den Stadtbezirken Möhringen sowie Stuttgart-Nord in Degerloch besonders viele Drei- bis Sechsjährige aus Flüchtlingsunterkünften noch auf einen Betreuungsplatz warten. Die Mitarbeiter der Stadt hoffen, dass durch den Neubau der katholischen Kita an der Reutlinger Straße sowie die Pläne für einen Waldorfkindergarten in Degerloch die Situation im Bezirk entspannen.

In Plieningen und Birkach ist die Not groß

Birkach und Plieningen stehen besonders schlecht da: Insgesamt 154 Kinder im Alter zwischen null und drei Jahren lebten zum Stichtag 1. März 2017 in Birkach. Für sie gab es nur 42 Betreuungsplätze. Das führt zu einem Versorgungsgrad von lediglich 27 Prozent. Im stadtweiten Durchschnitt liegt die Betreuungsquote bei 43,2 Prozent. Von den 205 Drei- bis Sechsjährigen hatten 82 Prozent einen Platz. Im Stadtbezirk Plieningen hatten im Jahr 2017 93 Prozent der Drei-bis Sechsjährigen sowie 39 Prozent der Null- bis Dreijährigen einen Betreuungsplatz. Die Stadt nennt dies in ihrer Erläuterung als „immer noch unbefriedigend“. Für Kleinkinder fehlen in Plieningen 73 Plätze.

Weil die Not in Birkach und Plieningen so groß ist, werden in den beiden Bezirken mehrere Kitas vergrößert: So wird die eingruppige Kita an der Grüninger Straße auf vier Gruppen erweitert. Allerdings dauert es noch: Im Frühjahr sollen die Entwurfsplanungen für den Neubau beginnen, die Bauarbeiten sollen im Herbst 2019 beginnen. Frühestens im Frühjahr 2021 wird die Kita bezugsfertig sein. Dafür können in die derzeit noch im Bau befindliche Kita der Bruderhaus Diakonie in Schönberg die Kinder bereits im September 2018 einziehen.

Es müssen Ausweichquartiere gefunden werden

Auf dem Pallotti-Areal, wo derzeit die katholische Kirche abgerissen wird, entsteht eine viergruppige Kita. Die Kinder aus dem Pallotti-Kindergarten sind bereits in die ehemalige neuapostolische Kirche in Plieningen gezogen. Außerdem wird die Kita an der Körschstraße 22 nach längeren Diskussionen nun definitiv erweitert: Das marode Gebäude soll abgerissen und durch einen größeren Neubau ersetzt werden – allerdings werden die Bauarbeiten dort frühestens im Jahr 2020 beginnen.

Bis es soweit ist, müssen noch Ausweichquartiere für die Kinder aus der Kita Grüninger Straße und der Körschkita gefunden werden: „Vielleicht ist bis dahin der Pallotti-Kindergarten bezugsfertig und die Kinder aus den zwei städtischen Kitas können ebenfalls in die Neuapostolischen Kirche ziehen“, hofft die Bezirksvorsteherin Andrea Lindel. Alternativ sei auch eine Containerlösung denkbar oder eine Aufteilung der Kinder auf verschiedene Kitas, die nicht komplett ausgelastet seien.

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